Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Almwirtschaft – die Heutal Moidi erinnert sich...

Die Almwirtschaft der Unkener Bauern ist gekennzeichnet von Kargheit. Die Felder auf dem Heimgut brachten nicht genug Ertrag, um eine Herde zu ernähren, die ihrerseits eine Familie ernähren konnte. So war man gezwungen, die teils über der Baumgrenze liegenden Hänge und Almen zu nutzen, um die Tiere satt zu machen. Auch sie reichten nur eine kurze Zeit um Heu zu machen oder Weidevieh zu ernähren, denn der Winter im Gebirge war lang und das Gras in großer Höhe wuchs erst spät und viel spärlicher als im Tal. Da war der Dung wichtig um den Ertrag trotzdem zu steigern. Aus der Notwendigkeit, ein abgeweidetes Gebiet zu verlassen und neue grüne Wiesen aufzusuchen entstand eine Reihe von Almhütten und Futterhöfen, eine Besonderheit in Unken, und ein Turnus, der Vieh und Almleute ständig in Bewegung hielt.

Davon hat mir die Heutal Moidi erzählt. Als Maria Wimmer bzw. Egger Moidi aufgewachsen, heißt sie heute Maria Pichler. Im In- und Ausland aber kennt man sie als Heutal Moidi und so wollen wir sie auch nennen, die Senior Chefin des „Alpengasthof Heutal“. Seit ihrem 10. Lebensjahr ist sie „heidojganga“.

Das Vieh kam zwischen Josefi (19. März) und Ende März, wenn die Futtervorräte auf dem Heimhof zuende gingen, aus Unken ins Heutal „auffa“. Oft lag um diese Zeit noch viel Schnee. Zu zweit musste oft bis zum Reidherrgott hinaus mit Schneereifen eine Spur, Schlittenkufen weit voneinander, getreten werden. Jeder setzte den nächsten Schritt genau vor den ersten. Dann erst konnte das Pferdefuhrwerk mit dem Almzeug, dem Hausrat für die Wirtschaft im Futterhof und die persönlichen Dinge der Sennerin den Weg für die Herde spuren. Von den Heustadln musste im tiefen Schnee, ebenfalls auf Schneereifen, das im vergangenen Sommer gemachte Heu mit Schlitten geholt werden. Wenn diese Vorräte aufgebraucht waren – so gegen Ende Mai – wurde das Egger- Vieh dann in den Schliefbach „ummi bzw. eini triebn“. Jetzt war der Schnee weg und je nach meist uralter Berechtigung weideten die Unkener Tiere jetzt im Gebiet der Bayerischen Saalforste, am Scheiblberg, im Gschieb, gegen Winklmoos und die Möserer Stube hin. War dort abgeweidet, ging’s Mitte Juli auf die Hochalm „auffi“ bis dort kein Gras mehr wuchs und Mitte bis Ende September, meist zu Ruperti am 24. September, wieder ins Heutal „aba“ bis da abgeweidet war. Weiter ging es auf den Heimhof um dort die im Sommer abgeernteten Felder noch einmal abzuweiden. Um Allerheiligen zog man wieder ins Heutal. Dort wurden die während des Sommers angelegten Heuvorräte verbraucht und dann erst, oft kurz vor Weihnachten, kam der Almabtrieb und die Heimkehr nach Unken „abi“.

Manchmal, in frühen Wintern, da lag um diese Zeit schon Schnee. Der Turnus für Pferde und Schafe sowie Galtvieh (Jungtiere und trockene Kühe, die nicht gemolken werden mussten) war ein anderer. Zu Weihnachten waren aber alle wieder auf dem Heimhof.

(Für Sprachforscher: Moidi erzählt vom Heutal aus gesehen. Von Unken aus erzählt, würde man ins Heutal „auffi“ und im September wieder ins Heutal „abi“ und zu Weihnachten nach Unken „aba“ ziehen.)

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!