Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Tresterer

Die Lage von Unken, zwischen Gseng und Achberg, zwischen Steinpass und Kniepass, sie hat durch ihre Abgeschlossenheit dazu beigetragen, dass einiges an Volksgut bewahrt und sogar weiterentwickelt wurde, was in anderen Teilen des Pinzgau verloren gegangen ist. Deutlich ist der bayerische Einfluss zu erkennen. Der Unkener Trachtenverein ist schließlich seit 1921 Mitglied beim 1890 in Rosenheim gegründeten Gauverband I des oberbayerischen Gebirgstrachten Erhaltungsverein e.V. Einigen wenigen ist es zu verdanken, dass uns alte Tänze doch erhalten geblieben sind. Heute gehören sie wieder zum festen Bestandteil des Unkener Brauchtums. Dazu gehört vor allem der Tresterer. Es mag sie wohl schon lang gegeben haben, die Tresterer. Spuren führen sogar in vorchrist - liche Zeit zurück. Sicher ist, der katholischen Kirche war ihr Treiben nicht recht.

1750 wurden 11 junge Unkener namentlich vor Gericht zitiert, wie uns ein Salzburger Hofratsprotokoll berichtet.

1750 bereits als alter Brauch urkundlich bekannt, wurde dieser Perchtentanz mit Sicherheit bis zum Jahre 1870 in Unken an jedem Dreikönigstag getanzt. Die Bauern hatten es immer schon gern, wenn die Tresterer an ihren Hof kamen, weil sie - durch sie geschützt vor bösen Geistern - ein gutes Jahr erwarten durften. In der Perchtengruppe waren auch einige bayerische Burschen, vermutlich aus den nach Unken eingepfarrten Gemeinden Ristfeucht und Schneizlreuth jenseits der Grenze, die am deutsch- französischen Krieg 1870/71 teilnehmen mussten. Es sind wohl nicht alle heim - gekommen, denn nach diesem Krieg gelang es nicht mehr, eine Tresterergruppe zusammenzustellen.

Erst im Winter 1912/13 lehrte der einzige Überlebende der letzten Perchtengruppe, der damals 75 jährige „Besch“ Blasius Dankl den Tanz jungen Unkenern, die vom Pfannhausbauer, Martin Fuchs, geführt wurden.

Die Gruppe von Schiachperchten und Schönperchten wurde, wie es sich im Original gehört, von Teufel, Pater, Kasperl, Bettelmandl und Hexe begleitet. Die von ihnen aufgeführten, harmlos gemeinten Späße wurden aber von der katholischen Kirche als Gotteslästerung angeprangert und verboten. Damit wurde (fast) ihr Verschwinden bewirkt. Der 1. Weltkrieg verursachte eine neuerliche Unterbrechung. Nach dem Krieg wurde der Tanz wieder aufgenommen, hatte aber von seiner ursprünglichen Brauchtumsgebundenheit verloren. In den Jahrzehnten vor und während des Zweiten Weltkriegs ist viel vom alten Brauchtum verkümmert und während der KdF Zeit zur Schaustellung verkommen.

Eigentlich hat man damals den Tanz nur den Fremden zuliebe in Unken und auswärts aufgeführt.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!