Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Unken an einem Jakobsweg

An der Josefsallee finden wir, allerdings in die Gegenrichtung weisend, auf dem Weg nach Spanien, kleine hölzerne Hinweistafeln mit dem eingebrannten Zeichen der Jakobsmuschel. Der Heilige Jakobus der Ältere, unser Kirchenpatron, so erzählt die Legende, ist in Jerusalem den Märtyrertod gestorben. Sein Leichnam kam auf wundersame Weise nach Nordspanien, wo sein Grab im 9. Jahrhundert entdeckt wurde. Schon bald kamen unzählige Menschen. Die bisher wichtigsten Pilgerziele, die heiligen Stätten in Jerusalem, die waren nach dem Ende der Kreuzzüge ja endgültig in die Hände der Mohammedaner gefallen, verloren ihre Anziehungskraft.

Aus dem ganzen christlichen Abendland zogen Pilger nach Santiago di Compostela. Wenn man auf einer Landkarte Jakobskirchen in Mitteleuropa mit Nadeln versieht und diese mit Fäden verbindet, so erkennt man genau die fächerförmig zusammenlaufenden Pilgerwege. Durch das Saalachtal kamen die Jakobspilger hauptsächlich von Ungarn und von Böhmen her. (Wien Santiago – 3.200 km) Der kürzeste Weg führte sie über Wels, Salzburg, Unken, Waidring in das Inntal und über den Arlberg nach Maria Einsiedeln. Dort mündeten andere Pilgerströme und weiter ging es, durch Frankreich bis schließlich, jenseits der Pyrenäen im spanischen Roncevalles die ganze Schar gemeinsam die letzte Strecke ging.

Einigen engagierten Mitgliedern der Jakobusgemeinschaft in Salzburg verdanken wir jüngst immer mehr Wissen über die alten, teils lange vergessenen Wege und Herbergen und wertvolle Informationen für den heutigen Pilger. War es früher vorrangig der vollkommene Ablass oder ein Gelübde, welche Christenmenschen in Bewegung gesetzt hat, so ist es heute eine Suche nach einer neuen Spiritualität, eine Suche nach Antwort auf Fragen die überall unbeantwortet bleiben, die Menschen unterschiedlichster, teils gar keiner religiösen Zugehörigkeit zu Pilgern macht. Gesucht wird die Erfahrung von Tiefe und Intensität. Die heutigen Wanderer suchen nicht die Überwindung von vielen Kilometern im Flugzeug über Land und Meer. Sie gehen zu Fuß und stellen den Bezug zu einem menschlichen Maß und zur Erde wieder her. Zum Morgentau, zur Mittagshitze, zu Durst und Staub und den Gerüchen einer bewohnten Siedlung, den Kräutern am Weg, den Menschen und den Herbergen. Die Etappe ist das Ziel. Viele Urlaube werden verwendet, um im Folgejahr einer Wanderung auf dem Jakobsweg dort weiterzugehen, wo man im Vorjahr aufhören musste. Nur Fußgänger, Radfahrer und Reiter gelten als Wallfahrer. Ein Pilgerweg verlief durch unser Tal, nicht unbedingt hier an der Saalach entlang. Die Jakobswegforschung sucht für heutige Pilger die schönsten Wege abseits der Autostraßen, aber entlang der altbegangenen Trassen.

Wer mehr über die Jakobspilgerschaft wissen will wende sich an die Jakobusgemeinschaft Salzburg, Informationsstelle der ÖAV-Sektion Weitwanderer Adelbert Pointl, Tegetthoffstr. 4, 5071 Wals bei Salzburg Tel. u. FAX 0043 (0)662 855365.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!