Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Maibaumaufstellen, Floriani, Himmelfahrt, Fronleichnam, die Prozession

DER ERSTE MAI

Das ganze Dorf beteiligt sich an der Feier, die der Unkener Trachtenverein ausrichtet. Höhepunkt der Veranstaltung ist das Aufstellen des Maibaumes. Meist wird er von einem Bauern gestiftet. Er wird von den Mitgliedern des Trachtenvereins mit Kränzen und bunten Bändern geschmückt und während der Walpurgisnacht sorgfältig bewacht. Gelingt es, den Baum zu stehlen, wird das als Schande für den Verein gewertet. Der gestohlene Baum muss vom Verein ausgelöst werden. Eine Brotzeit und ein Fass Bier kostet das mindestens. Also versucht man, die Lagerung geheim zu halten. Nicht leicht bei einem ausgewachsenen Baum. Mancherorts wird der Baum erst am Morgen geschlagen.

FLORIANI

Das Fest des Heiligen Florian wird am 4. Mai gefeiert. Florian war Vorstand der Kanzlei des römischen Statthalters in Noricum. Noch gab es Christenverfolgung. Er wollte gefangenen Christen helfen und darum wurde er um 304 ertränkt. Das ergibt den Bezug zu Wasser! Reliquien befinden sich im Kloster St. Florian bei Linz. Er steht in unserer Kirche auf dem rechten Seitenaltar, dargestellt im Gewand eines römischen Legionärs. Er löscht ein brennendes Haus. Als Patron der Feuerwehrleute und als Beschützer vor Feuer ist er heute noch immer ein hochverehrter Heiliger. Festlichkeiten der Ortsfeuerwehren zu seinem Namenstag sollten zur NS - Zeit verboten werden, was sich aber nicht durchsetzten ließ. So wurde damals der Florianitag zum Tag der deutschen Polizei erklärt und die Prozessionen wurden zur Parteiveranstaltung „umfunktioniert“.

CHRISTI HIMMELFAHRT

Dieses Fest wird immer am Donnerstag nach dem 5. Sonntag nach Ostern gefeiert. 40 Tage nach der Auferstehung, so steht es in der Bibel, sei Jesus in den Himmel aufgefahren. Von einem frühen Brauch wird erzählt, aber es gibt niemand mehr, der es selber gesehen hätte: Der Auferstandene mit der Siegesfahne, wir kennen ihn schon, ist durch den ganzen Kirchenraum „gen Himmel gefahren“, hochgezogen worden, und verschwand durch das „Heiliggeistloch“. So nannte man die Öffnung, die entsteht, wenn man das runde Stuck - Medaillon mit der Taube im Deckengewölbe unserer Kirche herausnimmt. Wie bei der Auferstehung, hat auch bei der Himmelfahrt die Fahne für Spannung gesorgt, weil sie nie so recht durch die Öffnung wollte. Der Haken für das Seil ist heute an der Statue noch vorhanden. Die Richtung, in welche die Figur geschaut hat, bevor sie entschwunden ist, hätte Bedeutung für die Wettervorhersage des kommenden Sommers gehabt. Akustisch sei diese Öffnung in der Decke eine ganz besondere Stelle gewesen. Selbst geflüsterte Flüche über die störrische Fahne hätte man überdeutlich im ganzen Kirchenschiff verstanden.

Erstkommunion

Erstkommunion: schon lange vorher werden die Sechs- und Siebenjährigen im Religionsunterricht auf diesen Tag vorbereitet. Auch die Eltern der Kommunionkinder werden in die Vorbereitungen einbezogen. Und wenn dann der Tag da ist, bangen alle um gutes Wetter. Niemand möchte sein schönes weißes Kleid unter einem Regenmantel tragen. Lieber ein bisschen frieren. Die kunstvollen Frisuren mit den Kränzchen im Haar sehen bei gutem Wetter auch viel schöner aus. In der Nachkriegszeit wurde eine (!) Brennschere - wem gehörte die bloß - im ganzen Dorf ab dem frühen Morgen verliehen. Stoppel - locken, das war die große Mode! Firmung findet heutzutage alle paar Jahre nach Bedarf und an keinem bestimmten Tag statt. Bis in die späten Vierziger Jahre kam Erzbischof Andreas Rohracher alle vier Jahre persönlich nach Unken. Unter einem großen Triumphbogen, geschmückt mit „Taxen“, wurde er auf dem Dorfplatz empfangen. Gelegentlich wird dieser Feiertag als inoffizieller Vatertag für „Herrenpartien“ genutzt. Man darf zu Recht vermuten, dass wirtschaftliche Interessen hinter diesem „Gegenstück zum Muttertag“ stehen.

MUTTERTAG

Am zweiten Sonntag im Mai wird der Muttertag gefeiert. Ursprünglich wurde der Tag der Ehrung aller Mütter 1908 in USA eingeführt und 1914 vom Kongress der Vereinigten Staaten zum offiziellen Festtag erklärt. Aus England wird schon im 16. Jahrhundert von einem „Mothering Sunday“ berichtet, der aber in Vergessenheit geraten war. Durch die Heilsarmee kam die Idee, die Mütter an einem ihnen gewidmeten Tag zu ehren, über die Schweiz nach Europa und verbreitete sich rasch. 1933 wurde er in Deutschland offiziell auf den zweiten Maisonntag gelegt und während der NS-Zeit feierlich gepflegt. Müttern mit mindestens vier Kindern wurde das Mutterkreuz überreicht. Auch als diese Zeit vorüber war, hat man darin einen Sinn gesehen, der Mütter einmal ganz besonders zu gedenken und ihnen diesen Sonntag zu widmen. Und so feiern wir ihn mit Blumen und Geschenken und es werden schöne Ausflüge gemacht.

PFINGSTEN

Ganz ohne einen bedrückenden „Vorspann“, wie bei Weihnachten und Ostern ist dieses dritte Hauptfest der katholischen Kirche wirklich einfach eine Freude. Sonntag und Montag! Der Montag ist aus politischen Gründen als Feiertag immer wieder gefährdet.

FRONLEICHNAM

Dieser Tag heißt mit seinem alten Namen auch Antlastag. Die Kirche feiert den eucharistischen Leib Christi am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitssonntag. Im Volksmund heißt er auch Kranzltag. Und so hat es mir Sebastian Wimmer, der alte Eggerbauer erzählt: Früher begann der Tag um 4:00 Uhr früh mit 5 Böllerschüssen am Kalvarienberg. Sonnberger Bauern zündeten das Schwarzpulver mit einer Lunte. Danach läuteten eine Viertelstunde lang alle Glocken. Dazu brauchte man acht ausgewachsene Männer. Das hörte um 1938 langsam auf. Bald fehlten die Männer und bald auch die Glocken! Mit Musik marschierten die Kinder, die Gemeindevertreter, Feuerwehr und Kriegerverein vom Kramerwirt aus zum Gottesdienst. Zu der Zeit gab es drei Prozessionen: eine große am Donnerstag, eine kleinere am folgenden Sonntag zum Gasthof Post, wo immer ein ganz besonders prächtiger Altar aufgebaut war, und am folgenden Donnerstag noch einmal eine kleine Prozession zum Neuhauserbauern. Man wusste zu feiern! Heute beginnt das Fest mit einem kurz gehaltenen Gottesdienst. Eine feierliche Prozession zieht dann, bei schönem Wetter, durchs Dorf auf die Hauptstraße nach Schloss Oberrain, über die Felder zum Heimatmuseum Kalchofen und über den Boden zurück zur Kirche. Manches hat sich in der Reihenfolge verändert. Früher gab es keine organisierte Landjugend, dafür war die Beamtenschaft, Saalforste, Gendarmerie und Zollamt stark vertreten und den Schützen- und Jägerverein gab es nicht in der heutigen Form. Die Himmelschützen, die das Privileg hatten, ganz nahe beim Himmel, dem Baldachin unter dem der Pfarrer mit der Mons - tranz ging, zu stehen und bei jedem Evangelium zu schießen, die gibt es nicht mehr seit die hiesigen Trachtler und Stelzentänzer in der NS-Zeit zu einem Reichsbauerntag nach Goslar geladen worden waren, dort ihre ganze Ausrüstung abgeben mussten und nie mehr zurückgekriegt haben. Ihr Schießen verlieh früher dem Fest eine Feierlichkeit, die für die heutigen Menschen immer weniger nachvollziehbar wäre. Voran geht ein Fahnenträger mit der kleinen Kirchenfahne. Es folgen die Buben mit der Fahne des Heiligen Josef und die Mädchen in ihren Kommunionkleidern mit der kleinen Marienfahne. Meist tragen die Kräftigsten die kleinen Statuen von Josef und Maria. Danach kommt die Musik, gefolgt von der Kameradschaft, der Feuerwehr, dem Schützen- und Jägerverein, dem Trachtenverein und der Landjugend. Alle mit ihrer Fahne. Mitgetragen werden Jesus, der Heilige Sebastian, die Jungfrau Maria und der Gute Hirte. Es folgen die Bruderschaftsfahne, dann die Ministranten, die Himmelträger sowie der Pfarrer und der Diakon mit der Monstranz. Sie werden begleitet von den Vorbetern und dem Kirchenchor. Ihnen folgen der Bürgermeister, die Mitglieder der Gemeindevertretung und die Ehrenbürger. An dieser Stelle reihten sich früher die Zollbeamten ein, die Beamten der Saalforste und die Gendarmerie. Nun folgen die Männer der Gemeinde, soweit sie nicht zu den Vereinen gehören.

Jetzt kommen die Frauen in ihren kostbaren Trachten. Ihnen voran geht der Fahnenträger mit der großen Marienfahne. Sie trägt immer der Mann, der als letzter geheiratet hat. Die Röcklfrauen geben ihm Geld dafür. Seine Frau richtet den Blumenstrauß, mit dem sie die Fahnenspitze bei Verlassen der Kirche unter der Kirchentüre schmückt. Wenn der Hochzeitslader die Brautleute nicht auf diese Pflicht aufmerksam gemacht hat, dann wird sie gelegentlich vergessen. Vier Altäre sind auf dem Weg, den die Prozession nimmt, aufgebaut. Der Weg, der Prozession ist immer mit Zweigen und Fahnen geschmückt. Früher hängte man Teppiche über die Balkone und Heiligenbilder in die Fenster. Besonders die schönsten im Hause, die meist über dem Ehebett hängen / hingen. Auch sie sollten einen Segen davon tragen. Ria Aigner, geboren 1915 und aufgewachsen als Enkelin des Wundarztes und Geburtshelfers Josef Aigner im Stöcklhaus, dem damaligen Treipl Anwesen, erinnerte sich gut daran, „dass alle Perser auf den Balkon kamen“. Viermal wird das Evangelium gelesen, viermal gibt es den Wettersegen. Mit dem Fernrohr ist früher vom Schießhüttl auf dem Kalvarienberg genau beobachtet worden, wann sich die Gläubigen niedergekniet haben. Dann hat es wieder gekracht. Manchmal auch zwischendurch, weil’s so schön war... Nachdem das Wetterläuten lange Zeit verboten, während der Kriegs- und Nachkriegszeit aber üblich, später erneut abgeschafft worden war, gehört es heute wieder zum Sommer, wenn dunkle Wolken am Himmel stehen.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!