Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Palmsonntag, Karwoche

Obwohl mit der Fastenzeit und der Karwoche wieder eine traurige Zeit im Kirchenjahr kommt, haben wir zwischendurch, am Palmsonntag, eine Woche vor dem Ostersonntag, einmal Grund zum Feiern. Palmen haben wir in Unken zwar keine aber die Weiden mit ihren Blüten, wir nennen sie Palmkätzchen, verwenden wir geradeso, wie die Juden die Palmen getragen haben sollen, als Jesus auf dem Esel in Jerusalem eingeritten ist. Schon früh sichern sich die Buben des Dorfes die schönsten Äste der Weiden im Tal. Fällt das Osterfest auf ein besonders frühes Datum im März, werden sie im Haus schon ein bisschen vorgetrieben, fällt Ostern spät in den April und wäre die Weidenblüte eigentlich schon vorbei, werden die „Palmbäume“ rechtzeitig an kühlen, dunklen Stellen im Haus gelagert; manchmal sogar in Schnee vergraben um für den Kirchgang am Palmsonntag gerade recht zu sein. Das Schmücken des Palmbaumes bedarf oft mütterlicher Hilfe sowie das Tragen oft der väterlichen Hilfe bedarf. Bündel von bunten Seidenpapierstreifen oder gefärbte Spanlocken, Äpfel und Brezen sowie ein Rand von frischem Buchs am Stamm: so sieht der richtige Palmbaum aus. Die Brezen macht der „Bäck’“ ganz einfach, ohne Salz. Das soll an die ungesäuerten Brote beim Auszug aus Ägypten erinnern.

Wild wachsenden Buchs gibt es in Unken nur beim Punzbauern im Achen-Niederland. Der ganze Hang mit dem Buxus sempervirens zwischen dem Mörtelbauern und dem Punzbauern wurde 1979 vom Österreichischen Naturschutzbund gekauft. Zur Erhaltung dieser botanischen Rarität müssen Bäume und Sträucher immer wieder zurückgeschnitten werden. Dr. Wittmann vom Ökologischen Institut Salzburg: „Auch wenn der Buxus - Standort in Unken meiner Meinung nach nicht natürlichen Ursprungs ist sondern aus einer verwilderten Gartenkultur stammt, so stellt er doch eine große Besonderheit für die Flora des Bundeslandes Salzburg dar und ist daher zweifelsfrei erhaltens- und schützenswert.“ Heute findet man gezüchteten Buchs bereits in vielen Gärten. Sonntagmorgen - ein großes Rascheln geht durch die ganze Kirche, ein ganzer Wald von Palmbäumen wird da heran getragen. Und ein bisschen mehr Unruhe als am normalen Sonntag begleitet den ganzen Gottesdienst, weil viel mehr kleine Kinder als sonst in der Kirche sind. Stolz trägt man seinen Palmbaum wieder heim. Jetzt ist er gesegnet und kommt auf den Acker oder unter den Dachfirst. Ein Zweig kommt in den Herrgottswinkel und gegen ein kleines Entgelt bekommen auch Nachbarn, in deren Haus es keine palmtragenden Kinder gibt, von diesen geweihten Zweigen etwas ab. Sie sollen eine gute Ernte, Segen und Schutz vor Unheil bringen. Jeder Hausbewohner bekommt eine geweihte Brezen und einen geweihten Apfel. Bei schweren Sommergewittern wirft man zum Schutz vor Blitzschlag geweihte Palmkätzchen in das Feuer und manche Sennerin nimmt aus Angst auch ein trockenes Palmkatzerl in den Mund. Wer an einem Palmsonntag als letzter aufsteht, der ist der „Palmesel“. Dies ist mit keinerlei Rechten und Pflichten verbunden, trotzdem will das keiner sein.

KARWOCHE

GRÜNDONNERSTAG

Am Gründonnerstag werden die Ostereier gefärbt. Gehörten die Hühnereier traditionsgemäß früher in den Aufgabenbereich der Bäuerin, so machte der Gründonnerstag da eine Ausnahme. Diese Eier gehörten dem Bauern. Es wurden ihnen besondere Kräfte nachgesagt. Der alte Ederbauer hat ein Ei auf seinem Feld am Ufer der Saalach vergraben. Das sollte vor Hochwasser schützen. Ein Ei wurde über das Hausdach geworfen. Das schützte gegen Feuer und Sturmschaden. Ein Ei kam vor der Haustüre in die Erde und hielt Böses davon ab, über die Schwelle zu gehen. Die alte Baureggerin wusste zu erzählen, dass die „Antlasoar“ niemals schlecht wurden. Am Gründonnerstag läuten die Glocken ein letztes Mal bevor sie „nach Rom fliegen“. Ab jetzt kommen die „Ratschen“ zum Einsatz, hölzerne Geräte zum Lärm machen, die uns die Glocken um so mehr vermissen lassen.

Früher fand am Gründonnerstag die Rossschätzung für die Unkener Pferdeversicherung statt. Alle Pferdebesitzer mussten zur Schätzkommission kommen. Wer als letzter aufsteht, ist die „Antlasgar“ niemand weiß so recht, was das heißt, aber keiner will es werden. Nur einmal im Jahr, am Gründonnerstag, kommen in der Kirche die zwei schönen alten Tafeln mit der Darstellung vom Letzten Abendmahl und der Fußwaschung auf den Altar. Die Kirche feiert die Einsetzung der Eucharistie.

KARFREITAG

Der Karfreitag ist ein strenger Fasttag. Das bedeutet: kein Fleisch und kein einziges Mal satt essen! Die Kirche ist ein Ort der Trauer. Das Heilige Grab stand früher in der Mitte des Kirchenschiffes vor dem Speisgitter, das nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil 1963 abgeschafft wurde. Die Kirchenfenster waren mit langen violetten Stoffbahnen verhängt. Eine Vielzahl von runden Gläsern, voll bunter Flüssigkeit, vor Glühbirnen, gaben das einzige Licht im Kirchenraum.

Seit das Grab am rechten Seitenaltar schräg steht, sind logischerweise die Glühbirnen hinter den Glaskugeln zu sehen, was nicht so sehr der Fall war, als das Grab in der Mitte des Raumes stand. Die „überirdische Illusion“ des österlichen Lichts war früher größer. Größer war auch die Spannung bei der Auferstehung, aber davon später. Wer am Karfreitag als letzter aufsteht ist die „Karfreitagratsch“ - ätsch!

Am Morgen findet nur ein schlichter Wortgottesdienst statt. „...und um die 9. Stunde gab er seinen Geist auf.“ Nach unserer Zeitrechnung entspricht dies 15:00 Uhr und um diese Zeit finden sich dann auch die allermeisten Kirchgänger zu stiller Andacht vor dem Heiligen Grab ein. Auf diese Sterbestunde Christi bezieht sich auch das Glockenläuten an jedem Freitagnachmittag des ganzen Jahres.

KARSAMSTAG

In der Kirche werden Osterkerze und Taufwasser geweiht. In Flaschen tragen es fromme Menschen heim. Taufwasser ist im Volksglauben noch wirk - samer als das normale Weihwasser.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!