Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Einpfarrung Reith, bis 1903 zur Gemeinde Unken, aber zur Pfarre St. Martin gehörig

JETZT KOMMEN WIR NACH REITH. Die Ortschaft Reith ist sehr alt. Urkund - liche Hinweise gibt es schon um das Jahr 976. Weil die Namen Reit, Reutte, Riutte, Reuth und ähnlich auf Rodungen hindeuten und in unserem Land sehr häufig vorkommen, ist allerletzte Gewissheit, ob in diesen Urkunden auch wirklich unser Reith gemeint ist, noch aus - ständig. Unken, Reith, und Lofer gehörten Jahrhunderte lang pfarrlich zur Kirche von St. Martin bei Lofer. Diese wiederum unterstand ebenso lang dem Augustinerkloster St. Zeno in Reichenhall.

Als Unken später längst einen eigenen Pfarrer hatte und eine eigenständige Gemeinde geworden war, zu der auch Reith gehörte, blieb dieser Ortsteil pfarrlich noch lange bei St. Martin.

Und so steht die Geschichte im Erzbischöflichen Konsistorialarchiv in Salzburg:

Die Einpfarrung von Reith

Im März 1883 erging laut hohem Erlass des fürst erzbischöflichen Consistoriums in Salzburg eine Weisung an den Pfarrer von St. Martin. Sie betraf die mögliche Einpfarrung der Reither nach Unken. Um zur Kirche nach Unken zu gehen, benötigten sie dreiviertel Stunden, um nach St. Martin zu gehen eineinhalb Stunden. Lange hatte es sich schon eingebürgert, dass die Reither eher zur Kirche nach Unken als nach St. Martin gingen. Das gleiche galt für den Schulweg der Kinder. Der dortige Pfarrer und die Geschäftsleute von Lofer, St. Martin und Kirchental sahen das gar nicht gern.

Am 1. Mai 1883 machte der Pfarrer eine Umfrage. Sämtliche Haus- und Grundbesitzer der Ortschaft Reith wurden gebeten, für sich und ihre Familien- und Hausgenossen nach gemeinsamer Überlegung und Beratung schriftlich ihre Gesinnungs- und Willenserklärung abzugeben, ob sie, und welche von ihnen, eine etwaige Einpfarrung nach Unken wünschten.

Bei St. Martin wünschten zu bleiben: der Wieser, Dietz, Berger, Stefflinger, Weber, Pichler, Sichler, (Bauer und Holzhändler) Foischinger und Walcher. Dazu kamen zwei Häuser aus Hallenstein: Johann Wiendl, Brentenbauer und Maria Enzinger, Brechlbäuerin, - „trotz der Nähe zu Unken und der Einschulung alldort.“

Das waren neun Nennungen aus Reith mit 70 Seelen, zwei Nennungen aus Hallenstein mit 20 Seelen, gesamt 90 Seelen und damit eine zwei Drittel Mehrheit. Ganz nebenbei fällt uns auf, dass etwa acht – zehn Personen auf einem Hof lebten.

Abstimmungsergebnis für Unken: Mathias Hirschbichler, Hölzlbauer und Gemeindevorsteher in Unken, als Besitzer zweier Zulehen in Reith , Asen und Uhling. Nur letzterer war bewohnt, den Bewohnern war die Zugehörigkeit egal. Dazu kamen Müllermeister Anton Senninger vom Müllergut, Hofmoarzulehen und Brandstätte vom ehemaligen Möschlgut. Dann waren da noch der Abdecker bzw. Wasenmeister Michael Geiger, Jakob Döllerer, Heisingbauer, und Mathäus Leitner, Hochreitbauer, ein geborener Unkener. Für die Einpfarrung nach Unken stimmen 30 Seelen.

Sagte der Pfarrer von St. Martin vor der Messe: „Ist der Hochreiter da, dann können wir anfangen.“ Der Hochreitbauer hatte mit zwei Stunden den weitesten Kirchweg nach St. Martin.

Die Hauptgründe für den Wunsch, bei St. Martin zu bleiben waren:

  • viele wollten dort begraben sein, wo Väter, Mütter und Vorfahren begraben sind,
  • viele sahen Vorteile wegen der liebgewonnenen Anbindung zu Kirchental und der Traditionen wie Stundgebet, Fronleichnamsprozes sion, und den althergebrachten Bräuchen zu Allerheiligen und Ostern,
  • aus der Gemeindeumlage war Geld zugesagt für die Erweiterung und Verschönerung des Friedhofes in St. Martin. Bei einer Einpfarrung in Unken würden den Reithern für die dann dort notwendige Erweiterung voraussichtlich Kosten entstehen.
  • durch die Mehrheit der Befürworter der Beibehaltung wurden Unschlüssige leichter gegen Unken eingestimmt. Die Angst vor Veränderung entschied sich: „lieber für die alte Gewohnheit und Gegenseitigkeit“.

Im Mai 1892 wurden Beobachtungen nach der Umfrage bei den Reithern, die Einpfarrung nach Unken betreffend, zu Papier gebracht: mehr Kirchgänger und mehr Teilnehmer an der Osterbeichte in St. Martin als bisher. Dies wurde als sichtbarer Beweis des Vertrauens, besonders der älteren Bauern, gegenüber dem Seelsorger von St. Martin gewertet. Mehr Wallfahrer als früher gingen aus Reith nach Maria Kirchenthal. Die „Gewerbsleute“ von Lofer und St. Martin beobachteten die Entwicklung in Richtung Unken „mit Unwillen“. Dem Seelsorger, „unter dem solches geschähe, würde dies wohl für ewige Zeiten übel vermerkt“. 

Salzburg wartete ruhig ab. 

Der Priester von Unken ging nur noch in großen Ausnahmefällen oder heimlich zum Versehen nach Reith. So ging Coadjutor Dietrich zu einer alten, sehr kranken Bäuerin „mit Freuden“, bat aber den Pichlerbauern, seinem Pfarrer in St. Martin davon nichts zu sagen. 

Bei der Kirchenstuhl - Renovierung in Unken im Jahre 1892 bekamen die Reither keine Plätze. Scherzhaft hieß es, die Reither wären lebendige Unkener und tote St. Martiner.

Zu Fronleichnam schließlich ließ der Unkener Gemeindevorsteher Mathias Hirschbichler noch einmal alle Reither Bauern zusammenkommen und befragte sie. Alle, bis auf drei, unterschrieben den Antrag, in Unken eingepfarrt zu werden. 

Der Hauptgrund dafür war, nach fast 10jährigen Überlegungen, die Grenzen der Pfarre, der Schule und der Gemeinde deckungsgleich zu machen. Wegen des halben Weges sind immer schon viele Reither zur Kirche und zur Schule nach Unken gegangen. Taufen und Beerdigungen von Reithern hat es in Unken immer gegeben. Und Unken hatte eine „geräumigere Kirche“. Zwei Häuser in Hallenstein blieben vorerst fraglich. Die Kinder waren nie in Unken eingeschult, aber zeitweilig geduldet. Vor 12 Jahren hatte der Unkener Lehrer Haslwanter Reither Schulkinder ausgewiesen, seither gingen sie in Lofer zur Schule. Besitzer der beiden Häuser war der Reichenhaller Holzhändler und Sägewerksbesitzer Josef Fritzer. Schließlich blieb Hallenstein bei St. Martin. 

Der Pfarrer von St. Martin rechnete lange, um wie viel jetzt wohl seine Einnahmen gekürzt würden. 

 Am 5. April 1903 kam die Ortschaft Reith, letztlich doch auf eigenen Wunsch der Bevölkerung, per Abstimmung samt ihrer, dem Heiligen Kaiser Heinrich geweihten Filialkirche, von der Pfarre St. Martin zur Pfarre Unken. Die Pfarre St. Martin zählte nun 1561, die Pfarre Unken 1249 Seelen.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!