Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Das Klärwerk

Unser Klärwerk entspricht den neuesten Anforderungen des Umweltschutzes und entsorgt die an der Saalach gelegenen Gemeinden Weißbach, St. Martin, Lofer und Unken. Es wurde 1994 fertiggestellt und in diesem Sommer 2000 werden in Unken die letzten Haushalte an das Kanalnetz angeschlossen. Ein Jahrtausendwerk und das endgültige Aus für die Sickergruben!

ÜBER DIE JOSEFSALLEE wandern wir an der Saalach entlang Fluss aufwärts zurück nach Unken.

Und für eine stille Bank am Wasser auf dem Nachhauseweg kommt hier noch die restliche Geschichte vom Sepp, die er mir außer der Geschichte vom Friedhofsgatterl noch erzählt hat: Vom Ahorn auf dem Ahornboden erzählt der Sepp. Wie er noch jung war und verliebt, da hat der hohle alte Stamm Platz genug für zwei gehabt . Der wird wohl bald 400 Jahre alt sein, meint er, und zurecht ist er ein eingetragenes Naturdenkmal, wie die alte Kandelaberfichte, nicht weit entfernt, die einmal 20 Kronen gehabt haben soll. Ja und die rote Wand droben, kurz unter dem Gipfel der Kammerköhr, die ist aus Marmor und die Waidringer haben den ganzen Marmor für ihre Kirche von dort oben geholt. Eine Zeit hätt’s gegeben, noch gar nicht lang her, da sind viele Stadtleut’ gekommen und wollten Almhütten kaufen. „Aussteigen“ wollten die und auf dem Berg mit sich und der Welt ins Reine kommen Und haben gar nicht gewusst, dass einer mit sich selber schon vorher im Frieden sein muss, sonst hält der die Einsamkeit auf dem Berg ja gar nicht aus. Außerdem gibt es ja auch die „walzenden Rechte“. Nur dazu gekaufte Grundstücke dürfen vom Bauern wieder verkauft werden, walzende Parzellen. Ein uraltes Almrecht erlaubt den Verkauf eines Kasers ja gar nicht. Im Bäreck dort drüben, da wüsste er wohl noch, wo der ganz alte Weg verlaufen ist. Da ist auch einmal eine Hütte gestanden und dort ist auch immer eine Quelle. Und Höhlen gibt’s dort auch, wo die Bären wohl gehaust haben. Der Name erzählt von den Bärenjägern, die es oft nicht schafften, genug Bären zu schießen um das Weidevieh der Bauern sicher durch den Sommer zu bringen. Die Gföller Bauern auf der Wildalm drüben, die hätten in alten Zeiten auch ihre Last mit den Bären gehabt. Heute lebt man da schon friedlicher, hat Komfort auf der Hütte, melkt elektrisch und kann mit dem Auto problemlos täglich auf dem Heimhof in Waidring nach dem rechten sehen. Wilderer, sagt der Sepp, die hat es hier oben immer gegeben! Oft war es die Not, die die Männer in den Wald getrieben hat. Aber noch öfter war es die Jagdleidenschaft und die Lust am Abenteuer. Das Dreiländereck von Bayern, Salzburg und Tirol liegt doch bloß da hinten, Fluchtwege gab’s, wohin es nötig war. Der bayerische Förster aus Unken war bis in die Fünfziger Jahre eh nur zu Fuß unterwegs, man wusste ihm schon auszuweichen. Mit Kastanien und Äpfeln ist da einmal eine Spur über die Grenze von Salzburg nach Tirol gelegt worden, darüber wurde am Stammtisch damals viel „dischgeriert“(diskutiert). Äsend wechselte das Wild hinüber auf die Tiroler Seite. Ja, und dann hat „koa Boarischer nix mehr machen kenna“. Heutzutag – der Sepp wird nachdenklich, heutzutag ist es ruhig geworden. Ist ja alles „derschossen worn“. Christian Weisleitner, der Hüttenwirt auf der Möseralm, hat bei der letzten Hirschbrunft nicht einen einzigen Hirsch gehört. Ein schaurig schönes Orgelkonzert war das früher zur Brunftzeit, stad is worn! Seit 1999 aber kommen mehr Bergwanderer und Schifahrer auf die Kammerköhr, weil es die Gondelbahn von Waidring auf die Steinplatte gibt. Ja, die Weiberleut’ sind schon fleißig dabei, den Schmuck für den Almabtrieb zu basteln. Es war ein guter Sommer, es hat kein Unglück geb’n. Da gehen die Kühe „kranzt“ heim. Immer ist da eine Wehmut über der Alm, wenn der Almsommer zu Ende geht. Von dem „touristischen Almabtrieb“ hält er nichts, da wird der Sepp ganz grantig: „A so a Unfug!“ Gegen Geld treibt da ein Bauer jede Woche seine „Kranzküa“ durch ein Tiroler Dorf, zum photographieren für die Touristen, als kämen sie gerade von der Alm... Nach alter Sitte trinken wir einen „Selberbrenntn“ und trennen uns mit guten Wünschen. Bevor wir den Wald erreichen hören wir seine Trompete. Er bläst uns ein Lied zum Abschied: „Da Summa is aus, i muaß abi in’s Tal...“ und ich muss, wie immer, schlucken, wenn ich diese Melodie höre.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!