Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Allerheiligen, Allerseelen, Adolf Dankl

ALLERHEILIGEN/ALLERSEELEN

Am 1. und 2. November feiert die katholische Welt, was andere am Totensonntag, am Bußund Bettag und am Volkstrauertag feiern.

Seit der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts ist dieses kirchliche Fest bekannt. Papst Gregor hat es im 9. Jahrhundert auf den 1. November gelegt. Arno war damals Bischof im Salzburger Land. Es gibt Gedenkgottesdienste für die Toten der Gemeinde, für Gefallene und Vermisste. Die Gräber auf dem Dorffriedhof sind besonders liebevoll geschmückt und am Kriegerdenkmal wird der Soldaten gedacht, die nicht mehr heimgekommen sind. Am Allerheiligentag nachmittags findet ein Gräbergang statt, an dem sich das ganze Dorf beteiligt. An keinem Haus ist der „Schnitter“ vorübergegangen . Jede Familie hat eine Grabstätte auf unserem Dorffriedhof.

Kunstschmied Adolf Dankl

Überall auf unserem Friedhof findet man „seine“ Kreuze. Jedes ist anders und doch tragen alle seine künstlerische Handschrift. Und nicht nur in Unken stehen seine Werke. Weit über die Grenzen unseres Landes hinaus ist seine besondere Fähigkeit gefragt. Die weiteste Reise machte wohl ein Kreuz nach Kalifornien. Mehr als zwei Dutzend seiner Kreuze auf unserem Friedhof stammen aus seiner Werkstatt, auch das Tor am Friedhofseingang vor dem Leichenhaus, das Gittertor im Inneren des Leichenhauses und das große Gitter am Seelenstöckel, die anonyme Spende einer Unkenerin. Adolf Dankl ist am 17. Juni 1938 in Unken geboren und auf dem Hof des Harnbauern aufgewachsen. Eher zufällig ergab sich eine Lehrstelle für ihn. Mit dem 1. Jänner 1953 begann seine Arbeit in der Unkener Schmiede. Seine Hauptarbeit war das Beschlagen von Schlitten und Wagen und das Beschlagen von Rössern und Ochsen. In Unken gab es damals noch 100 Pferde und 11 Ochsen. Seine außergewöhnliche Fähigkeit, mit den Tieren umzugehen, brachte ihm während der Militärzeit die Verlegung von Salzburg zu einer Tragtierkompanie mit 350 Haflingern in Landeck und eine Ausbildung zum Hilfsveterinär für Pferde. Mitte der 60er Jahre zeichnete sich schon ab, dass man mit Wagen, Schlitten und Hufeisen bald kein Auskommen mehr wird finden können. Adi begann zu zeichnen, Entwürfe anzufertigen. Zeichnen war immer schon seine große Stärke. Kerzenleuchter entstanden, Gardinenstangen, Fenstergitter, Tore...

In den 80er Jahren begann er Aluminium und Kupfer zu verarbeiten, später auch Nirosta. Das war nicht mehr Schmiedearbeit, sondern Kunstschlosserei. Holz kam wieder groß in Mode und vor allem seine Treppengeländer waren nicht mehr gefragt. Der letzte Schlitten wurde in Zusammenarbeit mit der Wagnerei Franz Bauer, des Fischer Franzi, 1997 für den Hocheggerbauern gefertigt. Das Ende einer Epoche! So wechselhaft wie der Bedarf, die Mode und die Materialien waren, so geschmeidig musste der Handwerker, der Künstler, der Geschäftsmann sein. Adi Dankl wurde Kunstschmied, ohne je eine solche Ausbildung gemacht zu haben. Die Kunst kam einfach zum Schmied und war da! Bei einem Auftrag wird die Gestaltung meist vollkommen ihm allein überlassen. Nachts steht er manchmal auf um einen Einfall für das passende Motiv auf Papier zu skizzieren. Besonders bei Grabkreuzen spricht er lange mit den Auftraggebern um die Familie oder die Person für die es bestimmt ist genug kennen zu lernen. Kreuze sind zwar kein Maßanzug aber es gibt doch genau passende, wenn der Künstler den Anspruch an seine Arbeit so ernst nimmt wie Adi das tut. Seine Kreuze passen! Heute ist Adi Dankl, der letzte Schmied von Unken, weithin durch Mundpropaganda bekannt und berühmt. Grabkreuze machen nur noch knapp die Hälfte seiner Arbeiten aus. Zu seinen bisher letzten Arbeiten zählen geschmiedete Fensterläden für ein Haus im Burgenland und ein prachtvolles Gittertor für ein Privathaus in Solothurn in der Schweiz.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!