Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Bergtod für Walter Mader und Walter Kedra

Es gibt aber auch eine sehr traurige Geschichte aus den Reither Steinbergen zu berichten. Sie stand in allen Zeitungen und so erzählte mir Helga Uhl, die Schwester von Walter Mader, hat es sich zugetragen:

Bergtod für Walter Kedra und Walter Mader

Stephanitag, 26. Dezember 1957 Walter Mader, Forstarbeiter bei den Österreichischen Bundesforsten, 17 Jahre alt und Walter Kedra, Schuhmacher, 23 Jahre alt, wagen an diesem Donnerstag eine Erstbesteigung. Sie wollen die Südwand des Häuselhorns in den Reither Steinbergen im Winter bezwingen. Das hat vor ihnen noch niemand gewagt. Alpinisten schätzen den Schwierigkeitsgrad auf fünf von sechs möglichen Schwierigkeitsgraden. Beide gelten als erfahrene Bergsteiger. Am Abend wird Alarm ausgelöst. Die beiden jungen Bergsteiger sind nicht heimgekommen. Der Gemeindearzt Dr. Manfred Schlederer ist Ortsstellenleiter der Bergrettung in Unken. Seine Männer und freiwillige Helfer steigen in der Dunkelheit auf. Während der ganzen Nacht und sogar im Licht des nächsten Tages können die Bergretter nichts finden. In Reith und am Obermayerberg herrscht Hochbetrieb. Viele freiwillige Helfer melden sich. Die Bergrettung aus Lofer und die Bergrettung Saalfelden unter der Führung von Johann Schied steigen in das vermutete Unfallgebiet auf. Dr. Manfred Schlederer und Dr. Peter Pechlaner aus Lofer halten sich für den ärztlichen Einsatz bereit.

Viele Menschen kommen mit Ferngläsern und beobachten die Seilschaften. Nicht Sensationsgier treibt sie her. Es ist mehr eine Präsenz, ein Mitbangen und Hoffen als würde diese starke, gemeinsame Energie das Unglück noch aufhalten können. Sicher wird auch viel gebetet. Die Retter sind selber in großer Gefahr. Im Eis halten die Haken schlecht. Am Freitag kommt Markus Schmuck aus Alm bei Saalfelden.

Er war ein Weggefährte von Hermann Buhl bei dessen spektakulärer Karakorum - Expedition gewesen, ein Bergsteiger der Spitzenklasse. Seinem Einsatz und seiner erfahrenen Koordination ist es zu verdanken, dass die gefährliche Rettungsaktion ohne weitere Opfer verläuft. Man erwägt den Einsatz eines Suchflugzeuges. Die Flugsicherung kann einen Einsatz nicht zulassen, das Wetter ist zu schlecht. Das Häuselhorngebiet ist für die vorhandenen Mannschaften zu gewaltig, weitere Seilschaften werden gebraucht.

Eine Gruppe ausgebildeter Alpin - Gendarmerie steigt auf. Der Befehlshaber des Bundesheeres in Saalfelden entsendet einen Funktrupp. Die österreichischen Beamten des Zollamtes am Steinpass formieren sich zusammen mit ihren bayerischen Kollegen und steigen in starken Gruppen auf. Eine bayerische Zollpatrouille mit Such hund ergänzt die österreichische Suchmannschaft mit ihren zwei Such hunden. Auf dem Berg führt Zollmajor Andreas Schleindl persönlich das Kommando. Der Leiter der Zollwachabteilung Steinpass, Oberkontrol - lor Karl Pfeffer hält im Hauptquartier der Berg rettung Verbindung zu den Männern in der Wand und zu Markus Schmuck, dem Einsatzleiter.

Am späten Freitagnachmittag findet Suchhund Zita eine Spur. Hoffnung wird von der rasch eintretenden Dunkelheit zunichte gemacht. Mit Reflektoren an der Stirn treffen die letzten Helfer nachts um 23.00 Uhr zu einer kurzen Rast im Tal ein.

Am Samstag um 4.45 Uhr ist die Nacht schon wieder vorüber. Wenn es Tag wird, wollen die Männer schon oben sein. Sie erwarten kein Wunder mehr, aber ein Funken Hoffnung ist da immer noch. Markus Schmuck verlegt das Einsatzquartier vom Obermayrberg zum Reither Wirt.

Die Marschrouten der Suchmannschaften sind genau abgesprochen. Systematisch wird die Wand durchforscht. Die Funkgeräte sind eine große Hilfe. Zita findet die Spur wieder. Orangenschalen werden gefunden. Unter einer steilen Wand beginnen die Retter, angeseilt, den Aufstieg. Ein halsbrecherisches Unternehmen! Sie erreichen eine kleine Mulde, finden einen Rucksack. Mit Ferngläsern wird jede Bewegung der Seilschaft verfolgt. Die Männer in der Wand nehmen ihre Hüte ab, die Menschen im Tal wissen, was das bedeutet. Nicht weit von Walter Kedra finden sie Walter Mader. Beide sind noch durch das Kletterseil verbunden. Ihre Hände sind wund bis auf die Knochen. Sie sind mindestens 150 Meter tief abgestürzt und mit Sicherheit sofort tot gewesen. Wer von ihnen den anderen mit in die Tiefe gerissen hat, kann nicht mehr festgestellt werden. Durch Handzeichen wird die Meldung weitergegeben. Um 9.10 Uhr werden drei Schüsse abgefeuert. Sie erschüttern Berg und Tal: - gefunden - beide - tot!

Gemeinsam, wie sie gestorben sind, werden Walter Mader und Walter Kedra auf dem Dorf - friedhof unter größter Anteilnahme der ganzen Bevölkerung begraben.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!