Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Die Salinenkonvention

Die Unken war einer der wichtigsten Triftbäche, die das Holz für die Salzsieder in Reichenhall zur Saalach brachten. Sie war ein Selbstwasser, sie floss immer und nicht nur wenn zuvor Schleusen einer Wassersperre, einer Klause, geöffnet wurden.

Die Abmachung, dass Holz aus Wäldern auf erzbischöflich salzburgischem, später österreichischem Staatsgebiet für die Soleverdampfung in Reichenhall gefördert wurde ist schon mehr als 800 Jahre alt und kam um das Jahr 1200 zustande. In dieser Zeit waren territoriale Abgrenzungen zwischen Staaten noch von geringer Wichtigkeit. Wichtig aber waren ausgehandelte Rechte. In diesem Falle das Recht auf Holz und das Recht auf Salz zum wechselseitigen Vorteil aller.

Als neben der alten Saline in Reichenhall um 1200 die Saline Dürrnberg - Hallein, ursprünglich bereits in keltischer Zeit um 700 v.Chr. genutzt, wiedererstand und die neue Saline von Berchtesgaden - Schellenberg, da entstand auch der unterirdisch grenzüberschreitende Bergbau bei dem sich die Halleiner Bergleute tief  im Berg auf bayerisches Gebiet durchgruben.

Man ließ sie graben und einigte sich auf ein Gegenseitigkeitsgeschäft. Die Schellenberger brauchten das Wohlwollen des Salzburger Erzbischofs um mit ihrem Salz handeln zu können. Bis hinunter nach Burghausen wurde das Salz auf Salzburger Gebiet verschifft und erreichte dann erst  Bayern. Bayern hatte seinerseits größtes Interesse an einem guten Einvernehmen mit Salzburg weil zum Verdampfen der Sole in Reichenhall Holz aus den Pinzgauer Wäldern geradezu lebensnotwendig war. So sehr waren die jeweiligen Interessen ineinander verwoben, dass eine kluge Zusammenarbeit zum Wohle aller unumgänglich war. Auch wenn es sonst immer wieder zu Auseinandersetzungen kam, die Regelung über den Salzabbau und die Holznutzung wurde letztlich nie infrage gestellt.

1816 veränderte sich die Lage. Die Napoleonischen Kriege waren vorbei, Europa sortierte sich neu, das viele hundert Jahre lang selbständige Salzburg kam zu Österreich. Für kurze Zeit wurde der Plan diskutiert, die Gnotschaft Oberau bei Berchtesgaden, unter der sich die Dürrnberger bayerisches Salz holten, gleich an Österreich abzutreten und im Gegenzug das Gebiet um Unken mit den Reichenhaller Salinenwäldern den Bayern zu geben. Daraus wurde nichts.

Man kam, wie  schon vor 600 Jahren zu dem Schluss, dass nicht die Grenzen zählten sondern eigentlich immer noch die alten Rechte das Wesentliche waren. Österreich bekam weiter sein Salz aus dem bayerischen Boden und Bayern sein Holz aus den österreichischen Wäldern.

1829 wurde die Salinenkonvention unterzeichnet, deren 175 Jahre heuer vielerorts mit Veranstaltungen gedacht wurde.

Dieser älteste gültige Staatsvertrag hat auch die schwierige Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg überdauert und wurde 1958 erneuert. Der grenzunterschreitende Salzbergbau am Dürrnberg wurde 1989 eingestellt und in Bad Reichenhall wird seit 1913 kein Holz mehr für die Salzgewinnung benötigt. Der Eisenbahnbau und der Zugang zu Kohle, später der Staudamm am Saalachsee und die Stromgewinnung haben es überflüssig gemacht. Trotzdem gilt sie heute noch, eben „für ewige Zeit“, die Salinenkonvention.

WIR BIEGEN beim ehemaligen Lukaswirt rechts ab.

 

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!