Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Ausschank beim „Staab“ und auf dem Sonntagshorn

1934
Die Heutal Moidi, erzählt vom Tourismus der Dreißiger Jahre: Die „Tausendmarksperre“ ist eine Schikane von Hitler. Sie soll den österreichischen Fremdenverkehr lahm legen. Im Heutal ist die Wirkung groß.

Im Heutal ist man aber auch sehr einfallsreich. Mit Rucksack und Radlbock, beladen mit Getränken, ist die Moidi täglich zur Landesgrenze beim „Staab“, dem Staubfall, unterwegs. Sonntags, wenn besonders viele Wanderer zu ver - sorgen sind, da hilft ihr der Wast, ihr Mann Sebastian.

Eine Nische im Felsen bei der Brücke am Staubfall wird zur Bar. Bier und „Kracherl“ werden ausgeschenkt, und Wein. Besonders beliebt in dieser Zeit ist der mit dem Syphon gespritzte Rotwein.

Der Transport der Getränke bedeutet harte Arbeit. Die dicken gläsernen Syphonflaschen mit dem Metallhals sind besonders schwer zu tragen, ebenso die Kracherlflaschen mit dem Porzellanverschluss und der Glaskugel. Und die Bierkisten sind aus Holz. Die Gläser werden im Staubfallwasser gespült. Übriggebliebene volle Flaschen werden vergraben oder mit den Gläsern in der Felsnische verstaut. Davor hängt nachts ein Vorhangschloss.

Die österreichischen Behörden und die Ruhpoldinger erlauben den deutschen Wanderern, unter dem „Staab“ über die Grenze wenige Meter auf die österreichische Seite zu gehen, weil von da aus der Blick auf den Wasserfall besonders schön ist.

Der Heutalbauer Peter Hinterseer, der schenkt droben am Grenzstein auf dem Sonntagshorn an Touristen aus. Seine Gäste kommen, auch aus Ruhpolding.

Als Flaschendepot benützt er den Eingang zu den Höhlen. Auf dem Horn gibt es kein Wasser, keine Gläser. Seine Gäste trinken aus der Flasche! 

Winter 1934/35
Im Winter muss der Weg durch den Staubfall mit der Spitzhacke gangbar gemacht werden. Für späte Wanderer bleibt die Hacke an bekannter Stelle zum eigenen Gebrauch stehen. Das ist natürlich nicht ungefährlich, es gibt schlimme Unfälle. Ein großer Freund des Heutals, der Rechtsanwalt Dr. Ahamer aus Traunstein, der sich dort sogar ein Haus, das Haus Windeck, gebaut hat, ist in diesem Winter vom Weg abgerutscht und musste übernacht im Wasser stehen. Er hat dadurch ein Bein verloren.

Reger Verkehr von illegalen österreichischen Sympatisanten der NSDAP in Deutschland über die grünen Grenzen bei Winklmoos und im Heutal. NS-Propagandamaterial und Waffen werden in Heustadeln gelagert. Zur besseren Kontrolle wird im Heutal eine Gendarmerie Außenstelle eingerichtet.

1938
Am 13. März 1938 beim Einmarsch der Deutschen in Österreich fallen die Grenzen.

1939
Während der Nazizeit ist im Heutal Hochbetrieb. Täglich kommen neben den Wanderern vormittags und nachmittags jeweils noch bis zu 30 Personen zusätzlich im Rahmen des KdF Programms. (NS-Urlaubs- und Motivationsprogramm „Kraft durch Freude“

1939 Flüsterwitze:
Graf Bobby steht vor der Musterungskommission. Er äußert den Wunsch, im Führerhauptquartier Dienst machen zu dürfen. Der Vorsitzende: „Sind Sie verrückt?“ Graf Bobby: „Ist das Voraussetzung?“ Er tut tatsächlich Dienst im Führerhauptquartier. Vor einer großen Landkarte fragt er: „Was ist der große grüne Fleck da links?“ „Das ist Amerika“. „Und der riesige rote Fleck da rechts?“ „Das ist Russland“. „Und der winzige blaue Fleck da in der Mitte?“ „Das ist Deutschland.“ Bobby denkt lange nach und fragt dann vorsichtig: „Weiß das der Führer?“

1942
Dem Heutalwirt Josef Wimmer wird das Wasserrecht und die Erlaubnis zum Bau eines Kraftwerkes am Fischbach erteilt. Das Kraftwerk ist längst verfallen, doch das Wasserrecht besteht noch bis 2002.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!