Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Erstbesteigung der Alpa Wand 1951 durch zwei Loferer und einen Unkener

Die Alpa Nordwand, auch Hiefel- oder Kälberwand genannt, bildet den westlichen Abschluss des Hauptkammes der Reiter Steinberge, besteht in der Hauptsache aus Ramsauer Dolomit und ist 1681 m hoch. Die senkrechte Wandhöhe beträgt 500 m. 

Der erste Versuch, diese Wand zu bezwingen wurde 1925 gemacht. Aber schon in der unteren Wandhälfte war er gescheitert. Vor 1932 wird von acht erfolglosen Seilschaften berichtet, darunter die beiden Brüder Andreas und Alois Hinterstoisser, die sich durch spektakuläre Watzmann Besteigungen und die Bezwingung der Eigernordwand 1938 einen unvergessenen Namen in Bergsteigerkreisen geschaffen haben.

Nach 1932 wurde kein Versuch mehr gemacht, die Wand galt als unbezwingbar.

Johann Herbst aus Unken, bekannt als Brand Hans, war schon als junger Bursch ein begeis - terter Bergsteiger. Er kannte nicht nur alle Gipfel der näheren Umgebung, mit Bergkameraden ist er zum Bergsteigen mit dem Rad bis in die Schweiz gefahren. Schwierige Strecken wurden mehr und mehr eine Herausforderung.

Bei einer Drei - Brüder - Überschreitung mit Toni Dürnberger machten die beiden im Licht der untergehenden Sonne eine interessante Beobachtung: Auf halber Höhe der berüchtigten Alpa Wand sahen sie, dass es da einen vorgelagerten Turm, einen Pfeiler gab, den bisher noch niemand kannte und der nur bei entsprechendem Gegenlicht zu erkennen war. Hinter diesem Turm, in diesem wahrscheinlich kleinen Zwischenraum zum Berg selbst, da hat man vielleicht die Chance, beim Aufstieg ein Biwak einzurichten.

Sollte diese Wand am Ende doch zu besteigen sein? Es begann eine Zeit der intensiven Beobachtung der Wand bei allen Witterungsverhältnissen und vor allem bei allen Lichtverhältnis - sen, um alle Risse, Rinnen und Grate genau zu erkunden. Der Entschluss war gefasst, Sepp Schmiederer aus Lofer, Toni Dürnberger und der Unkener Brand Hans, planten gemeinsam als Dreier Seilschaft diese Wand doch noch einmal anzugehen. Nur der Vater von Toni Dürnberger wusste von dem Plan, für alle Fälle....

Am 23. September 1951, einem Samstag, früh morgens um 5.00 Uhr radelte Hans nach Reith, traf dort seine Bergkameraden, um 10.00 Uhr begann der Einstieg in die Wand.

Toni übernahm die Führung, ihm folgte Hans, Sepp ging zum Schluss. Gleich beim Einstieg in die Wand musste angeseilt werden. Die ersten 5 Seillängen führten in ein plattiges, schroffes Gelände, dann zwang ein roter Wandabbruch zu einem etwa 10 m Seilquergang nach rechts.

Dort konnten sie einen Riss durch das schräge, nach links ansteigende Wandstück gewinnen. In dieser Rinne musste ein 5 m breiter Übergang bezwungen werden, nach welchem ein Quergang weitere 5 m nach links führte. Hier übernahm jetzt Sepp die Führung. In einer Rinne stiegen sie jetzt 60 m senkrecht empor, weiter schräg nach links zu einem überhängend ansetzenden Kamin. Dann 30 m senkrecht nach oben zu einem Standplatz und von da aus in einem tiefen Riss 30 m weiter bis zum Biwakplatz, den Sepp gerade noch vor Einbruch der Nacht erreichte. Es war Ende September und wurde schnell dunkel. Von oben gesichert, er - reichten die zwei anderen dann bereits bei Dunkelheit um 20.30 Uhr den Biwakplatz, der gleich mit Seilen und Haken abgesichert wurde. Dann erst gab’s Speckbrote und Tee im Schein der Taschenlampen. Sie deckten sich so gut es ging zu und versuchten auf dem winzigen, bloß 1 m breiten Platz zwischen dem Pfeiler und dem Berg ein bisschen Nachtruhe zu finden. Nur Toni fand einen kurzen Schlaf. Sonntag, Rupertitag. Um 4.30 Uhr (es gab noch keine Sommerzeit) warfen die drei alles entbehrliche Zeug die Wand hinunter, um das Weiterklettern zu erleichtern.Das Wetter wurde schlechter. Vom Biwak aus ging es gleich 30 m steil nach oben zu dem hier endenden Pfeiler. Etwas abwärts steigend gewannen sie eine Rinne, in welcher sie nach weiteren 30 m zu einem Übergang gelangten. Am Ende dieses Überganges wurde Toni von Steinschlag getroffen und am Hinterkopf, an der linken Schulter und dem Arm verletzt. Er fühlte sich benommen, konnte aber noch wei ter klettern.

Unten im Tal war am Morgen Tonis Vater angekommen und versuchte sich schreiend mit den Kletterern zu verständigen, was auch gelang. Die Sensation hatte sich schnell herum gesprochen und viele Menschen verfolgten mit Feldstechern den weiteren Aufstieg. Zu essen und trinken gab es nichts mehr und gegen den größten Durst wurde Regenwasser aus einem Felsspalt mit der Feldflasche aufgefangen.

Und dann war es geschafft 14.30 Uhr - das Glück auf dem Gipfel. Der Abstieg führte die drei auf leichtem Weg hinter der Wand über die Alpa Alm.

Als sie den Weg auf die Reiter Alm erreichten, trafen sie Sepp Maier, (†19. März 1995) den Hüttenwirt der alten Traunsteiner Hütte. Er war mit dem schwer beladenen Muli auf dem Heimweg. Er war der erste, der die „Helden des Tages“ leibhaftig gesehen hat und zur Begrüßung gab es ein Bier aus der Satteltasche, das zu den bes - ten Schlucken im Leben der drei Bergsteiger gehört haben mag.

Bald kamen ihnen die ersten Bergfreunde entgegen, es gab eine große Begrüßung, alles verbliebene Gepäck und die Seile wurden ihnen abgenommen und immer mehr Leute kamen ihnen entgegen, so daß eine große, fröhliche Schar schließlich in Reith ankam. Beim Kramerwirt in Unken wurde das Erntedankfest gefeiert. Dort gab’s eine große Begrüßung, die Kunde war längst wie ein Lauffeuer durch das ganze Saalachtal gegangen. In der Gendarmerie Posten Chronik von Unken steht an diesem Tag die Eintragung zu lesen; „Mit dieser kühnen Erstbesteigung der Alpa Nordwand oder auch Alpa Mauer ge nannt, die als alpinistische Großtat ein gewaltiges Ausmaß an Mut, Energie und Todesverachtung erforderte und als unbezwingbar galt, ist in der Gemeinde Unken der letzte unbesiegte Fels von dieser Seilschaft bezwungen worden.“

Und Josef Posch, der Beholdbauer vom Mayrberg, konnte auch wieder ruhig schlafen. Er war am Samstag noch spät auf dem Feld gewesen um sein Ross zu holen. Er hatte ein Licht gesehen, auf halber Höhe, mitten in der Alpa Wand. Und es gab für ihn überhaupt keine natürliche Erklärung für diese wundersame Erscheinung..... So wird die Geschichte erzählt, und so hat sie Johann Herbst, der Brand Hans bestätigt. Er weiß es, er war dabei!

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!