Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Bayerischer Oberforstmeister Oskar Obermeier

DAS HAUS AUF der gegenüberliegenden Straßenseite war früher das Bayerische Forstamt Unken. Nehmen wir uns Zeit für ein Gedenken an Oberforstmeister Oskar Obermeier (*11. September 1881 †6. Februar 1966).

Alex Krimbacher, der Jaga Xandl, erzählte mir die Geschichte:

Oberforstmeister Obermeier hat das Forstamt Unken im Jahre 1927 von Oberforstmeister Karl Baumer übernommen, der nach nur 5 Jahren am Forstamt Unken infolge eines Herzleidens verstorben war. Das Baumer-Grab befindet sich links neben dem Kirchentor auf der Frauenseite. Dieser Platz, gleich gegenüber den Grabstellen der Besitzer von Oberrain für einen Forstmann bezeugt das hohe Ansehen des Bayerischen Forstamtes.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit wurde er vor eine äußerst schwierige Aufgabe gestellt: 1925 hatten starke Stürme eine riesige Windwurfkatastrophe verursacht, durch die etwa 200.000 Festmeter Blochholz zur Verarbeitung anfielen. Mit der herkömmlichen Arbeitsweise war diese Holzmenge überhaupt nicht zu bewältigen, liegendes Holz bedeutete aber Borkenkäfergefahr. Vom Zwickel über den Sulzenboden, die Gschieberstube und den Bannwald nach Winkelmoos wurde eine Seilbahn gebaut, mit der das Holz nach Seegatterl und ins Unkental gebracht werden konnte. Das kostete nicht nur eine Menge Geld, das bedurfte auch einer tüchtigen Führungskraft.

Oskar Obermeier war während des Ersten Weltkrieges Offizier in der deutschen Kolonie Kamerun. Dort hatte er unter anderem auch Elefanten gejagt und das alte Forstamt zierte so manche Trophäe aus dem schwarzen Kontinent. Er war bei der Unkener Bevölkerung sehr geschätzt, er war sehr streng aber absolut unbestechlich und korrekt. Er gehörte zu den ersten, die ein Auto hatten. Mit dem fuhr er die 9 km lange Strecke bis zur Schwarzbergklamm. Beim Zwickel hatte er eine Garage mit 2 Türen, so brauchte er niemals umzukehren. Bei den Gföller Kindern war er besonders beliebt, weil er sie häufig „aufsitzen“ ließ.

Er war ein leidenschaftlicher Jäger, beging regelmäßig das Revier, kümmerte sich um Holzknechte und Kulturarbeiter (Pflanzgarten, Aufforstungsarbeiten) und übernachtete sehr gern auf Diensthütten um Abend- und Frühpirsch zu erleben.

Beim Abschuss von Wild war er darauf bedacht, bevorzugt schwache und alte Stücke zu erlegen. Streng achtete er darauf, dass Förster und Berufsjäger waidmännisch jagten. Jedes erlegte Stück musste zum Forstamt gebracht werden und wurde von ihm begutachtet. Im Winter wurden die Reviergänge von Unken aus mit Schi unternommen. Mehrere Nächte blieb er dann auf der Hütte. Auf der Fußstube hatte er sein eigenes kleines Zimmer mit karierter Bettwäsche. Niemand hätte gewagt, in seinem Bett zu schlafen. Im Vierzehntagesabstand ging er durchs Revier und verlangte auch von den Jägern, dass in diesem Abstand jede Hütte kontrolliert wurde. Wie überall, wurde während der Kriegs- und Nachkriegsjahre die Verpflegung karg und die Brotzeit auf der Hütte aus dem Rucksack immer magerer. Zum Frühstück trank man Feigenkaffee ohne Zucker und ohne Milch, zu essen gab's meist nur einen dürren Polentaschmarrn. Während des letzten Kriegsjahres 1944/45 war Obermeier mit dem Revierjäger Hans Lerch allein im ganzen Forstamt Unken. Alle Forstbeamten waren bei der Wehrmacht. Nach dem Zusammenbruch organisierte sich Obermeier ein Reitpferd. Für sein Auto gab es zu der Zeit ja doch kein Benzin. Bei einem Ausritt in die Josefsallee stürzte er vom Pferd und zog sich einen Beckenbruch zu. Es war zur Zeit der Grenzsperre und nur mit großen Schwierigkeiten konnte er nach Bad Reichenhall ins Krankenhaus gebracht werden. Anfang November 1946 bekamen Obermeier und Lerch wieder einen Jagdschein und die Erlaubnis, ein Gewehr zu tragen.

Parteianwärter bekamen solche Erlaubnis früher, Parteimitglieder bis zu einem Jahr später. Gamsbrunft im November – obwohl noch gehbehindert, Obermeier musste ins Revier! Xandl begleite ihn. Er erlegte einen starken Gamsbock, konnte aber seinem Leitspruch nicht treu sein: wer einen Gamsbock schießt, der muss ihn auch selber zu Tal tragen. Das musste der Jäger für ihn tun. Normalerweise hat er immer nur allein „gejagert“. Obermeier tat bis zum 70. Lebensjahr Dienst. Nur langsam normalisierten sich die Verhältnisse nach dem Krieg. Nach dem Zusammenbruch stand das Bayerische Forstamt Unken unter österreichischer Treuhandschaft. Erst 1957 wurde der Salinenvertrag erneuert. 1952 war sein letztes Dienstjahr. Noch einmal wollte er zur Gamsbrunft in sein Lieblingsrevier Kammerkör/Bäreck. Alex durfte ihn begleiten. Mit Schiausrüstung, Rucksäcken und Gewehren brachen die beiden auf. Bald hinter dem Dorf wurden die Schi angeschnallt. Dann ging's zum Friedlwirt, durchs Unkental, über den Sulzenboden und den Rudersbach, das Bäreck zur Langen Wand und zur Kammerkörhöhe. Gesessener Schnee, kein Gams, nicht einmal eine Fährte! Drei Nächte blieb Obermeier auf der Kammerkörhütte. Er sah kein Wild. Im Hüttenbuch stand zu lesen: „Nach einer dreitägigen Gamsjagerei, viel Schnee und keine Gams, ein unrühmliches Ende.“ Seine Pensionsjahre verbrachte Obermeier mit seiner Frau Lili in seinem Geburtshaus, einem alten Forsthaus in Inzell. Er hatte sich schon früher mit der Beizjagd befasst und besaß selbst einen Edel- oder Wanderfalken, den er erfolgreich dressierte. Die Beschäftigung mit dem Falken war jetzt sein liebster Zeitvertreib.

Im alten Forsthaus starb er 1966 mit 80 Jahren.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!