Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Wundarzt Josef Aigner und sein Enkel Bruno Treipl

Über die frühe ärztliche Versorgung in Unken wissen wir wenig. Viele Geschichten über unerlaubte Kurpfuscherei von Einheimischen und durchreisenden „Heilkundigen“ kennen wir vor allem aus Gerichtsakten. Der erste eindeutig nachgewiesene Arzt ist Johann Mayer. An ihn erinnert eine Tafel an der Kirchturmmauer.

ÜBER DEN STEIG GEHT ES weiter: Rechts liegt das ehemalige Doktorhaus. Im Waldbuch wird das „gütl“ bereits 1529 erwähnt. 1887 gab es Verhandlungen wegen der Bestellung des Wundarztes Josef Aigner zum Gemeindearzt von Unken. Er kam aus Lofer und bezog das Plaikpointhaus, seither Doktorhaus genannt. Sein Nachfolger in Lofer wurde Dr. Schoberlechner. Als er sich zur Ruhe setzte, kaufte die Familie das Achpointhaus, später Treipl-Anwesen, heute Stöcklhaus genannt. Man erwartete einen neuen Arzt und musste das Doktorhaus räumen. Dr. Josef Aigner, Ehrenbürger von Unken, starb 1915 und wurde auf dem Unkener Friedhof vor dem Kreuz unter Zypresse begraben. Auf alten Bildern von der Glockenweihe nach dem Weltkrieg I ist sein weißer Grabstein noch zu erkennen.

An der Kirchenmauer befindet sich heute eine Tafel in dankbarer Erinnerung an diesen hochgeschätzten Arzt.

Der Enkel des Unkener Wundarztes Josef Aigner und seiner Frau Maria (Meme), Sohn seiner Tochter Maria (Mizi) und Oberst Rudolf Treipl, Bruno, geboren 1916, wuchs mit Schwester Ria in Unken auf und besuchte hier bis zu seinem 10. Lebensjahr die Volksschule.

Bruno Treipls Lebenslauf

habe ich unter der Überschrift „Unkener in aller Welt“ festgehalten:

Vater Rudolf Treipl war damals noch Hauptmann, wohnte bei den Schwiegereltern im Achpointhaus. Er war ein früher „Pendler“. An Sommer-Wochenenden fuhr er mit dem Fahrrad aus der Kaserne in Salzburg nach Unken. Im Winter fuhr er mit dem Zug nach Bad Reichenhall und kam auf Schiern heim. Als Hauptmann Rudolf Treipl zum Oberst und zum Festungskommandanten befördert wurde, beschloss die Gemeinde Unken am 3. Oktober 1926, das Treipl-Anwesen zum Preis von S 20.000.- als Kranken- und Armenhaus zu kaufen. Treipls zogen auf die Festung Hohensalzburg.

Brunos Berufspläne gingen in Richtung Hotelfach. 1954 reiste er zu seiner Tante nach Java. Hilde Treipl betrieb dort ein Hotel mit großem Bungalowdorf. Familiäre Gründe führten später zum Wechsel in die Leitung einer Teeplantage. Nach dem Ausbruch des Weltkrieges wurden alle großdeutschen Staatsbürger, dazu gehörten jetzt ja auch die Österreicher, interniert. Bruno Treipl kam in ein Lager der Engländer nach Nordindien.

Dort traf er Heinrich Harrer und die Weggefährten für seine Flucht nach Tibet. Bruno Treipl und ein Freund kehrten aber, hauptsächlich aus finanziellen Gründen, später wieder um und kamen auf abenteuerlichen Wegen nach Indien zurück. Die Engländer stekkten die beiden in ein Straflager. Bei Kriegs ende wurden sie mit 1800 anderen Häftlingen nach Hamburg verschifft und kamen nach langen Jahren der Internierung wieder frei. In einem ganz normalen mitteleuropäischen Leben begann er die Hotelkarriere mit dem Hotel Rupertihof in Salzburg noch einmal neu. Heute lebt er, hochbetagt, mit Frau und Sohn in Salzburg. Der liebste Schulfreund, der Hochreiter aus Reith ist nicht mehr, die Kramer Fanny und so viele sind schon vorangegangen. Die Kindheitserinnerungen an Unken aber, die sind noch sehr lebendig.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!