Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Das 1000jährige Reich und Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg (1933 - 1945)

Peter S., ein erfolgreicher Geschäftsmann aus Berlin, ist heute ein alter Herr. In unserem Dorf cafe hat er mir ausführlich über die Zeit erzählt, als die deutsche Wehrmacht und der Krieg am Ende waren. Im Mai 1945 hat er seine Dienstgradabzeichen von der Uniform gerissen, seine Waffe vergraben und von hier oben nach Unken hinunter geschaut. Er versuchte zu erkennen, ob es noch deutsche oder schon amerikanische Panzer waren, die da drunten rollten...

Nennen wir ihn stellvertretend „der Soldat“. Viel ist passiert, seit dem Beginn des soge - nannten 1000jährigen Reiches, das 12 Jahre gedauert hat.

1933

  • In Dachau wird das erste „Schutzhaftlager“ gebaut. (20. 3. 33). Das wissen alle, auch der Soldat.
  • Adolf Hitler, Kanzler des Deutschen Reiches, wird Ehrenbürger von Unken. (17. 4. 33)
  • In Grenzorten werden Kontrollen verstärkt, besonders in Unken. Unsere Ortsgrenze ist zu fast zwei Dritteln gleichzeitig Staatsgrenze.
  • Wegen häufiger NS Gewalttaten wird die österreichische Gendarmerie mit Gummiknüppeln ausgerüstet. Das Standrecht wird angeordnet und die 1919 abgeschaffte Todesstrafe wird wieder eingeführt
  • Österreich weist den NS Reichsjustizkommissar Hans Frank aus. (15. 5. 33)
  • Hitler verhängt im Gegenzug über Österreich die „1.000 Mark Sperre“. (27. 5. 33) Reisende aus Deutschland müssen bei der Ausreise nach Österreich 1.000 Reichsmark zahlen. Das bringt jeden Verkehr zum Erliegen und trifft in Unken besonders den Fremdenverkehr im Heutal. Stille am Steinpass.
  • Als Antwort auf die 1000 Mark Sperre verbietet der österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuß die NSDAP (19. 6. 33) Sie geht in den Untergrund, heimliche Hakenkreuze z.B. an einer Felswand in Reith. Schmuggel von Propagandamaterial, Depots in Unkener Heustadeln.

1934

  • Vom bayerischen Melleck aus wird unser Tal mit großen Lautsprechern beschallt.. „Hitlerwiesen“ nennt man die Anhöhe hinter der Bunz – Moosen. „In Scharen“, sagt der alte Bunzbauer Thomas Fernsebner, sind die Unkener hinaufgegangen, wo man bei günstigem Wind am meisten von der Propaganda und den Hetz reden gegen Österreichs Politiker verstehen konnte. 
  • Heimlich werden Munitionslager angelegt, Hausdurchsuchungen und Beschlagnahme von Waffen und Sprengstoffanschläge beunruhigen die Bevölkerung. Genau das ist die Absicht.
  • Bundeskanzler Dollfuß wird, während eines NS Putschversuchs in Wien, ermordet. (25. 7. 34)

1935

  • Unser Trachtenverein (Gauverband I), bereits zum „Reichsbund Volksbund und Heimat“ geworden, soll jetzt „NS Kulturgemeinde“ heißen. Hakenkreuzpflicht an Vereinsfahnen des Gauverbandes.
  • Gendarmerie – Expositur im Heutal. Die Beamten werden mit Stahlhelm, Pistole und Scheinwerfern ausgerüstet.
  • Schmuggel von Propagandamaterial mit Hilfe reichsdeutscher Zöllner vom Zollamt Melleck.
  • Große Arbeitslosigkeit in Österreich. Wer Arbeit in Bayern findet, hat es gut.
  • Arbeiter in den bayerischen Saalforsten ver - dienen besser als andere Arbeiter.

1936

  • Patriotische Schulfeiern mit vaterländischen Sprechchören
  • Heimliche Gründung einer HJ in Unken
  • Die XI. Olympiade in Berlin, eine gigantische NS Propagandaveranstaltung, bekommt auch bei uns größte Aufmerksamkeit.
  • Erbhof Ehrungen, Blut und Boden Gesinnung.

1937

  • Unkener Schulchronik: „Erhebende Helden - ehrung“
  • Hitler: „...entschlossen, beginnend mit einem blitzartig schnellen Angriff auf Öster reich und die Tschechei mit Gewalt einen größeren Lebensraum für die Deutschen zu sichern.“ (5. 11. 37). Bald tritt der Soldat auf.
  • Not und steigende Arbeitslosigkeit in Öster - reich
  • Nach Unken eingepfarrte (zur Kirche Unken gehörige) Bayern von Melleck, Ristfeucht und Schneizlreuth demonstrieren beim Kirchgang Wohlstand. Sie haben Arbeit u.a. beim Autobahnbau München Salzburg und den vielfältigen Baumaßnahmen am Obersalzberg bei Berchtesgaden.

1938

  • Feuerpolizeiliche Anordnung zur Entrümpelung von Dachböden als „Friedensmaßnahme“ zum Schutz vor Brand- Spreng- und Gasbomben im Falle von Fliegerangriffen! (1938!)

März 1938

Vor dem Einmarsch in Österreich: Morgens um 5.00 Uhr klopft es am Schlafzimmerfenster meiner Eltern im Forsthaus Kaltenbach. Mein Vater ist der bayerische Forstbeamte Richard Zeller. Ein bayerischer Zollbeamter vom Zollamt Melleck übermittelt den Einberufungsbefehl in die Jägerkaserne in Bad Reichenhall. Mein Vater fährt umgehend mit dem Fahrrad nach Bad Reichenhall, kurz, bevor die Grenze um 6.00 Uhr früh geschlossen wird. Er marschiert zu Fuß über Grödig in Salzburg ein und fährt mit dem Fahrrad wieder nach Unken zurück - nicht mehr nach Unken in Österreich, sondern - mittlerweile - heim in’s Reich!

  • Unkener Schulchronik: „Am 13. März 1938 wird Österreich mit dem Reiche zu einem Großdeutschland vereinigt. Der Jubel der Bevölkerung und besonders der Jugend, war in diesen Tagen unbeschreiblich, denn es ist doch ein langersehnter Wunsch in Erfüllung gegangen. Die Geschichte wird erst die ungeheuere Tragweite dieser Geschehnisse zu würdigen wissen.“ Jetzt marschiert der Soldat.
  • Bestellung eines Ortsgruppenleiters und eines neuen Bürgermeisters, allgemeiner Rechtsver - kehr, keine Grenze mehr am Steinpass. 1,50 Schilling sind 1 Reichsmark.
  • Eine Woche nach dem Einmarsch, es jubeln die Österreicher, schaffen die neuen Herren 243 Millionen Schilling Goldreserven und 121 Millionen an Devisenbeständen von Wien nach Berlin.
  • Drei Wochen später - erster Transport von 150 österreichischen Nazi – Gegnern in das bayerische KZ Dachau. (1. 4. 38)
  • Bei der Volksabstimmung am 10. 4. 1938 bekennt sich in Unken zum Großdeutschen Reich. 713 Stimmberechtigte, keine Neinstimme, 4 ungültige Stimmen, 1 Wähler ist nicht erschienen. (?). Gesamtresultat Öster - reich: 99,75 % JA Stimmen.

Unkener Schulchronik:

„Anmerkung eines Zeitzeugen und als Lehrer verpflichteter Angehöriger einer Wahlkommission in Wien Jedlersdorf zu den 99,75 % JA Stimmen: Die Frage lautete damals nicht „Bist du für den Anschluss an Deutschland oder für den Nationalsozialismus“ sondern sie lautete schlauerweise und propagandagemäß: „Bist du ein Deutscher, ja oder nein?“ Was blieb also den meisten Österreichern übrig, als das „JA“ anzukreuzen. Außerdem sollte man nicht die Wahlzelle betreten. Wer es trotzdem versuchte, war sofort verdächtig und wurde in der Wahlliste angezeichnet. Auch wurde von der Wahlkommission allen Wählern angeraten, das Kreuzel gleich am Tisch vor der Kommission zu zeichnen denn die Frage „Bist du ein Deutscher, JA oder NEIN“, sollte doch kein Geheimnis sein. Gezeichnet Oberschulrat i.R. A. Beigel“

  • Erster Spatenstich für das Tauernkraftwerk in Kaprun durch Herrmann Göring. (40.000 Zwangsarbeiter sollen dort später beschäftigt werden.)
  • Die Freiwillige Feuerwehr wird Hilfspolizei
  • Baubeginn des ersten österreichischen KZ in Mauthausen. (8. 8. 38)
  • Die Urkunde vom 17. April 1933, in der Adolf Hitler Ehrenbürger von Unken wird, kann im August 1938 (endlich) übergeben werden.
  • Unkener Schulchronik: „Heimkehr der Sudetendeutschen. Erhebende Gemeinschaftsstunden der Schuljugend.“ (1. 10. 38)
  • Reichskristallnacht (9. u. 10. 11. 38)
  • Keine Zwangsversteigerungen verschuldeter Bauern mehr. Die Not im Land scheint gebannt zu sein.
  • Rege NS – Bautätigkeit am Obersalzberg, Straßenbau am Flugplatz in Ainring / Mitterfelden, an der Queralpenstasse und an der Autobahn am Walserberg. Es gibt Arbeit, die Menschen atmen auf.
  • Erste KdF – Reisebusse kommen in Unken an, Fremdenverkehr beginnt wieder. Seit Hitler’s Berghof bei Berchtesgaden fertiggestellt ist, pilgern die Menschen in diese Gegend.

1939

  • Böhmen und Mähren werden besetzt (März 39). Der Soldat marschiert.
  • Eindrucksvolle Feiern zu Hitler’s 50. Geburts - tag im ganzen Land. (20. 4. 39)
  • Muttertag – erstmals Verleihung von Mutterkreuzen. (Bronze für 4-5 Kinder, Silber für 6-7 Kinder und Gold für mehr als 8 Kinder).
  • 37 Einberufungsbefehle für Unken. (26. 8. 39) „Wer will unter die Soldaten?......“
  • Einführung von Bezugsscheinen für Lebensmittel und Kohle, Reichskleiderkarten für Schuhe, Stoffe und Kleidung.
  • Ohne Kriegserklärung - Überfall auf Polen (1. 9. 39). Deutsche verkleiden sich als polni - sche Soldaten und fingieren einen Überfall auf den deutschen Sender Gleiwitz. Mit der Lüge, dass reguläre polnische Soldaten angegriffen hätten, beginnt der Krieg. „Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen!“ Die Wahrheit erfährt der Soldat erst viel später.

1940

  • Göring’s Buntmetallsammlung für die Rüstungsindustrie. Viel Zinn- und Kupfer aus Unken! Auch unsere Glocken!
  • Besetzung der neutralen Länder Dänemark und Norwegen (9. 4. 40). Der Soldat marschiert nach Norden.
  • Der Soldat marschiert nach Westen (10. 5. 40). Belgien, Holland, Luxemburg und Frankreich werden ohne Kriegserklärung überfallen. - Hitler: „Kein Mensch fragt nach der Verletzung der Neutralität Belgiens und Hollands, wenn wir gesiegt haben.“ (23. 11. 39!) Das konnte der Soldat nicht hören!
  • Bei Narvik fällt der erste Unkener Soldat, Fallschirmjäger Oberleutnant Erich Schwaiger. An seinem Grab treffen sich zufällig zwei Unkener: Heinrich Sturm und mein Vater, Richard Zeller.
  • Das zweite Kreuz: Soldat Heinz Haesele, Sohn unseres Arztes, fällt an der Somme.
  • Der Soldat wirft „Bomben auf Engeland“ - Battle of Britain (Herbst 40) und kämpft im U - Boot im Atlantik.
  • Unkener Schulchronik: „Eindrucksvolle Feier, die Jugend lebte begeistert mit!“
  • Die Feuerwehren der Ostmark werden auf den Führer und Reichskanzler des Deutschen Reiches vereidigt.

Wias die Leut’ derzön...*)

Eines Nachts klopfte ein vollkommen erschöpfter Mann in zerrissener Kleidung und ohne Schuhe an die Pfarrhoftüre. Die Pfarrerköchin Anna machte ihm auf. Er bat um Essen. Er hatte großen Hunger. In der Pfarrhofküche erzählte der Mann, dass er aus dem Konzentrationslager Mauthausen entflohen sei und nur nachts unterwegs wäre. Anna erzählte niemanden von diesem nächtlichen Besuch. Zu grauenhaft waren die Dinge, die der Mann berichtet hatte. Nur einer Vertrauten hat sie es dann doch gesagt. Sie konnte diese Geschichten halt nicht ganz alleine tragen. Und die beiden bewahrten das Geheimnis. Aber einmal, als in großen Tönen über Hitler geredet wurde, da machte ihre Vertraute die Bemerkung: „Man darf wohl auch nicht alles glauben, was die uns sagen.“ Ihr Sohn, ein überzeugter Nazi, zeigte daraufhin seine eigene Mutter an.

*) Dieser Text ist auf Grund eines Mißverständnisses in der Unkener Heimatchronik erschienen

Persönliche Erinnerung an diese Zeit:

So viele Frauen tragen schwarze Kleider. So viel Sorge ist im Dorf, dass auch wir Kinder sie spüren. Was wirklich passiert, das können nicht einmal die Erwachsenen so richtig verstehen. Aber es ist Unheil und Tod um uns. Und wenn wieder eine Meldung kommt, dann weinen viele um einen, die Mütter, die Frauen, die Geliebten und Bräute, die Eltern, die Kinder, die Nachbarn... Es geht eine große Trauer um im Land. Wir Kinder verstehen schon, dass gestorben wird. Gefallen, nennen sie das. Wir kennen „fallen“ nur von Apfelbäumen, vom Heuboden oder vom Prügelganter. „Gefallen auf dem Felde der Ehre!“ Auf die Frage, was das heißt, sagt meine Mutter nur: „Das ist ein ganz, ganz weites Feld.“ Das größte Feld, das ich mir überhaupt vorstellen kann, das ist das Eggerfeld, zusammen mit dem Mayrwirtsfeld und dem Postfeld. (- das in jenen Jahren vom Uhrmacher Haider bis zum Gasthof Post noch unverbaut ist.) Und ich grübele, wie es kommt, dass auf so einem Feld so viele hinfallen müssen.

1941

  • Der Soldat kämpft unter Rommel in der Wüste. (Februar 41)
  • Der Soldat marschiert jetzt nach Rumänien, Bulgarien, Jugoslawien und Griechenland, mit dem Fallschirm springt er auf Kreta. (Frühjahr 41)
  • Ohne Kriegserklärung - Angriff auf die Sowjet union (22. 6. 41) Der Soldat sagt, da hätte er gewusst, dass das nicht mehr gut gehen kann. Aber es war undenkbar, so etwas auszu - sprechen!
  • Häufige Trauerausrückung der kleinen Anzahl verbliebener Mitglieder der Unkener Musikkapelle
  • Kriegserklärung an die USA (11. 12. 41).
  • Winter 41 / 42 - Der Führer erkennt, was der Soldat schon weiß - ein Scheitern der Deutschen bahnt sich in der Schneewüste Russ - lands an. Hitler, in heute unfassbarem Zynismus, zu Weihnachten: „Wenn das deutsche Volk einmal nicht mehr stark und opferbereit genug ist, sein eigenes Blut für seine Existenz einzusetzen, so soll es vergehen und von einer anderen stärkeren Macht vernichtet werden. Ich werde dann dem deutschen Volk keine Träne nachweinen.“ Aber das kann der Soldat nicht hören. Er würde es auch nicht glauben!
  • Schulchronik: „Das Jahr endet mit einer schlichten Feier.“

1942

  • Auf den Bauernhöfen herrscht akuter Arbeits - kräftemangel. Die Unkener Bäuerinnen leisten Unglaubliches. Die älteren Schulklassen sind „sommerbefreit“ für die Erntearbeit. Zu 30 „fremdländischen“ Kriegsgefangenen und 23 „Zivilpolen“ kommen jetzt 23 „Zivilarbeiter“ aus den alten Sowjetgebieten und 20 Ukrainer.
  • Lebensmittel werden knapp. Schwarzschlachtungen bei den Unkener Bauern
  • Beginn der Schlacht um Stalingrad. (24. 8. 42) Sie wird bis zum 2. Februar 1943 dauern.
  • Schloss Oberrain ist NSV Müttergenesungs - heim. Obwohl erst knapp 5 Jahre alt, erinnere ich mich an Gruppen von Frauen auf ihrem Spaziergang über die Felder. Schnell haben wir Kinder für sie ein Sträußchen Blumen gepflückt. Sie haben sich so darüber gefreut!
  • Städter, die in Unken Freunde haben, bringen Koffer und Truhen mit Wertsachen, um sie hier sicher vor Bomben zu wissen.
  • Seit Kriegsbeginn sind 27 Unkener „für Führer und Großdeutschland gefallen.“

1943

  • Goebbels: „Wollt Ihr den totalen Krieg?“ (18. 2. 43)
  • Evakuierte Familien, meist aus Westfalen kommen nach Unken. Ich sehe die ersten Protestanten. Das sind ganz normale Menschen. aber sie sprechen anders als wir. Während der Religionsstunde dürfen die neuen Mitschüler heimgehen. (!)
  • In Berlin wird der überzeugte Katholik und Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter, ein Bauer aus Oberösterreich, enthauptet. (9. 8. 43)
  • Soldaten im Feld verabreden sich in Unken, so, wie sich der brave Schwejk „...nach dem Krieg um sechs Uhr im Kelch“ verabredet. So undenkbar, wie es damals für den Schwejk war, dass seinem Stammlokal in Prag etwas passiert, so sicher glaubte man in diesem Krieg, wäre Unken. Ihr Zuhause ist durch Bomben zerstört, ihre Familien irgendwo. Unken, das wird es noch geben, wenn alles vorbei ist...
  • Wieder sind 14 Unkener „für Führer und Großdeutschland gefallen.“

1944

  • Zerstörung von Montecassino (15. 2. 44).
  • Hörer ausländischer Sender werden zu „Rundfunkverbrechern“ – Todesstrafe!.
  • Alliierte landen in der Normandie (6. 6. 44)
  • Ich komme in die Volksschule. Wir grüßen mit „Heil Hitler“, singen das „Horst Wessel – Lied“ und können uns nicht vorstellen, dass man früher nicht nach Melleck zum Kracherl (Limo) trinken gehen durfte, weil da eine Grenze war. Es gibt keine Kreuze in den Klassenzimmern, Religionsunterricht findet in der (kalten) Sakristei statt.
  • Die Kuppel des Salzburger Doms wird von einer US - Bombe zerstört. (16. 10. 44)
  • Endlose Flüchtlingstrecks ziehen durch Unken. Beim Kramerwirts- und beim Neuhauserbrunnen werden die Pferde getränkt.
  • Von Flugzeugen zur Störung des Funkverkehrs abgeworfene Silberstreifen liegen auf den Feldern. Wir sammeln sie als Lametta für Weihnachten.

1945

  • Hitler’s „Nero Befehl“ (von Rüstungsminister Speer sabotiert) an die Wehrmacht und alle Gauleiter: Alle Verkehrs- Versorgungs- und Industrieanlagen sowie Sachwerte im deutschen Rumpfreich seien zu zerschlagen, denn „...das Volk hat sich als das schwächere erwiesen und dem stärkeren Ostvolk gehört ausschließlich die Zukunft. Was nach diesem Kampf übrigbleibt, sind nur die Minderwertigen, denn die Guten sind gefallen.“ (19. 3. 45) Das kann der Soldat nicht gehört haben und wir können uns gar nicht vorstellen, was er bei dieser Infamie empfunden hätte.
  • Freilassing, Ainring, Mitterfelden, Bad Rei - chenhall und der Obersalzberg werden bombardiert, der Schienenstrang nach Berchtesgaden ist zerstört, der nächtliche Himmel über Unken ist glutrot.
  • Hitler’s Selbstmord in Berlin (30. 4. 45).
  • Kapitulation (8. 5. 45). Fast 90 Unkener sind gefallen.
  • Wo ist die legendäre Alpenfestung? Vermutungen kursieren: wenn, dann wäre sie wohl in der Nähe von Hitler’s Berghof bei Berchtesgaden. Man weiß, dass es dort ein unterirdisches Gangsystem gibt und große Lebensmittellager. Dorthin hat der Lummerbauer aus Unken lange Zeit seinen Honig geliefert. Die zurückweichende Wehrmacht ist total desorientiert. Es wimmelt im Saalachtal von Truppen in Auflösung. Einzelne SS – Einheiten kämpfen noch. Die Köstlerbrücke wird von ihnen zerstört und, um die Amerikaner aufzuhalten, wird in Jettenberg die Saalachbrücke gesprengt. Der Bürgermeister, der dies verhindern will und auf die Brücke geht, wird von den eigenen Leuten mitgesprengt. Alle Straßen sind mit verlassenen Fahrzeugen verstopft. Und vom Kalvarienberg aus beobachtet der Soldat sehr nachdenklich das Saalachtal. Er versucht, zu erkennen, ob das da drunten noch eigene oder - hoffentlich - schon amerikanische Panzer sind...

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!