Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Medizinalrat Dr. Manfred Schlederer

Nach einer unruhigen Zeit – nicht nur im Doktorhaus – folgt als Gemeindearzt Dr. Manfred Schlederer.

Dr. Manfred Schlederer

Manfred Schlederer wurde am 2. Juni 1920 in Blumau bei Bozen geboren. Er stammte aus einer alten Salzburger Familie. Sein Großvater war Direktor der Brauerei Kaltenhausen und sein Vater, Braumeister in Freistadt, Oberösterreich. Nach seiner Jugendzeit in Hallein entschloss er sich früh, nicht in die Fußstapfen seiner Vor - väter zu treten, sondern Medizin zu studieren. Er tat dies in Innsbruck und lernte dort seine spätere Frau, Ina Höllriegl, eine gebürtige Innsbruckerin, kennen. Ina hatte bereits ein Diplom für Sozialpädagogik in Breslau erworben, gab aber ihre eigenen Berufspläne auf und wurde seine Frau. Manfred Schlederer wurde zum Kriegsdienst einberufen, zuerst nach Kreta, später nach Russland. Nach seiner glückhaften Heimkehr war er im Landeskrankenhaus Salzburg und in Hallein tätig. Er entschloss sich, Landarzt zu werden. Im Juli 1947 übersiedelte die Familie Schlederer mit den Kindern Manfred, Gerlinde, Ingeborg und Karl von Hallein nach Unken ins alte Doktorhaus. Dort kam das jüngste Kind, der Sohn Hans Jörg zur Welt. Im selben Jahr holte Ina Schlederer die „Gela“, Angela Wimmer vom Eggerbauer ins Haus. Sie blieb 28 Jahre der gute Geist in der Familie. Eine kleine Landwirtschaft hatte früher zum Hause gehört, Stallungen waren noch vorhanden, obwohl zuletzt wohl nur noch der Pferdestall genutzt worden war. Bald gab es eine Kuh, eine Geiß und Hühner. Die gesunde Ernährung der Familie war gesichert. Gela, die sich in allen landwirtschaftlichen Dingen gut auskannte, war eine große Hilfe. Ein altes Motorrad, eine BSA, wurde angeschafft und bald erstand Dr. Schlederer aus amerikanischem Besitz einen alten Jeep. 1947 ersuchte ihn die Landesleitung des Österreichischen Bergrettungsdienstes, eine Ortsstelle einzurichten. Mit den Gründungsmitgliedern, Max Dufter, Josef Friedl, Stefan und Hans Herbst, Max Schmalnauer, Toni Schmiederer, Heini Sturm und Richard Zeller und Schriftführer Hans Leitinger wurde der Grundstock für diese wichtige Organisation gelegt. Er engagierte sich tatkräftig für die Ausbildung der Bergretter durch wiederholte Übungen wie Abseilen und Bergen von Verletzten sowie in Erster Hilfe. Das Doktorhaus war in einem desolaten Zustand. Es gab kein Wasser im Ordinationsraum, kein Badezimmer und nur ein Plumpsklo. Bürgermeister Peter Haider ließ das Dach neu decken. Weitere Investitionen waren dringend notwendig. Manfred Schlederer erstellte eine Mängelliste. Er schickte sie an die Gemeinde als den Hauseigentümer mit der Bitte, die Renovierung von Haus und Praxis zu übernehmen. Oder das Haus an ihn zu verkaufen. Das Haus wurde gekauft, der Umbau begann 1964. Vor dem Hause wehte bereits damals die blaue Europafahne. Kaum jemand wusste, was gemeint war.

Die unmittelbare Nachkriegszeit war vorüber, die Zeiten normalisierten sich langsam, die kleine Landwirtschaft konnte wieder aufgegeben werden. Der rückwärtige Teil des Hauses, früher Stall, wurde eine zeitgemäße Arztpraxis. Mit der Hausapothekenbewilligung wurde die medizinische Versorgung der Bevölkerung deutlich verbessert. Die Arbeit in seiner Gemeinde, für seine Patienten war für ihn zum Lebensinhalt ge - worden. Dafür bekam er 1966 die Ehrenurkunde des Österreichischen Bergrettungsdienstes. Er versuchte, allerdings ohne Erfolg, für die Kinder aus dem entlegensten Ortsteil Gföll eine Zweigstelle der Schule zu etablieren um ihnen den täglich mehrstündigen Schulweg zu ersparen, den sie im Sommer barfuss machten und nach dem sie im Winter im warmen Klassenzimmer immer einschliefen. 1971 wurde ihm wegen seiner Leistungen im Gesundheitswesen der Titel Medizinalrat verliehen. 1975 bekam er die Silberne Verdienstmedaille des Salzburger Roten Kreuzes. Am 1. Juli 1977 wurde Dr. Manfred Schlederer Ehrenbürger von Unken. Er war Hausapotheken-Präsident für ganz Österreich, Bezirksärzte-Referent und Vorstand der Ärztekammer Salzburg. Ina Schlederer war ihrem Mann immer eine tatkräfige Hilfe und Assistentin, eine engagierte Landarztfrau. Neben ihren Pflichten als Hausfrau und Mutter von fünf Kindern waren ihr alte Menschen ein ganz besonderes Anliegen. Sie begann in Unken zum ersten Mal eine Altenbetreuung aufzubauen, dort, wo es keine Familie gab, welche die Alten auffangen konnte. Am 17. April 1978 war Manfred Schlederers Leben nach einer plötzlich auftretenden, schweren Erkrankung zu Ende. Nach der Aussegnung in Unken wurde er nach Hallein überführt und dort unter großer Beteiligung der Bevölkerung und vieler Ärztekollegen in der Familiengruft beerdigt. In Unken erinnert eine Gedenktafel am Fuße des Kirchturmes, gestaltet vom akademischen Bildhauer Prof. Josef Magnus aus Salzburg an den Mann, der über 30 Jahre lang „insa Dokta“ gewesen ist.

Das alte Doktorhaus ist heute im Besitz der Familie Unseld.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!