Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Vinzenzi, Lichtmess, Blasentag, schlenckern

SEBASTIANI

Dem Heiligen Sebastian ist der rechte Seiten - altar der Unkener Dorfkirche geweiht. Er ist ein römischer Märtyrer, der im 3. Jahrhundert nach der Legende durch Pfeilschüsse gemartert worden ist. Das Altarbild zeigt, wie die Witwe Irene ganz vorsichtig die Pfeile aus seinem Fleisch zu entfernen sucht. Er ist später mit Keulen erschlagen worden. Sein Namenstag ist der 20. Jänner. Er ist unser zweiter Kirchenpatron. Als Patron der Schützen ist er hochverehrt. Dringend gebraucht wurde früher seine Für - bitte gegen die Pest, heute gegen AIDS. Gegen die Sebastianikälte hilft heute wie ehedem ein „Sebastiani - Schnapsei“.

VINZENZI

Der 22. Jänner ist das Fest des Heiligen Vinzenz von Saragossa, einem spanischen Märtyrer aus dem 4. Jahrhundert. Dies ist der Tag des Patrons der Holzknechte. Gefeiert wird in Unken „seit Jahr und Tag“ im Herbst - die „Holzsuppn“. Es gab früher wohl keinen Unkener, der nicht irgendwann in seinem Leben bei den Bayerischen Saalforsten gearbeitet hat. „Forstarbeiter“ steht selbstbewusst auf Sterbebildern und auf manchem Grabstein. Die Bayern waren gute Arbeitgeber. Und die Arbeit schien sicher in Ewigkeit. Es gilt ja auch die diesbezügliche Vereinbarung zwischen Bayern und Österreich, die Salinenkonvention „auf ewige Zeit“. Die Holzarbeit ist eine gefährliche Arbeit und da stellt man sich gern unter den besonderen Schutz eines Heiligen. Heute arbeitet unter dem Schutz des Heiligen Vinzenz nur noch ein knappes Dutzend Forstarbeiter in den Saalforsten. Rechnet man die des Österreichischen Forstamtes dazu, dann könnte man dem Heiligen Vinzenz mittlerweile ruhig noch eine weitere Aufgabe übertragen.

MARIA LICHTMESS

Am 2. Februar feiert die Katholische Kirche das Fest Mariä Lichtmess. Hier schließt sich ein Kreis: am 25. März feierten wir Mariä Verkündigung, neun Monate später ist Jesus geboren. Einige Wochen nach der Geburt eines Kindes wurden jüdische Frauen nach alttestamentarischer Vorschrift einem Reinigungsritual unterzogen. An Marias Tag dieser Reinigung erinnert dieses Fest. Auch in Unken gingen Frauen nach der Geburt eines Kindes an den (damals) Annenaltar und wurden mit Gebet und Segen bedacht. „Viehe geh’“, „Nach vorne gehen“ nannte man das. Unter Pfarrer Stangassinger hörte dieser Brauch nach 1952 auf. Spätestens jetzt werden die allerletzten Weih - nachtsdekorationen abgebaut. In der Kirche werden Kerzen geweiht. Jetzt beginnt für den Bauern wieder die Arbeit außer Haus. Maria Lichtmess, das war der Tag, an dem Knechten und Mägden früher ihr Jahreslohn ausbezahlt wurde, der Tag, an dem „geschlenggert“ oder „geschlenkert“ wurde. Der Tag, an dem man seinen Arbeitsplatz gewechselt hat oder aber für ein weiteres Jahr fest in Brot und Lohn stand. Spätestens im Herbst hatte der Bauer gefragt: bleibst oder gehst. Ein guter Bauer hatte die Dienstboten für das kommende Jahr oft schon im Sommer beisammen. Wollte er sich von einem trennen, merkte der das daran, dass er im Sommer nicht ums Bleiben nach Lichtmess gefragt wurde. Als „Drangeld“ für den neuen Arbeitgeber musste der Bauer bis zu 5 Schilling zahlen.

ST. BLASIUS

3. Februar - Vom Bischof Blasius aus Sebaste in Armenien wird erzählt, er habe einem Knaben, der an einer Fischgräte zu ersticken drohte, mit seinem Segen das Leben gerettet. Um das Jahr 316 sei er den Märtyrertod gestorben. Er gehört zu den 14 Nothelfern. Beim Gottesdienst am 3. Februar erteilt der Priester zwischen zwei überkreuzten Kerzen den Blasiussegen. St. Blasius ist zuständig für Halsbeschwerden. Gerade recht zur kalten Jahreszeit! Am „Blasentag“ wurde die Habe von Knecht oder Magd vom neuen Dienstherrn mit dem Fuhrwerk oder dem Schlitten beim alten Arbeitgeber abgeholt. Ohne den Löffel zu vergessen! Der persönliche Löffel steckte meist hinter einem Lederriemen unter der Tisch - platte am Ess platz des Dienstboten. Oft wurde er vergessen!

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!