Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Der Ennsmannbauer, urk. genannt 1399, „Unkhen“ 1137, Fischzucht einst und jetzt

VOR UNS LIEGEN die bayerischen Berge jenseits der Grenze: Ristfeuchthorn, Wendelberg, der Kienberg und der Predigtstuhl, auf den man von Reichenhall aus mit der Gondelbahn fahren kann.

Links ein Hochsitz, wir werden noch mehreren begegnen. Vom Hochsitz aus beobachten Förster und Jäger das Wild, vorzugsweise in der Morgen- und Abenddämmerung. Man kann sich denken, dass sie sich über lärmende Spaziergänger nicht freuen. Viele Hochsitze deuten auf Wildreichtum, also Augen auf und leise sein. Wer klettern will, sei gewarnt. Nicht alle Hochsitze sind immer in gutem Zustand. Manch morscher Tritt könnte gefährlich sein.

WIR KREUZEN EINEN der vielen Bäche am Gseng. Je nach Wetterlage und Wasserstand trocknen sie völlig aus oder aber, etwa zu Zeiten der Schneeschmelze, werden das richtige Wildbäche.

Der gegenüberliegende Achberg mit dem Kreuz auf dem Achhorn weist keinen einzigen sichtbaren Wasserlauf auf. Er ist eine riesige Filteranlage und an seinem Fuße gibt es Quellen mit berühmt gutem Wasser. Aus der Löwenquelle hat sich schon mancher Kenner sein Kaffeewasser nach Lofer oder Salzburg mitgenommen und Heilkundige verwenden es zur Herstellung der Bach Blütentropfen. Es hat uns 1873 für einige Jahrzehnte sogar den Namen Bad Unken eingetragen; mehrere Jahre, bevor Reichenhall zu Bad Reichenhall wurde. Hinter dem Achberg liegt die Aschau, ein wildes, unbewohntes Tal. Aber das ist schon wieder ein ganz anderer SPAZIERGANG.

Der Achberg hat sich in den letzten Jahren viel gefallen lassen müssen. Kurz nach der Grenze zweigt die neue Umfahrungsstraße in Richtung Saalach ab und verschwindet im Tunnel um kurz vor dem Schütterbad wieder ans Tageslicht zu kommen. Viele Monate lang konnte man Tag und Nacht den Donner der Sprengungen hören und wir hoffen, dass sich der Berg nicht irgendwann rächt.

Für unser Dorf ist dieser Tunnel ein großer Gewinn, kann man doch jetzt zurecht sagen: Unken, ein idealer Urlaubsort für alle die Ruhe und gute Luft suchen, abseits der großen Straße! Links eines der vielen Bienenhäuser am Gseng. Immer wieder findet man in alten Schriften und Testamenten die „Impen“ erwähnt. Honig ist nahrhaft und haltbar und wir werden ihm gleich noch einmal begegnen.

UNTER UNS RECHTS, der neue Sportplatz des Turn- und Sportvereins Unken, der in Gemeinschaftsarbeit der vielen Sportler und unter Mithilfe der Unkener Firmen gebaut und im Sommer 1987 eingeweiht worden ist. Mehrere Bänke. Wieder ein Bach und diesmal eine ganz andere Viehsperre.

JETZT KOMMEN WIR schon auf die Ennsmannfelder zu. Rechts ein Hochsitz und eine schattige Bank an der Steinmauer. Die aus dem Feld gesammelten Steine hat man gleich weiterverwendet und beim Zaunbau Holz gespart. Solche Steinmauern sind Heimstatt für ganz viele Lebewesen. Wer die liebenswerte Geschichte von der Maus Frederick nicht kennt, das Buch von Leo Lionni sei ihm an dieser Stelle wärmstens empfohlen.

Suchen Sie den „Geschwisterbaum“. Der Name ist mir so eingefallen. Sie werden leicht erkennen, warum. Ausweglos miteinander aufgewachsen, in Familie halt, immer wieder einmal aneinandergeraten, hat letztlich aber jeder seine eigene Krone.

LINKS EINE WILDFÜTTERUNG für Rehe. Die engen Sprossen sollen verhindern, dass Hirsche die Rehe verdrängen. Eine alte Haustüre mit schönen, geschnitzten Motiven hat hier eine neue Verwendung gefunden.

UND WIEDER EIN Rastplatz. Im Süden sehen wir ganz deutlich den Einschnitt, den sich die Saalach in Jahrtausenden gemacht hat, soweit das Tal nicht nach der letzten Eiszeit schon vorhanden war. Rechts die Loferer-, links die Leoganger Steinberge.

VON DER NÄCHSTEN Bank, kurz vor dem Wasserfall, den man schon hören kann, ist die Sicht noch besser. Jetzt erkennen wir in der Talenge die Festung Kniepass. Kein Wunder, dass dies immer ein strategisch wichtiger Punkt war, zumal in Zeiten, wo für Straßenbau noch nicht gesprengt wurde. Zwar musste man im Kriegsfall damit rechnen, dass der Feind auch durch die Aschau kommen konnte, das Tal mit der Aschauklamm hat aber den Transport von Geschützen nicht zugelassen.

Bei den letzten großen Kämpfen in diesem Gebiet 1800, 1805 und 1809 haben die mutigen Tiroler und Pinzgauer Freiheitskämpfer den Soldaten Napoleons und den mit ihnen verbündeten Bayern ganz schön zu schaffen gemacht. Ein Kriegerdenkmal vor dem Schulhaus erinnert daran. Dem Straßenbau am westlichen Tunnelausgang fiel leider die Höhle zum Opfer, in der 11.000 Jahre alte menschliche Spuren nachgewiesen werden konnten. Deutlich sieht man die neuen Brückenpfeiler und Schloss Oberrain in der Ferne.

RECHTS UNTER UNS, der Ennsmannbauer, ein alter Erbhof, urkundlich bereits 1399 erwähnt und mit großer Sicherheit noch um einiges älter. Man muss sich der mühevollen Arbeit des Studiums der alten Urbare, der Vorgänger unserer Grundbücher, mit dem „Sportsgeist eines Puzzlespielers“ widmen und lernen, die alten Handschriften zu entziffern um die Geschichte dieser alten Höfe zu erforschen. Namhafte Höfe im Tal haben früher zum Stift St. Peter in Salzburg gehört. Andere Höfe gehörten den Klöstern Höglwörth, Frauenchiemsee, oder dem Stift Berchtesgaden. Manche waren dem Domkapitel zinspflichtig oder unterstanden direkt dem Fürsterzbischof. Auch das Augustinerkloster St. Zeno in Hall, das später Reichenhall und erst seit 1890 Bad Reichenhall genannt wird, hatte in Unken Besitzungen. In den Archiven dieser Klöster haben sich viele Schriften erhalten. Sie befinden sich heute meist in Münchener Archiven, im Salzburger Konsistorialarchiv und im Salzburger Landesarchiv. Die bisher älteste uns bekannte Erwähnung des Ortes Unken geht auf eine solche Nennung zurück und stammt aus dem Jahre 1137. Das Kloster Reichersberg am Inn besaß damals Salzpfannen (Salzsiederechte) in (Reichen) Hall und die dazugehörigen Waldungen in „Unkhen“. Das Brennholz brauchte man, um die Sole, das Salzwasser aus dem Berg, in den großen, flachen Pfannen zu erhitzen und zum Verdunsten zu bringen. Bad Reichenhaller Siedesalz, das gibt es heute noch überall zu kaufen. Gewonnen ohne Holz sondern mit Hilfe der Elektrizität.

Aus der jüngeren Geschichte erzählt Altbauern Johann Willberger über die Forellenzucht einst und jetzt: Die Fischzucht, für die der Ennsmann heute bis weit über Unkens Grenzen hinaus bekannt ist, hat der Großvater Paul Auer schon 1911 angefangen. Er nutzte das frische, sauerstoffreiche Wasser aus dem Wasserfall, den wir gleich sehen werden, und baute mehrere untereinanderliegende Teiche mit einem Holzwehr. Forellen und Rotaugen, beides sehr gute Speisefische, hat er gezüchtet. Vom Metzger in Lofer wurden mit dem Fuhrwerk Innereien und Fleischabfälle als Futter geholt. Forellen sind ja Raubfische! In einem Schüttelfass, von zwei Pferden gezogen, wurden die Fische nach Bayern exportiert. Ein Schüttelfass war aus Holz, viereckig, etwa vier Meter lang, hatte einen Wasser-Ablass und einen Deckel. Im Inneren befanden sich im Abstand von ½ Meter Holzlatten, die beim Fahren das Wasser kräftig in Bewegung halten und mit Sauerstoff aufschlagen sollten. Mit solchen Schüttelfässern wurden Fische auch mit der Eisenbahn befördert. Dazu gab es dann immer einen Schüttler, der nur dazu da war, das Wasser in Unruhe zu halten. Auf dem Weg nach Reichenhall wurde mindestens einmal das Wasser gewechselt, trotzdem kamen nicht immer alle Fische lebend an. Während des Ersten Weltkrieges hörte dieses riskante Geschäft mit der Fischzucht auf. 1960 wurden an alter Stelle wieder Teiche angelegt. Jedes Jahr werden mehrere tausend einjährige Setzlinge mit 8 – 12 cm Länge ausgesetzt und haben zwei Jahre Zeit, langsam zu wachsen, während ein anderer der drei Teiche abgefischt wird. Im Turnus wiederholt sich der Kreislauf. Ennsmann-Forellen, frisch oder geräuchert – eine Delikatesse!

Der Großvater Paul Auer und seine Frau hatten eine ihrer Töchter für das klösterliche Leben vorgesehen und planten, der Tochter Theresia, geboren am 20. Jänner 1902, den Hof zu übergeben. Sie wurde 1924 auf die Landwirtschaftsschule geschickt, was durchaus eine große Seltenheit für ein Unkener Bauernkind in diesen Jahren war. Theresia liebte den „Grabner Seppei“ vom Unkenberg. Das war ihren Eltern nicht recht. Aus unglücklicher Liebe ging Theresia als Schwester Maria Agnes ins Kloster der Benediktinerinnen auf den Nonnberg in Salzburg. Ihr Liebster ging ebenfalls ins Kloster, nach St. Peter in Salzburg. Ihre Schwester Walburga, ursprünglich für das fromme Leben erzogen, wurde Bäuerin. Die unglückliche Theresia starb im 30. Jahr ihrer Ordensprofess im Alter von nur 56 Jahren am 14. Februar 1958. Eine Gedenktafel, früher am Ennsmanngrab, befindet sich heute in der Kapelle auf unserem Kalvarienberg.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!