Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Der Reit Bertei

Eigentlich heißt der Bertei Rupert Flatscher, ist am 15. Juli 1930 beim Reitbauern geboren und dort aufgewachsen. Daher sein Name. Die Volksschule hat er mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen, war zunächst Landarbeiter und später 4 Jahre lang bei der Fa. Sebastian Auer in der Dachschindelerzeugung. Von 1955 bis zu seiner Pensionierung als Post- und Fernmeldefachinspektor war er beim Postamt in Unken beschäftigt. Er ist verheiratet mit Gertrude, geb. Köck und hat zwei Töchter: Gerlinde und Monika. Seit 1990 ist er Ehrenbürger von Unken. Warum erzähle ich vom Reit Bertei in der Weihnachtszeit? Er war für das Musikleben in Unken über ein halbes Jahrhundert lang so sehr prägend, dass man ihm zu jeder Jahreszeit ein Denkmal setzen könnte. Und doch scheint mir seine Tätigkeit als Organist von 1952 bis 2001 seine herausragendste Leistung zu sein. Nach dem Tod von Karl Frauscher übernahm der Schuldirektor Heinrich Müller das Orgelspiel in der Kirche. Eigentlich spielte er Harmonium, half aber in der Not aus. Nach einem Jahr zog er sich von dieser Aufgabe zurück. Ein Jahr lang gab es in Unken keine Orgelmusik mehr. Pfarrer Stangassinger wusste vom Talent des Bertei und hat veranlasst, dass dieser dem Schuldirektor häufig beim Harmonium spielen zugeschaut und schließlich selber gespielt hat. So viel zu seiner Ausbildung. Natürlich durfte er auch an die große Orgel. Zum Üben brauchte man aber damals noch jemand, der den Blasebalg tritt. Strom gab es auf der Orgelempore noch nicht. So wurde der „Soder Jackei“ sein Gehilfe auf dem Weg zum Organisten. Zu Weih nachten 1952 spielte er zum ersten Mal eine richtige Messe - die Pastoral - messe von Zangl. Während dieser Zeit gab es sonntags noch zwei Messen. Unzählige Male ist er die vielen Treppen zur Orgel hinauf gestiegen. Als während der Renovierungsarbeiten die Orgel verpackt war, hat er sogar seine Heimorgel in die Kirche mitgenommen. Bertei hat uns nie ohne Musik gelassen.

Als musikalisch außergewöhnlich begabter junger Mensch wurde er bereits 1947 Mitlied der Musikkapelle Unken. Die letzten 30 Jahre bis 1990 war er deren Kapellmeister. Angefangen hat seine Musikerlaufbahn als er mit 16 Jahren beim Fritz Leo, Leo Faistauer, gelernt hat, Klarinette zu spielen. Um Kapellmeister zu werden hat er später einen Kurs absolviert. Er hat gelernt, weitere Instrumente zu spielen und junge Unkener an der Posaune, der Klarinette und am Flügelhorn ausgebildet. Somit ist er nicht nur an der Orgel an hohen Festtagen unentbehrlich gewesen sondern mit der Musikkapelle bei allen Festen des Jahres einschließlich Beerdigungen und Hochzeiten. So oder so, Bertei war immer dabei. Natürlich war er auch Mitglied der legendären Kapelle Bauer und der Unkener Stubenmusi. Ein weiteres Talent war ihm in die Wiege gelegt: ein ausgeprägter feinsinniger Humor und die Lust am Reimen. So ausgestattet, moderierte Bertei unnachahmlich verschiedene Veranstaltungen, vor allem aber die Heimatabende ab der 50er Jahre. Zwei gab es pro Woche, so viele Gäste waren damals im Ort. Ohne Mikrophon stand er auf der Bühne im Postsaal und die Pointen kamen locker... Manche Gedichte und Sprüche tauschte man aus, etwa mit den „Boarischen“ im Schroffen oder er adaptierte Gelesenes auf hiesige Verhältnisse. Keine Faschingszeitung ohne die Reime vom Bertei! Auszeichnungen hat er viele. Auf alle darf er stolz sein. Die höchste ist der päpstliche Orden „benemerenti“. Ein Schmunzeln beim Erzählen verrät, dass er gern an die vergangene Zeit zurückdenkt. Jetzt aber mag er ruhig sein. Und gemeinsam mit seiner Frau Trude zusehen, wie seine Enkel mit der ihnen vererbten Begabung umgehen.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!