Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Sonnwend, Bergmessen, Wettersegen

SONNENWENDE

Am 21. Juni erreicht die Sonne über dem nördlichen, dem Wendekreis des Krebses, ihren höchsten Stand. Jetzt wendet sich der Weg der Sonne und die Tage werden wieder kürzer, während auf der südlichen Halbkugel am Wendekreis des Steinbocks die Tage länger werden und in Afrika, Südamerika und Australien das Frühjahr beginnt. Die Sonnenwende im Dezember wie auch die im Juni ist eine seit Jahrtausenden und in allen Kulturen besonders beachtete Jahreszeit. Sonne und Feuer sind leicht in Verbindung zu bringen. Auf allen Bergen rund um Unken leuchten Höhenfeuer. In manchen Jahren sieht man vom Dorf aus mehr als 100 Feuer brennen. Untereinander machen sich die Unkener schon lange vor dem Sonnwendtag aus, „wer wo brennt“. Das hat Tradition! Die Österreichischen Bundesforste und das Bayerische Forstamt erlauben unter sinnvollen Sicherheitsmaßstäben das Brennen von Sonnwendfeuern und das dazu nötige Sammeln von dürrem Holz. Da sauste schon einmal die Hacke in einen günstig gelegenen grünen Stamm, damit er im nächsten Jahr als „Durr“ für das Sonnwendfeuer verwendet werden durfte. Bis in die Siebziger Jahre brannten auf unseren Bergen nur Gipfelfeuer aus gesammeltem Holz. In Nachbargemeinden mit steinigem Gebirge aber hatte man längst angefangen, in Ermangelung von Holz, Fackeln oder speziell angefertigte Feuerschalen zu verwenden. Damit war es einfach geworden, ganze Lichterketten zu entzünden. Die Sonnwendnacht wurde zur Touristenattraktion. Die Unkener Bergrettung und der Alpenverein entwickelten ihrerseits jetzt auch Feuerschalen aus zurechtgeschnittenen Blecheimern, Textilabfällen aus der Textilfabrik in Lofer und per Postwurf gesammelten und eingeschmolzenen Wachsresten. Als es die Textilfabrik schließlich nicht mehr gab, entwickelte man ein Sägespäne- Wachsgemisch, das den Zweck genau so gut erfüllt. Bleibt das Gefühl, aus einer alten Tradition etwas Neues gemacht zu haben, hauptsächlich des touristischen Wettbewerbs wegen. Nachdem die Wassersportler in den späten Achtzigerjahren die Saalach für sich entdeckt hatten, entstand für kurze Zeit der Brauch, dass Kajaks mit Auslegern, auf denen Fackeln brannten, lautlos mit der Strömung den Fluss herunter trieben. Ein wunderschönes Bild! Auf der „Großen Bloak“, einem Lawinengang am Achberg stecken die Männer der Bergrettung ein riesiges, weithin sichtbares Edelweiß aus brennenden Fackeln. Immer noch ist eine Sonnwendnacht im Saalachtal ein „kultiges“ Erlebnis.

Peter und Paul - Früher am 29. Juni groß gefeiert, ist dieser Tag heute vor allem als Lostag beachtet. „Petri und Paul klar - ein gutes Jahr“.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!