Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Die Höhlen im Sonntagshorn

Im Oktober 1949 berichteten die Salzburger Nachrichten über die Bergwachtmänner Toni Dürnberger aus Lofer und Hans Herbst, den „Brand Hans“ aus Unken, die versuchten, das längst bekannte aber kaum erforschte Höhlensystem im Sonntagshorn zu befahren. Mut hatten sie genug, Neugier auch. Der Eingang zum Höhlensystem liegt auf bayerischer Seite unterhalb des Gipfels. Hobbyforscher dürfen sich auf keinen Fall verleiten lassen, sich hier in Gefahr zu bringen. Im Berginneren herrscht ein so starker Luftzug, dass er dem Hans den Hut vom Kopf reißt. Wo der Ausgang der Höhlen ist und wo der Gegenzug herkommt, das ist immer noch unbekannt. – Die beiden Männer finden die Namen bayerischer Höhlenforscher in einer Blechdose und ein Holzkreuz einer früheren Expedition. 16 Stunden lang sind sie im Bergesinneren. Die meiste Zeit klettern sie steil abwärts und überwinden mehrere hundert Höhenmeter bis zum Ende der begehbaren Strecke. Sie finden große Höhlen, einen kleinen und einen größeren Wasserfall und reiche Tropfsteinbildungen.

Alois Uhl und Jakob Jury, beide von der Berg - rettung aus Unken, sind im Jahre 1959 noch einmal bis zum Endversturz vorgedrungen und haben dort eine vom Dorfschmied Hans Sinzinger angefertigte Tafel angebracht. Die Höhlen sind gelegentlich zu Mutproben unter jungen Bauernbuben benützt worden. So wurde eine Flaschenpost hinterlegt und der auf die Probe Gestellte musste sie holen. Daheim auf der Rem hing dann ein Strick vom höchsten Dachbalken, an dem das Abseilen geübt wurde. Mutters Angst konnte nichts verhindern – die Flasche wurde aus dem Berg geholt und die Achtung war groß. Bravo Lois! Wer Höhlen mag, dem empfehle ich die hochinteressanten und spektakulären Lamprechts Ofenloch Höhlen bei Weißbach.

Das immer wieder von alten Sennerinnen und Kennern der Hochalm berichtete „Rumpeln im Berg“, oft unerklärlicherweise mit dem Pillersee in Tirol in Verbindung gebracht – „es rumpelt der Pillersee“ – ist noch von niemandem erforscht worden. Die alte Baureggerin, die ihren kleinen Sohn Fritzi auf so tragische Weise verloren hat, hat es sogar am Baureggerhof gehört. Es bedeutete meist nichts Gutes, meinte sie. Meist Föhn, und das deutet vielleicht auf ein Loch auf der Südseite des Berges hin. Aber wo? Jedenfalls bleibt das Loch am Gipfel im Winter oft eisfrei, weil der Wind aus dem Bergesinneren wärmer ist als die Außenluft. Könnte das „Rumpeln“ vielleicht vom Luftzug im Berg herkommen. Ähnlich dem Geräusch, das entsteht, wenn man in eine leere Flasche bläst...

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!