Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Hochalm, Sonntagshorn und Peitingköpfl

Das Kreuz auf dem Sonntagshorn

Der Reichenhaller „Grenzbote“ berichtete am 14. Okt.1888 „Obwohl es in diesem Blatte hieß, dass die Errichtung des eisernen Kreuzes auf dem Sonntagshorn nur bei günstiger Witterung stattfinden werde, haben es 7 Personen (nämlich Franz Süß, Johann Zaß, Meinrad Auer, Jakob Süß, Ludwig Holleis von hier, dann Sebastian Egger und der 13 jährige Sebastian Leitner von Ristfeucht) dennoch am vergangenen Sonntag trotz der herrschenden Kälte und fußhohem Schnee unternommen, das Kreuz auf die Spitze zu bringen und dort aufzustellen. Morgens ½ 7 Uhr wurde von Melleck aufgebrochen und nach äußerst mühevollem Anstieg erst mittags gegen 100 Uhr die Spitze des Berges erreicht. Die Aufstellung und Befestigung des Kreuzes erforderte bei eisigkaltem Winde einen Zeitaufwand von circa 1 ½ Stunden, obwohl mit rastlosem Fleiße gearbeitet wurde.

Nach Vollendung der Arbeit wurde sofort der Abstieg nach Melleck und nach ein paar Stunden der Erholung dortselbst der Heimweg angetreten. Das Kreuz steht auf der höchsten Spitze des Sonntagshornes noch auf bayerischem Gebiet und ist direkt in der Richtung gegen Reichenhall aufgestellt worden. Mit einem Fernrohr kann man dasselbe von hier aus sehr gut wahrnehmen, was wir hier zur Beseitigung der Zweifel, als ob die Aufstellung noch nicht erfolgt sei, besonders betonen zu müssen glauben.“

In der damals in München erscheinenden Zeitung „ALPENFREUND“ schrieb Otto Achtelstetter aus Nürnberg im Februar 1892 über seine „Partie auf das Sonntagshorn“

Auszug: „An einem jener prächtigen Sommertage, wie sie zur größten Freude des Gebirgswanderers nach längerem Regenwetter wieder einzutreten pflegen, ließ ich mich im Juli 1891 nach mehrstündigem Marsche in dem schattigen, äußerst einladenden Wirthsgarten der Unkener Post zu einem Erholungsschoppen nieder, als eben am nächsten Tische ein junges Herrchen, das seine Heimatstadt Wien nicht verleugnen konnte, sich zu dem Ausrufe verstieg: „Eine Gegend, wo es keine Cigaretten gibt, sollte man nicht aufsuchen!“ – „Und einen Landstrich, in dem sich Gebirgsgigerln tummeln, soll man erst recht meiden“ glaubte mein Tischnachbar, ein ebenfalls zugewanderter Tourist, auf den Stoßseufzer des Wieners zu mir äußern zu sollen. „Ihrer Meinung, mein Herr,“ erwiderte ich meinem Tischgenossen, „kann ich nicht beipflichten. Ich für meinen Theil sehe in dieser Species von Thalbummlern das komische Element der erhabenen Gebirgswelt, das ich auf meinen Wanderungen nicht gern missen möchte. Welches Vergnügen bereiteten mir erst vor wenigen Stunden in Lofer etliche Prachtexemplare dieser Species als sie im Orte umherschlenderten, gekleidet im tadellosen Anzuge, bewaffnet mit einem mächtigen Bergstock und bedeckt mit einem kecken, grünen Hütchen, zu dem sich bei einem sogar die Schneebrille gesellte!“ – „Das sind Geschmacksachen“ brummte mein Nachbar in sein Glas, das er alsbald mit einem kräftigen Zug lehrte, womit die Gigerlangelegenheit zwischen uns beiden abgethan war.

Da ich für den nächsten Tag die Besteigung des Sonntagshorns geplant hatte, zog ich mich rechtzeitig in meine freundliche Stube zurück, wo es sich die Zimmerin nicht nehmen ließ, die zwei vorhandenen Kerzen in Brand zu stecken, für welche Aufmerksamkeit ich auf der Rechnung mit 16 Kronen im besonderen belastet wurde. Am nächsten Morgen verließ ich bereits 4Uhr 30 die Post und steuerte in hoffnungsfreudiger Stimmung, hervorgerufen durch die prächtige Witterung, mit welcher der Tag anhob, meinem Ziel entgegen. Etwa zwanzig Minuten vom Wirthshause betrat ich schönen Wald, durch den ein gut angelegter Weg sich etwas steil zur Perchtalm hinzieht, die ich nach 1 ½ Stunden erreichte.

Von der Alm aus gelangte ich sehr bald auf überaus wohlduftende Alpenwiesen, die sich, anfangs sanft ansteigend, dann ziemlich steil etwa eine Stunde hinzogen, worauf ich eine Schneide betrat, von der aus sich ein prächtiger Blick nach Süden eröffnete, wo sich in nächster Nähe die umfangreiche Hochalm mit ihren zahlreichen, malerisch gelegenen Sennhütten ausbreitete, im Hintergrunde überragt von den Loferer Steinbergen, deren graue Häupter sich trotzig und kühn in die Lüfte erhoben. Was mich von meinem Standpunkt aus am meisten interessierte, war das Sonntagshorn, das bisher meinen Blicken völlig entzogen, in unmittelbarer Nähe gleich einer grünen Pyramide aus seiner Umgebung sich aufbaute. Von der Schneide aus benöthigte ich noch 20 Minuten bis ich, stets über mäßig geneigte Grashalden, den Fuß derselben und damit auch die Roßkarscharte erreicht, wo die Wege von Melleck und von der Hochalm sich vereinigen. Da von diesem Punkt aus ein sehr praktisch angelegter Weg, den die Touristen der Fürsorge des Herrn Baron von Karg-Bebenburg in Reichenhall zu verdanken haben, bis zum Gipfel führt, so war es eine Kleinigkeit und ein Vergnügen, das letzte Gehstündchen zu bewältigen.

Um 1000 Uhr stand ich auf der Spitze, in welche sich, wie ein vorhandener Markstein ausweist, Baiern und Tirol teilen. (Hier irrt der Autor und verwechselt das Sonntagshorn mit dem Scheibelberg, wo am Dreiländereck Bayern, Salzburg und Tirol zusammentreffen!)

Dass sich von einem Punkt wie vom Sonntagshorn infolge seiner isolierten Erhebung eine treffliche Rundsicht darbietet, brauche ich kaum zu versichern. Wie glücklich hatte ich es an jenem Vormittage getroffen! Der blaue, durch kein Wölkchen getrübte Himmel wölbte sich über mir und die Atmosphäre war von einer Reinheit, dass sich die Berge, welche in meinem Gesichtskreise lagen, in voller Schärfe sich abhoben. Es fehlte weder an lieblichen noch an großartigen Bildern. Hurtig ging es nun wieder den Zikkzackweg hinab, bei welchem Beginnen ich zufällig die Entdeckung machte, dass mir der Berggeist ein kleines Andenken mit auf den Weg gegeben hatte, das gerade nicht Gefühle der Dankbarkeit in mir erweckte. Große Flächen meines grauen Gehöses zeigten nämlich zu meinem Erstaunen eine russisch grüne Färbung, deren Ursprung ich mir nur dadurch erklären konnte, dass der boshafte Kobold es so gefügt hatte, dass ich an jener Stelle der Ruhe genoss, wo im molligen Grase animalische Schätze, die wohl der Landwirth am besten zu würdigen weiß, wohl geborgen lagen.“

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!