Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Eine Hymne, die Franzosen, Speckbacher und die Schlacht bei Melleck 1809

HIER IN MELLECK haben sich drama - tische Szenen abgespielt als diese Gegend während der Auseinandersetzung mit den Franzosen in den Jahren 1800, 1805 und 1809 heftig umkämpft war.

Eine Hymne für Österreich und für Deutschland

Am 12. Februar 1796 erklang im alten Wiener Burgtheater anlässlich der Geburtstagsfeier für den Kaiser zum ersten Mal die Hymne „Gott erhalte Franz den Kaiser“. Joseph Haydn hatte es in der Zeit der großen Kriegsnot durch Napoleon als tönendes Bekenntnis seiner vaterländischen Gesinnung geschrieben. Die Idee, eine österreichische Hymne zu schreiben, stammte aus seinen Londoner Jahren. Was „GOD SAVE THE KING“ für England bedeutete, das hat er mit dieser Melodie seinem verehrten Monarchen und den Österreichern geschenkt. Er konnte nicht ahnen, welche Verbreitung diese schöne schlichte Melodie erfahren sollte – später – als es keinen Kaiser mehr gab. Der deutsche Dichter Hoffmann von Fallers - leben schrieb „Das Lied der Deutschen“ und die Haydn-Melodie mit „Deutschland, Deutschland über alles“ wurde zur deutschen Nationalhymne. Das ist sie heute noch. Es darf von diesem Deutschlandlied seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges aber nur die dritte Strophe gesungen werden. Das ist einmalig in der Geschichte der Nationalhymnen!

Im Jahre 1800 wurde das Fürsterzbistum von den Truppen Napoleons bedroht. Der Fürsterzbischof erkannte die Aussichtslosigkeit einer militärischen Auseinandersetzung mit der großen Kriegsmacht, verbot jegliche Kriegshandlung bei Strafe und verließ sein Land. Die hiesigen Bauern, angesteckt durch den Freiheitskampf der benachbarten Tiroler, setzten sich über das Verbot hinweg und kämpften für ihre Heimat. Sie kämpften siegreich am Bothenbühel und mussten den von den Politikern am grünen Tisch ausgehandelten Waffenstillstand und späteren Frieden von Luneville akzeptieren. Am Ende dieses Waffenganges stand das Ende des Jahrhunderte alten Kirchenstaates Salzburg und seine Säkularisierung. Neuer Landesherr wurde der Bruder des Kaisers, Großherzog Ferdinand von Toskana, der nun für Salzburg Kurfürst wurde. Eine nichtklerikale Administration ersetzte langsam den althergebrachten kirchlichen Staatsapparat. Er hatte, wie der Fürsterzbischof, nur ein kleines Berufsheer neben der Landfahne, dem allgemeinen Landesaufgebot zur Verfügung. Die Herrschaft des Kurfürsten sollte aber bloß zwei Jahre dauern. Der Krieg mit den Franzosen flammte immer wieder auf und bei den kriegerischen Auseinandersetzungen 1805 verschärfte sich diesmal die Lage der Salzburger besonders, weil sich unsere bayerischen Nachbarn mit den Franzosen verbündeten. Napoleon dankte es ihnen durch die Verleihung der Königswürde.

Die blutigsten Kämpfe fanden am Pass Strub zwischen Lofer und Waidring statt. Dort gab es zwei hintereinanderliegende starke Befestigungen, die Salzburgische und die Tiroler Feste. Die heute noch erkennbaren Ruinen stammen von der Salzburger Befestigung. Die Franzosen hatten nicht mit solchem Widerstand gerechnet. Sagte Napoleon bei Warnungen vor den Russen, seinen Soldaten würden schon nicht die Waffen aus den Händen fallen, so sind sie ihnen vor Moskau wegen der grausamen Kälte dann doch buchstäblich aus den Händen gefallen. Die beiläufige Bemerkung, mit den „Bauern mit die nackte Knie nur so seinen Spaß zu haben“ musste er auch korrigieren. Es gab ganz neue Verletzungen, die bisher noch nie aufgetreten waren: Schüsse in Herz und Lunge und Bauchschüsse durch die Schulter. Steil von oben, aus den unwegsamsten Felswänden, schossen unsere Schützen auf den Feind. Kaum ein Soldat, der mit so einer Verletzung die Fahrt mit dem Fuhrwerk ins Lazarett in der St. Sebastians Kirche in Salzburg überlebte. Die Stutzen der hiesigen Schützen waren nicht unbedingt sehr gepflegt. Ein Schuss aus einem unsauberen Lauf trug immer schon den Brand in sich.

Schließlich luden die Schützen die anderthalbfache Menge Pulver um weiter schießen zu können. Das hatte verheerende Wirkung. Eine Zeit lang glaubten die Franzosen sogar an ein unbekanntes Gift. Nach den Kriegshandlungen um 1805 kam Salzburg, zusammen mit Berchtesgaden, nach

nur zweijähriger Herrschaft des Kurfürsten Ferdinand an das österreichische Kaiserhaus. Kaiser Franz musste aber mit dem Preßburger Frieden vom 26. Dezember 1805 sein treues Land Tirol opfern, das Napoleon seinem Verbündeten, dem König von Bayern als Lohn überließ. Es wundert niemand, dass dies niemals das Ende des Krieges sein konnte. Im Jahre 1809 schließlich flammten die alten Kämpfe noch einmal auf. Egal, wer der Landesherr war in diesen wechselhaften Zeiten. Die Heimatliebe und die Freiheitsliebe waren immer die gleichen. Schwere Kämpfe unserer Freiheitskämpfer, verbündet mit den Tirolern gegen die Franzosen, verbündet mit den Bayern, hatten in diesem Jahr zwischen Reichenhall und dem Pass Strub schon viel Blut gekostet. Unter dem Tiroler Joseph Speckbacher war bei den Kämpfen um die Unkener Kirche ein bayerisches Bataillon fast völlig aufgerieben worden.

Die Schlacht bei Melleck

Die ständig wechselnde Grenze zwischen den Feinden verlief im Herbst 1809 wieder einmal über Melleck und Ristfeucht. Da geschah etwas Unerwartetes. Geführt vom bayerischen Revierförster Franz Anton Ferchl aus Karlstein und unterstützt von ausgewählten Forstbediensteten und Salinenholzknechten, vom Salinenoberinspektor Reiner und dem „Jager Steffl“ Stefan Hafner, lauter ortskundigen Einheimischen, wurden Wege und Steige ausgekundschaftet, den Unsrigen in den Rü - cken zu fallen. Es waren ungemein schwierige Wege und beschwerliche, viele Stunden dauernde Märsche über das Ristfeuchthorn, durch den Höllenbach, den steilen Litzlbach und den unwegsamen Steinbach, den ausgesuchte, ehemalige Reichenhaller Gebirgsschützen nach acht Tagen als Plan für einen Angriff am 17. Oktober 1809 vorschlugen. Hier in Melleck war der Tiroler Joseph Speck - bacher Kommandant. Man war schlecht vor - bereitet auf so einen Angriff und er kam so vollkommen unerwartet aus dem Hinterhalt, dass ein Sieg unmöglich war. In der Gaststube beim Mellecker Wirt fielen die Bayern ein, die in einem elfstündigem äußerst beschwerlichem Marsch über das Ristfeucht - horn die Stellungen und Verhaue am Bothen - bühel, die teilweise noch aus den vorangegan - genen Kämpfen vorhanden waren, umgangen hatten. So trafen sie also aufeinander und es gab eine gewaltige und blutige Rauferei mit vielen Toten. In übereinstimmenden Meldungen wird von 300 Toten und 400 Verwundeten berichtet während die Bayern nur wenige Verwundete zu beklagen hatten. Speckbacher, der seinen Stutzen verloren hatte, konnte sich mit einigen Schützen hinter dem Gasthof über die Wiesen in den Wald retten. Er floh über das Heutal und Winklmoos nach Waid ring und hatte noch ein dramatisches Leben vor sich. Sein Sohn Anderl aber, der wurde in Melleck gefangen genommen und als wertvolle Beute betrachtet. Er war ein außer - gewöhnlich gescheites Kind.

Anderl erkannte das Gewehr seines Vaters und einige zerfetzte Kleidungsstücke, die von ihm stammten Er erkannte aber auch, dass sein Vater nicht unter den Toten war. So identifizierte er einen Schützen mit schweren Kopfverletzungen als seinen Vater und konnte damit seine Verfolgung abwenden. Der Bub wurde als Gefangener der Bayern auf die Burg Trausnitz in Landshut und später nach München gebracht, wo ihn der bayerische König erziehen und ausbilden ließ. Am Ende dieses Kriegsganges folgten noch unruhige Jahre für das Land Salzburg, das in seiner damaligen Ausdehnung doppelt so groß war, wie das Bundesland heute ist. Mit dem Frieden von Schönbrunn vom 9. April 1809 kamen Salzburg und Berchtesgaden am 30. September 1810 unter anderen an Bayern. Noch immer kam Europa nicht zur Ruhe. Erst mit der Völkerschlacht bei Leipzig (16. – 19. Oktober 1813) ging Napoleons Herrschaft in Europa zu Ende. Der Wiener Kongress brachte Europa wieder in Ordnung. Am 1. Mai 1816 fand in der Salzburger Residenz die offizielle Übergabe des nunmehrigen Herzogtums Salzburg an Österreich statt.

Noch eine kleine Geschichte am Rande: Wer kennt das „Pfarrergassl“? Wenn Sie einmal mit dem Auto vom Gasthaus Melleck in Richtung Unken fahren, dann kommen Sie nach der ersten Linkskurve in eine Haarnadelschleife. Unser früherer Pfarrer war hier einmal mit dem Auto unterwegs. Sein Chauffeur fuhr an dieser Kurve geradeaus – es gab noch keine Bäume. Er kam zwar auf der unteren Straße an, das ist aber nicht gut gegangen. Die Abkürzung über das „Pfarrergassl“ wird nicht empfohlen.

ZURÜCK AUF UNSEREN WEG. Wir gehen hinüber nach Bayern und weiter nach rechts. So einfach war das nicht immer! Wenn die Bäume nicht allzu viel Laub haben, können wir die alten Fundamente des Steinpasstores erkennen.

UNSER WEG führt unter der Brücke durch, die den Verkehr durch den im Mai 1985 fertiggestellten Wendelbergtunnel leitet. Damit ist der früher schon gefürchtete Melle - cker Berg, der auch nach dem Ausbau der Straße mittlerweile für den Schwerverkehr schon wieder ein Problem geworden war, endgültig zur Ruhe gekommen. Nur als Umleitung oder durch Nostalgiker und Geschichtsinteressierte wie uns wird er noch befahren.

BEI EINER WEGKREUZUNG gehen wir nach rechts, wo uns bald ein Schild den Weg nach Unken zeigt. An ein paar Holzhütten vorbei führt ein kleiner Steig an den Steinbach, der hier in die Saalach mündet. Eine kleine hölzerne Zollhütte erinnert an alte Zeiten.

Grenzsteine mit der Jahreszahl 1818 deuten auf eine Landvermessung nach der endgültigen Eingliederung Salzburgs nach Österreich im Jahre 1816 hin.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!