Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

S’Schiederbichei

Der Weg zum Kirchenwirt hinauf führt vor dem ehemaligen Schiederkramer, dem Kaufhaus Leitinger, vorbei. Der linke und mittlere Teil des Gebäudes sind in Privatbesitz, der rechte Teil ist das alte Mesnerhaus, wie es nach dem Abriss des historischen Gebäudes 1980 wieder aufgebaut worden ist.

Im unteren Teil des Mesnerhauses befand sich das Kaufhaus.

Die drei Geschäfte in Unken, der Buchmayer, der Ortner und der Schieder haben uns mit allem versorgt, was wir in der damaligen Zeit brauchten. Das Warenangebot war knapp nach dem Krieg und die Ansprüche waren bescheiden. Neben dem gesamten Angebot gab es auch kleine Schwerpunkte. „Luxusunterwäsche“ bekam man am ehesten bei der Buchmayer Mizzi. Die Ladeneinrichtung war aus dunklem Holz. Kleidungsstücke hingen in einem Glaskasten. Das fanden wir sehr vornehm.

Das Lebensmittelangebot – Mehl, Gries, Haferflocken, alles aus Schubladen, wie in einem nostalgischen Puppenspielkasten – war beim Ortner am umfangreichsten. An der Waage gab es eine kleine Metalltüte für Stranitzel. Warum ich das wohl so interessant fand? Wenn die Ortner Erni Kopftücher bestellt hatte, sahen am Sonntag die Frauen auf der Weiberleutseite in der Kirche alle gleich aus.

Bei der Schieder Thresl gab es die schönsten Dirndlstoffe und Werkzeug, Ketten und Gerät, das der Bauer selber nicht anfertigen konnte und auch nicht der Schmied oder der Wagner.

Josef Leitinger versorgte als Frächter unser Dorf Jahre lang. Er hatte auch eine Lizenz für den Personen- und Viehtransport.

Am mittleren Teil sehen wir eine Marmortafel aus dem Jahre 1848 als das Haus zum Schloss Oberrain gehört hat. Damals war dies die Wärmestube für das Gesinde.

Das Schiederbichei hat sich im Laufe der Zeit verändert, wie wir an alten Ansichten erkennen können, ist aber aus einem ganz besonderen Grund doch immer ein Problem geblieben und zwar für die Musikkapelle. Wieso das?

Wir feiern Feste oft mit Prozessionen. Die sind immer mit Kirchgang verbunden und der Weg führt immer über s’Schiederbichei. Und da spielt auch immer die Musik.

Auch der letzte Weg für die Unkener führt über das Schiederbichei. Allerdings nur für Männer. Frauen bekommen „nur den kleinen Umgang“ vom Leichenhaus zum Südeingang des Friedhofes und bei Frauen spielt auch keine Blasmusik. Das ist keine Missachtung der Frauen. Das ist vielmehr eine besondere Ehrerweisung für Veteranen. Und dazu zählen heute auch alle, die einmal im Österreichischen Bundesheer gedient haben. Aus dem selben Grunde läutet für Männer auch die große Totenglocke, die Heimkehrerglocke.

Ja und das Schiederbichei bringt die Formation in der Musikkapelle immer durcheinander weil die in Fünferreihen marschieren und auf dem schmalen Weg zusammenrücken müssen. Es gab früher sogar einen besonderen „Schiederbichei Marsch“

Es gibt besondere Musikstücke, die für Dreierreihen vorgesehen sind und speziell einstudiert werden müssen. Aber es geht auch einfacher: das Bichei mit kleinem Trommelwirbel zu „überbrücken“.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!