Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Die Villa

Schauen wir vom Kramerwirt aus nach Süden, dann sehen wir auf der Anhöhe vor Schloss Oberrain das Haus Paradies. Es liegt zwar nicht direkt im Dorf aber als eine Besonderheit unserer Dorfarchitektur gehört es erwähnt. Um die Jahrhundertwende war es Mode, dass reiche Leute sich eine Villa auf dem Lande bauten. Wir kennen das u. a. aus Lofer und Berchtesgaden. Das ganze Salzkammergut ist voll davon. Wir haben also auch so eine Villa von reichen Leuten aus der Stadt.

Josef Fahrmbacher erwarb den Grund auf der nördlichen Anhöhe vor dem Schloss Oberrain und baute darauf das stattliche Haus mit seinen auffallenden Malereien. Ihm gehörte 1898 bis 1903 auch das Neuhausergut.

Über die Familie Fahrmbacher konnte ich bisher nicht viel in Erfahrung bringen. Im Südeingang unserer Kirche ist der Name als Spender anlässlich der großen Kirchenrenovierung 1898 erwähnt. Er förderte die Freiwillige Feuerwehr, eine aufwendig gestickte Schleife an der alten Veteranenfahne aus dem Jahre 1897 weist Christine Fahrmbacher als Fahnenmutter aus und in der Spendenliste für das Kriegerdenkmal steht Josef Fahrmbacher mit stattlichen 100 Kronen. Übertroffen wird die Höhe seiner Spende nur von sechs Personen. Christine, die Tochter des Hauses, heiratete den Apotheker Dr. Heinrich Heiden aus Landshut und bereits 1910 wurde die Villa Fahrmbacher zu gleichen Teilen auf das junge Paar über - tragen. Der Name Villa Heiden hat sich im hiesigen Sprachgebrauch bis heute gehalten. Die Familie Heiden verbrachte die Sommer in Unken. Das Ehepaar hatte drei Kinder: Christine, Elisabeth und Johanna, die an einem Hüftleiden litt.

Dr. Heiden gehörte das Fischwasser im Unkental. Man führte ein gastfreundliches, wohlhabendes Haus. 1929 traf die Familie ein harter Schick - salsschlag. Die Apotheke in Landshut war gerade verkauft worden, der unvorherzusehende Banken-Crash machte die Familie über Nacht zu armen Leuten. Die Villa wurde zur Pension um für das tägliche Leben wenigstens ein kleines Einkommen zu haben.

Dr. Heinrich Heiden starb an einem Herzanfall auf dem Heimweg vom Fischen vor dem Falterbauern von dem noch viele Jahre lang ein halber Quadratmeter Grund gepachtet wurde auf dem ein Kreuz zu seiner Erinnerung stand. Seine Frau war schon vor ihm gestorben, beide sind auf dem Unkener Friedhof begraben, später aber exhumiert und in München end - gültig beigesetzt worden.

Im sehr detailliert ausgefertigten Testament für die drei Töchter hat man eine Überlegung nicht angestellt. Dass nämlich die behinderte, jüngste Tochter Hansi, obwohl nicht verheiratet, einen Sohn bekommen könnte. Nach längeren, umständlichen Erbverhandlungen wurde die Villa Heiden schließlich verkauft, gehört nach mehreren Besitzerwechseln heute der Familie Vitzthum aus Unken und heißt jetzt „Haus Paradies“.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!