Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Der Mellecker Kirchweg

AUF DER ANHÖHE angekommen, verlassen wir die Fahrstraße und folgen dem kleinen Steig, der rechts abzweigt. Dieser kleine Weg am Wiesenrain war früher viel begangen. War er doch der Kirchweg der bayerischen Mellecker und der Leute aus Ristfeucht und Schneizlreuth, die seit dem 17. Jahrhundert ins salzburgische, später österreichische Unken eingepfarrt waren. Erst mit dem Bau der Kirche in Schneizlreuth 1948 hörte diese grenzüberschreitende Pfarr - zugehörigkeit auf. Wir stellen uns vor, welche Mühe und welchen Zeitaufwand so ein langer Kirchweg für die Gläubigen, besonders im Winter und bei schlechtem Wetter, mit sich gebracht hat. Die Reither, die bis 1903 zu St. Martin gehörten, die kannten dieses Problem genau so. Wie oft wohl jemand in großer Sorge diesen Weg gelaufen ist um den Priester zum Versehen eines Sterbenden zu holen. Dieser wird wohl manches Mal nicht mehr rechtzeitig zur Beichte und zum Erteilen von Kommunion und Letzter Ölung gekommen sein. Dieser weite Weg musste auch mit den Neugeborenen zurückgelegt werden, um sie zur Taufe zu bringen.

Im Herbst 2001 brachte der „Museumsverein Festung Kniepass“ das Buch „Votivbilder von Kirchental“ heraus. Dort finden wir ein ganz erschütterndes Bild, das diese Problematik besonders beleuchtet. Wir sehen ein Elternpaar mit zwei Töchtern kniend unter dem Bild der Muttergottes von Kirchental. Vor ihnen liegen in Steckkissen links vier Neugeborene und rechts, ein Neugeborenes. Alle sind mit einem Kreuz gekennzeichnet, sie sind tot. Das rechte Kind scheint nicht mehr getauft worden zu sein. Vielleicht ist es tot zur Welt gekommen. Der Text auf dieser Votivtafel: „Zur schuldigsten Danksagung fuer alle empfangenen Gnaden und Wohlthaten, hab ich diese Tafel geopfert. I.W.H.A. 1806.“. Nun fragt man sich, wofür die Eltern danken, wenn ihnen gerade fünf Kinder gestorben sind. Der begleitende Text erklärt das: „Die überragende Bedeutung der Taufgnade zur damaligen Zeit, ihre aus heutiger Sicht dominierende Stellung in Bezug auf den vermeintlich als von Gott bestimmten und auch fraglos hingenommenen Tod eines oder mehrerer Kinder (wenn sie der Tod holt, gibt man sie dem Herrgott zurück, so wie man sie entgegennahm) all dies wird bildlich veranschaulicht.“

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!