Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Franz Bauer und Karin Buchart

Franz Bauer

Am 13. September 1928 ist Franz Bauer als jüngstes von 6 Kindern der Besitzer vom Fischergütl in Unken geboren. Vor mehr als 100 Jahren war auf dem Haus das Fischereirecht von der Reither Brücke bis zur Grenze. Als um 1890 die Groß- mutter sehr krank wurde, musste sein Großvater das Fischrecht um 300 Gulden verkaufen um die Arztrechnungen bezahlen zu können. Der Name Fischer ist beim Haus geblieben und so kennen alle Franz Bauer als den Fischer Franzi.

Seine Hobbies: Sport und Musik. Nach der Volksschule wurde er Lehrling beim Wagner Miggl in Unken. Der Miggl Sepp, auf Fronturlaub zuhause, machte mit Franz als Lehrling die letzten Schi aus Eschenholz. Da keine Fräsmaschine vorhanden war, musste man damals mit den Rohlingen zur nahen Tischlerei Sturm damit die Schi die richtige Form bekamen. Nach seiner Ausbildung und der Meisterprüfung 1953 wurde er selbständi- ger Wagnermeister mit einer Werkstatt im Elternhaus.

Er heiratete Trude Leitinger und hat mit ihr drei Kinder: Heidi, Karin und Helmut.

Was macht wohl den Lebenslauf vom Fischer Franzi so außergewöhnlich?

Er war ein geachteter Wagnermeister und Geschäftsmann, der verstand, die Zeichen der Zeit zu erkennen und sich dem Wandel zu stellen. Und Veränderungen hat es in seinem Leben viele gegeben.

Das betrifft die Wandlung der alten Wagnerei zum Sportgeschäft genau so, wie die Entwicklung des Wintersports vom Eschenschi mit dem Haselnussstecken zum Leistungssport und den Fortschritt beim Schießen vom alten Schießstand auf der Post bis zum neuen Schieß- stand am Kniepass. Die Freude am Sport schließt sogar die Familie ein. Er ist Vater einer Olympiateilnehmerin.

Er war ein großer Sportler und Vorbild für die Jugend fernab von Publicity, Medienrummel und Showgehabe.

Freude am Sport und an der Perfektion, Willenskraft und eisernes Training brachten Er folge und Bekanntheit im In- und Ausland. Als Musiker ist er aus Unken gar nicht weg - zudenken. Mit der legendären „Kapelle Bauer“ prägte er 12 Jahre lang nachhaltig das gesell- schaftliche Leben der Nachkriegszeit.

Über fünfzig Jahre lang spielte der Fischer Franzi Bassflügelhorn in der Unkener Musik- kapelle und ist deren Ehrenmitglied.

Holz war das Werkmaterial des Wagners. Sein Meisterstück war gleichzeitig sein letztes „Bergwagerl“, ein leichter, einspänniger Leiter- wagen. das er dem Schmiedererbauer im Gföll verkaufte. Solange zur Holzbringung Schlitten und für die Heuernte „Schloapfen“, Heuschlit- ten und Heuwagen gebraucht wurden, hatte der Wagner viel zu tun. Durch den Einsatz von Maschinen in der Landwirtschaft wurde die Arbeit in der Wagnerei weniger.

Der Schisport brachte willkommenen Ausgleich. Dieser Wintersport war für den Fischer Franzi schon als Kind eine große Freude. Nun wurden in seiner Werkstatt Schier repariert und montiert. In einem heute kaum mehr vor- stellbaren aufwendigen Verfahren. Dazu gehör- ten Bindungen, Stahlkanten, Teller für die Stöcke. Erst als die ersten verleimten Schier auftauchten, konnten kleine Handwerksbetriebe nicht mehr mithalten.

1932 wurde in Unken der Schiklub gegründet. Zusammen mit den Lehrern Steiner und Schlecht organisierte man den ersten Jugend- schitag, der damals „Preisschifahren“ hieß.

1934 fand das erste Sonntagshornrennen statt. 1936 sprang der Mühlbacher „Buwi“ Bradl erstmals über 100 m weit. Die Unkener bauten eine Schanze auf der Lohweber Leitn. Die Jugend trainierte auf der Moarwirtsleitn , hinter der Kirche und auf der Punzleitn , dem „Monte Punz“ .

Diese ganze Entwicklung machte der Fischer Franzi nicht nur als Handwerker sondern auch als aktiver und erfolgreicher Sportler mit.

Er erlebte auch, wie sich die Einstellung zum Sport in der Zeit des Nationalsozialismus grundlegend veränderte. Nun war es nicht mehr die Freude an der sportlichen Betätigung, die Fertigkeit und die eigene Leistung, die zählte. Jetzt wurde Sport zum Prestigeobjekt der Staatsführung. Im Hintergrund der Körperertüchtigung stand Wehrertüchtigung und das Üben des Kampfes Mann gegen Mann.

Während des Krieges und für eine Weile auch danach, wurde es ruhig um den einst so regen Schisport in Unken.

Mit den fortschreitenden Jahren finden wir den Fischer Franzi immer häufiger als Sportschützen. Schon als Kind war er mit dem Schießstand hinter dem Gasthof Post, ganz in seiner Nachbarschaft, vertraut. In den 60er Jahren begann er sich in dieser für ihn neuen Sportart zu profilieren. Er wurde Mitglied er österreichischen Nationalmannschaft und gewann neben unzähligen Medaillen und Pokalen 1969 den Pokal des Bundeskanzlers Josef Klaus und 1970 den Pokal des Kanzlers Bruno Kreisky.

Neben den Waffengattungen Luftdruckgewehr, Kleinkaliber und Großkaliber, die olympischen Bewerben entsprechend liegend, kniend und stehend geschossen werden, gehört Franz Bauer auch mit der Armbrust zu den besten seiner Altersklasse.

Franz Bauer wurde für seine großen Leistungen vielfach geehrt und ausgezeichnet. Vom Salzburger Landesschützenverband bekam er zum 70. Geburtstag die große Verdienstmedaille für besondere Verdienste.

Sportvereine profitieren immer von der Vor- bildwirkung erfolgreicher Mitglieder für die Jugend und eine Gemeinde genießt Ansehen, wenn ein Gemeindemitglied nationale und internationale Erfolge erringen kann. Menschen wie Franz Bauer sind so wertvoll für eine Gemeinde. Die Unkener wissen das.

Karin Buchart, die erste Sportlerin aus Unken bei Olympischen Spielen

Karin Buchart, geborene Bauer, ist am 16. Dezember 1963 geboren. Im Sommer 1976 hörte Karin Buchart davon, dass der Luftgewehrbewerb 1984 olympisch werden soll. Darauf hin beschloss sie, sich für diese Spiele vorzubereiten indem sie mit knapp 13 Jahren dem Schützen- und Jägerverein Unken beitrat. Zwei Jahre später war sie bereits Österreichische Meisterin und Mitglied der Nationalmannschaft im Luftgewehr und Kleinkaliber. Sie qualifizierte sich mit 15 Jahren für die Damen- Europameisterschaften, wo sie den 11. Platz belegte.

Karin Buchart gewann viele Staats- und österreichische Meistertitel, einen Titel sogar in der Herrenklasse (Dreistellungsmatch 1151 Ringe, 1981) Ein Jahr später wurde sie 8. bei den Kleinkaliber-Europameisterschaften in Rom (Dreistellung). Mit 18 schaffte sie den Sprung ins WM-Team und konnte in Caracas, Venezuela, den 10. Platz erreichen mit nur 2 Ringen Rückstand auf die Silbermedaille. 1983 erzielte Karin Buchart als erste Österreicherin 390 Ringe in einem internationalen Luftgewehrwettbewerb. Das war österreichischer Rekord, der einige Jahre hielt. In diesem Jahr gelang ihr auch ein Weltcupsieg in München im English Match (595 Ringe). 1984 war das Jahr der Olympiaqualifikation und die Limits waren heiß umkämpft. Zwei Damen schafften die vom ÖOC geforderten Ringzahlen beim letzten Weltcup vor den Spielen und es waren zwei Pinzgauerinnen: Gudrun Sinnhuber aus Mittersill und Karin Buchart.

Bei den XXIII. Olympischen Spielen in Los Angeles wurde die Unkenerin 15. im Kleinkaliber Dreistellungsmatch und 18. im Luftgewehrbewerb.

Ein Jahr später gewann Karin Buchart mit der österreichischen Armbrustmannschaft die Bronzemedaille bei den Weltmeisterschaften in Zundert (Holland).

Nach den Spielen rückten private und berufliche Ziele in den Vordergrund. Nach den Pflichtschulen und dem Sportgymnasium hatte sie Ernährungswissenschaften studiert und das Studium mit Ausgezeichnetem Erfolg als Magister abgeschlossen.

1989 heiratete sie den Zahntechniker Andreas Buchart und wurde Mutter zweier Töchter. Doch die Verbindung zum Schützenverein hielt an, da auch Andreas ein begeisterter Sportschütze ist. Die beiden starteten 1996 ein Jugend-Luftgewehrtraining, an dem derzeit mehr als 30 Jugendliche teilnehmen. Heute sieht sie das Luftgewehrschießen viel weniger leistungsorientiert sondern schätzt den Schützenverein wegen seiner sozialen Funktion und als mentalen Ausgleich zum Alltag.

Die Arbeit in der Sanitas Alpenklinik Inzell ermöglichte Karin Buchart über 10 Jahre eine gute Verbindung von Familie und Beruf.

Sie leitete dort die Diät- und Lehrküche und spezialisierte sich auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten. In dieser Zeit entstand das Buch „Nahrungsmittelallergien Ein Leitfaden für Betroffene“, das jetzt in zweiter Auflage erschienen ist.

2005 wartet eine neue Aufgabe auf Karin Buchart: sie gründet die Firma „essimpuls“, die nachhaltige Ernährungskonzepte erstellt, Texte zum Thema Essen verfasst und Ernährungsberatungen anbietet. Eines der ersten Projekte bearbeitet traditionelle Medizin im Saalachtal.

Wir wünschen ihr einen guten Start und viel Erfolg.

GEGENÜBER DEM Schützenhaus beginnt der Aufstieg zur Festung Kniepass. Hatte man es früher dem Fremden mit Absicht schwer gemacht, bis an die Mauern der Befestigung zu kommen, so hat man sich in unserer Zeit bemüht, einen bequemen Zugang zu schaffen. Solche Steige in steilem Gelände anzulegen ist mühsam. Oft wäscht der nächste Regen den ganzen Schotter wieder weg. Ein Blick vom Steig bergab beweist das. Man hat sich hier dann einer alten Bauernregel erinnert: Wegebau nur bei abnehmendem Mond. Und seither hält der Schotter. Die alten Bauern kennen noch viele Regeln, die mit Erde, Mond und Sonne zu tun haben. Wen’s interessiert, im gleichnamigen Buch von Georg Hinterseer ist viel darüber nachzulesen.
Leider ist die Festung umständehalber zur Zeit in diesem Jahre 2004 nur gegen vorherige Anmeldung beim Gemeindeamt zu besichtigen

WIR GEHEN am Schützenhaus vorbei zur Kalten Quelle , die in keiner alten Reiseliteratur über Unken fehlt. Hier fallen einem die antiquierten Begriffe wie Waldeslust, Vogel- sang, dunkler Tann und kühler Grund ein, ganz von selbst. Es wird immer stiller, üppig grüne Moose und satte Farne, wilde Steinformationen und eine wunderbare Luft. Hier lasse ich Sie für eine Weile allein und treffe Sie wieder an der Quelle.

NACH EINEM kurzen Wegstück bergauf ist der Wald zuende und wir kommen zu einem ganz geschichtsträchtigen Ort beim Pfannhausbauern und beim Meislbauern.

Der riesige Steinbruch auf der linken Seite mit seiner gewaltigen Szenerie ist beeindruckend aber aus Sicherheitsgründen halten wir Abstand. Die Stille auf unserem Weg ist häufig durch die Arbeit im Steinbruch gestört. Das ist unvermeidbar. Wenn es Ihre Zeit erlaubt, wählen Sie für diesen SPAZIERGANG am besten einen Sonntag.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!