Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Das Märchen vom Schneider von Unken

Ein nicht so einwandfrei historisch belegter Passant des Steinpasses war der

Der Schneider von Unken

Sommergäste der Familie Krimbacher, unseres ehemaligen Gemeindesekretärs, haben sie mir zur Verfügung gestellt. Ich kenne niemanden, dem diese Geschichte bisher bekannt war.

Im Saaletal liegt Unken, mag wohl den Namen mit Recht haben. Es gibt darin auch noch ein Mäustal und ein Rabental, ein Dörflein Höllenstein und eine Bergreihe: die Hohlwege; ein Bach heißt der Unkenbach, einer der Finstersbach und einer der Schwarzbach, fließen alle in die Saal, die ihr Eiswasser unterhalb Salzburg in die Salzach rinnen lässt. Geister gibt es auch genug dort herum und manchen Schatz im Schoß der gewaltigen Berge, die das Tal einengen.

Nun war zu Unken ein tapferer Schneider, eines Schneiders Sohn, das war ein gewaltiger Nimrod. Er hatte den Stutzen lieber als das Bügeleisen und den Hirschfänger lieber als die Schere, tat wenigstens so, und hielt sich einen großen Fanghund, aber mit dem Jagdgewehr durft’ er am Tage nicht gehen. Nun ging er einstmals bei der Nacht über die Wegscheid, wo es gar nicht geheuer ist, war auf dem Kaitl gewesen und hatte da ohne Zweifel einmal getrunken, denn man kann am Kaitl nicht ohne Einkehr vorübergehen.

Wie nun der Schneider so hinaufsteigt zur Wegscheid geht neben ihm ein schwarzer Mann, hält Tritt und Schritt mit ihm und spricht kein Grüß Gott, auch nicht Guten Abend sondern gar nichts. Wird’s dem tapferen Schneider seltsam, ruft seinen großen Fanghund. Aber der große Fanghund, wie er den schwarzen Mann sieht, klemmt den Schwanz zwischen die Beine und reißt aus wie ein Schafleder, über die Wegscheid hinein ins Saaletal dass er in zwei Augenblicken seinem Herrn aus dem Gesicht ist. Jetzt wird’s dem Schneider brühheiß und eiskalt in einem Atem doch fasst er sich ein Herz und zieht vom Leder, nämlich aus seinem Gürtel sein Messer, daran, wie dort landüblich, eine Gabel. Er nestelt die Gabel ganz in der Stille vom Messer los, schnappt beide auf, fasst das Messer in die rechte, die zweizinkige Gabel in die linke Hand und denkt, nun komm nur an, du Schwarzer! Dabei schlugen ihm aber alle Glieder und die Knie schlotterten ihm.

Der Schwarze blieb stumm. Ein sehr starkes Stück Wegs, unterm großen Ristfeuchthorn zur Rechten hin ging der dunkle Begleiter mit bis sie herunterkamen, wo eine Brücke über einen Bach führt. Der rollt vom Mitterberg herab und auf der Brücke blieb der Schwarze stehen und bog sich hinab zum Wasser. Der tapfere Schneider, fest die Wehr, Messer und Gabel in den Händen, trabte weiter, erreichte das Wirtshaus Schneizlreuth mit Mühe und Not und mehr tot als lebendig und käseweiß. Da dachten die Leute, er wolle jemand tot stechen, denn er legte die Wehr gar nicht aus der Hand. Endlich fand sich, dass er vom ängstlichen Festhalten den Krampf in die Finger bekommen hatte und die Fäuste nicht öffnen konnte. Nicht um die Welt wäre er noch einmal vor die Haustür gegangen, und niemals ging er wieder im Zwielicht über die Wegscheid.

Andern Morgens, da der tapfere Schneider heimkam nach Unken, prügelte er den großen Fanghund weidlich durch mit der Elle und jagte ihn aus dem Hause.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!