Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Die Protestantenvertreibung unter Erzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian

Als im 16. und 17. Jahrhundert „das Luthertum sein Unwesen im Pinzgau trieb“ und es um 1730/31 zum großen lutherischen Auszug kam, ist auffallend, dass, während besonders Taxenbach, Saalfelden, Mittersill und Zell am See häufig genannt werden und der erzbischöflichen Regierung große Probleme machten, nur kurz der Loferer Bezirk erwähnt wird. Entweder gab es in unserer Gegend keine Protestanten oder dieses Problem ging vor allem die Propstei St. Zeno in Reichenhall an, der die Kirche in St. Martin mit ihren Filialkirchen (u.a.) Lofer und Unken unterstellt waren. Demnach könnten sich Unterlagen in den Münchner Archiven befinden.

Erzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian wusste sich der neuen Lehre nicht anders zu erwehren als im Oktober 1731 ein Patent zu erlassen, wonach die Protestanten unter freiwilligem Verzicht auf die bisher übliche dreijährige Frist auszuwandern hatten.

„Angesessene“ (Besitzende) hatten drei Monate Zeit, „Unangesessene“ nur acht Tage, um ihre Angelegenheiten zu regeln und Abschied zu nehmen. Unter Tränen, Gebeten und frommen Gesängen verließen sie ihre Heimat.

Das Auswanderungsedikt wurde im Herbst ver- öffentlicht. Spät genug, um noch den Martini- tag, einen der drei bäuerlichen Steuertermine zur Einhebung von Geldern und Naturalabgaben zu nutzen.

Preußen erklärte sich zur Aufnahme einer Anzahl von Protestanten bereit, viele zogen in die Reichsstädte Kaufbeuren, Kempten, Memmingen, Ulm und Augsburg, wo Religionsfreiheit gewährleistet war. Einige zogen in die Niederlande und sogar bis nach Nordamerika, wo es heute noch Nachfahren der Salzburger Auswanderer in Georgia gibt.

Bei uns und in Preußen, wo die neuen Bürger zur Kolonialisierung von Ostpreußen vorgesehen und hoch willkommen waren, sind Namenslisten der Emigranten vorhanden. Auf ihrem Weg fanden die Verjagten Unterkunft und Verpflegung bei Glaubens genossen, mit denen sie jeweils bei Ankunft zuerst einen Gottesdienst feierten.

Danach war es den Gläubigen einer Stadt jeweils eine Ehre, ganze Familien in ihr Haus aufzunehmen bevor der Zug weiter seinen Weg nahm.

Seit dem Beginn der Glaubensspaltung bis 1733 sind aus dem Erzstift rund 30.000 Salzburger wegen ihres Glaubens vertrieben worden. Bei 200.000 Einwohnern entspricht dies etwa einem Sechstel der Bevölkerung.

Rechts das alte Haus Nr. 3: beim Wagner. Schmied und den Sattler hatten wir schon. Etwas weiter: das Schrankenhaus. Hier wurde Maut kassiert. Könnte das Holzhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite erzählen, es wären wohl Geschichten aus 3oo Jahren. Am felsigen Hang wachsen Waldrebe, die wilde Clematis und die seltenen Zyklamen. Alte Randsteine stehen da, wie sonst nur noch beim Steinpass, wo bis 1926 das Tor stand.

An der Felswand rechts haben die Bergretter unter Dr. Manfred Schlederer bei ihrer Gründung 1947 die ersten Abseilübungen gemacht.

FÜR EINE kleine Weile müssen wir auf der Bundesstrasse gehen. Am gegenüberliegenden Ufer der Saalach sehen wir den Gaissteig. Das ist ein anderer, sehr lohnender SPAZIERGANG nach Reith.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!