Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Maria Leitinger

Drüben auf der anderen Hangseite, in einem der gepflegten Häuser war Maria Leitinger zuhause, bevor sie ins Altersheim nach Lofer kam. Während meiner Kindheit wohnte sie mit ihrer Familie im Dorf, wir waren Nachbarn. Schon damals beeindruckte mich ihre Persönlichkeit und eine besondere Noblesse.

1918 wurde Maria Leitinger geboren. Ihre Mutter stammte aus Leogang und war Sennin beim Seywald am Obermayerberg. Dort arbeitete Petro, ein russischer Kriegsgefangener, fleißig und beliebt bei allen. Seinen Nachnamen kannte keiner. Vielleicht war er für die hiesige Zunge zu unaussprechlich. Wahrscheinlicher ist, dass einem kriegsgefangener Feind keine Identität zustand. Er stammte aus der Umgebung von St. Petersburg. Seine Familie hatte dort ein großes Gut. Er wurde vom Bauern so sehr geschätzt, dass der ihm sein Sonntagsgwand lieh und dieses Photo entstand. Petro ist der Vater von Maria.

Wenn der Krieg zuende ist, so versprach er, wird es seinem Kind nicht schlecht gehen. Der Krieg ging zuende und Petro kehrte in seine Heimat zurück. Nie wieder hat man von ihm gehört und man muss annehmen, dass ihn, wie so viele sei- ner Kameraden, ein tragisches Schick sal getrof- fen hat. Volksmund: „Die Heimkehrer wussten zu viel, die sind alle hinterm Ural umgekom- men, erschossen und ertränkt worden.“ Maria Leitinger erinnert sich genau an die Ächtung, die sie als lediges Kind „von so einem“ erfahren hat. Pfarrer Auer war da ganz unnachsichtig. In Religion bekam sie grundsätz- lich nur Zweier und als sie sich bemühte, als Nachfolgerin von Anna Posch Hebamme zu wer- den, bewarb sie sich um eine Unterstützung der Gemeinde für die 18monatige Ausbildung. Die Gemeindevertreter, einschließlich Dr. Hans Haesele, waren für einen finanziellen Vorschuss. Der Pfarrer hat mit seiner einzigen Gegenstim- me ihre Förderung verhindert. Schließlich hat die Kreuzerbäuerin drei Kühe gestiftet und die Kreuzer Nani wurde Hebamme.

Jede ledige Frau, die ein Kind erwartete, mus- ste zum Pfarrer gehen und „abbitten“. Dabei wurde sie oft als Luder und schlimmeres beschimpft. Er sah das als gerechte Strafe an. Es kam vor, dass eine werdende Mutter sich von diesen Demütigungen kaum noch erholte. Die alte Perchtbäuerin hatte, dem Brauch entspre- chend, ein junges Familienmitglied zum Abbit- ten geschickt Das Mädchen hat sich danach „überhaupt nimmer derfangen“ und die Percht- bäuerin sagte einsichtig, dass sie „nie wieder jemand zum Pfarrer schicken würde“

Dramatisch ging es beim Hölzlbauern zu, als jemand im Sterben lag. Eine Ledige auf dem Hof erwartete ein Kind, weigerte sich aber, zum Abbitten zu gehen. Darauf versagte der Pfarrer den Versehgang. Der Zwang der Familie und der Gepflogenheit wurde zu groß, die werdende Mutter machte sich gegen ihren Willen auf den schweren Weg zum Pfarrhof

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!