Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Nikolaus und Kramperl

ST. NIKOLAUS

Der 6. Dezember ist der Namenstag des Heiligen Nikolaus. Dieser liebenswürdige Bischof aus Myra in der südlichen Türkei, der um 300 n. Chr. gelebt haben soll, ist durch seine Wohltätigkeit zum Patron der Kinder in aller Welt geworden. Am Vorabend geht „er“ im Bischofs - ornat, gefolgt von angsterregenden, lärmenden Kramperln im Teufelsgewand mit Fell, Glocken, Ketten und Ruten von Haus zu Haus und liest aus einer Bibel oder einem anderen dicken Buch, das nicht selten das Kochbuch der Hausfrau ist, Unarten der Kinder vor, ermahnt zur Besserung und hört sich Gebete und Gedichte der Kleinen an. Wenn die Kramperl zu wild werden, gebietet der Heilige Nikolaus Ruhe. Seit einigen Jahren kommt der Nikolaus abends mit einem Pferdeschlitten auf den Dorfplatz, gefolgt von vielen Kramperln. Dort aber, wo sich die Kramperl ohne den Heiligen herumtreiben, da gibt es gelegentlich schon einmal mittlere Raufereien und nicht selten haben die kleineren Kramperl vor den größeren Angst und die wiederum vor den ganz großen. Neuerer Brauch, eingeführt durch den Skiclub: ein Glühweinhüttl mitten im Dorf als feuchtfröhlicher Treffpunkt der unheiligen Schar. Geschenke gibt’s auch, meist in Form von Nikolaus-Sackerln mit Äpfeln, Mandarinen, Nüssen und Süßigkeiten.

MARIÄ EMPFÄNGNIS

Der 8. Dezember ist ein „Frautag“, eines der vielen Feste „Unserer Lieben Frau“. Mutter Anna empfängt, ganz ohne Erbsünde, ihre Tochter Maria. Marienfesttage werden während des ganzen Jahres mit besonderer Andacht begangen. In früherer Zeit, wo Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett ohne nennenswerte ärztliche Versorgung ausgestanden werden mussten und die Sterblichkeitsrate bei Mutter und Kind enorm hoch war, wurden die beiden Mütter Anna und Maria ganz besonders oft angerufen um Hilfe und Trost. Solange die große „Gföller Muttergottes“ in der Kirche am Pfeiler auf der Männerseite in Höhe der Kanzel stand, war der linke Seitenaltar mit seinem Altarbild den beiden Müttern geweiht.

Kaiser Ferdinand III ließ 1647 zum Dank für die Errettung Wiens aus den Gefahren des Dreißigjährigen Krieges eine Marienstatue aufstellen und erklärte diesen Tag zum Feiertag in Österreich. Während der NS-Zeit war der Feiertag abgeschafft worden. Im Staatsvertragsjahr 1955 wurde er nach einer überwältigenden Unterschriftenaktion als Dank für die neu gewonnene Freiheit wieder eingeführt. Als Einkaufssonntag ist er immer wieder der Profanisierung ausgesetzt.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!