Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Kripperl, Weihnachts- und Stefanitag

„Gemma Kripperl schaun“

Am rechten Seitenaltar der Unkener Kirche wird jedes Jahr eine große alte Krippe aufgebaut. In der fernsehlosen Zeit war dieser „Anschauungsunterricht“ von ungleich größerer Faszination als heute. Und doch rührt ihr Anblick auch die Großeltern und Eltern der Kinder von heute weil halt alle Figuren so gute alte Bekannte sind. So also schaut Bethlehem aus, ein Gams auf einer Bergesspitze, grad wie daheim! Ohne Schnee, so meint man, hat das hochheilige Paar hoffentlich doch nicht gar sosehr gefroren, wie es noch beim Anklöckeln zu befürchten war. Es gibt fünf „Bilder“ und im Laufe der Wochen bis Mariä Lichtmess, solange die Krippe aufgebaut bleibt, verändert sich das Kripperl mehrfach. Die Themen sind: Herbergsuche, Geburt im Stall, Beschneidung des Herrn im Tempel, Anbetung der Heiligen drei Könige und die Hochzeit zu Kanaan.

Es soll früher auch eine „Heilige Familie“ mit Josefs Tischlerei und die „Flucht nach Ägypten“ gegeben haben aber das weiß niemand mehr ganz genau. Die heute verwendeten Figuren stammen von mindestens zwei, wenn nicht sogar drei verschiedenen Krippen. Die ältesten Figuren haben Wachsköpfe. In der frühen Nachkriegszeit ging über der Krippe ein besonders schöner Stern auf. Ein geschickter, unbekannter Bastler hatte eine amerikanische Konservendose der Länge nach in Streifen aufgeschnitten, die Streifen nach außen gebogen und das goldene Innere der Blechdose zum Leuchten gebracht. Das war zu der Zeit, als anstelle von nicht vorhandenem Lametta Silberstreifen als Christbaumdekoration dienten, die während des Krieges zur Störung des Funkverkehrs aus Flugzeugen abgeworfen worden waren. Sie waren überall im Gelände zu finden.

DER 1. WEIHNACHTSFEIERTAG

Der 1. Weihnachtsfeiertag verläuft ohne großen Höhepunkt. Die nächtliche „Mettn“ lässt die katholische Kirche als Feiertagsgottesdienst gelten. Nicht jeder geht noch einmal zur Kirche obwohl der Festgottesdienst ganz besonders feierlich zelebriert wird. So viel Vorbereitungen hat es seit dem ersten Advent gegeben, jetzt tritt eine große Ruhe ein.

Familien besuchen sich gegenseitig, beschenken sich, bestaunen Christbäume und Krippen. Essen und Trinken nehmen einen breiten Raum ein. Zeit zum Rasten für alle Berufstätigen, Zeit zum Schifahren für alle Sportlichen. Und die ersten Wintergäste kommen an, die das Weih - nachtsfest noch im eigenen Heim verbringen wollten, sich aber sofort danach auf den Weg in den Urlaub ins Gebirge machen.

DER STEFANITAG

Der zweite Weihnachtsfeiertag ist das Fest des Heiligen Stefanus. Er ist der erste christliche Märtyrer und ist wegen seiner Überzeugung zu Tode gesteinigt worden. Am Stefanitag fand bis in die 70er Jahre der „Veteranerball“ statt. Heute, fast 60 Jahre nach Kriegsende, leben nicht mehr viele der alten Krieger. Bevor der Traktor das Pferd verdrängt hat, hatten die „Rossinger“, die Pferdebesitzer, während des Gottesdienstes ihren eigenen Opfergang um den Hochaltar.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!