Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Osterfeuer, Auferstehung, Ostermorgen auf dem Kalvarienberg

Das Osterfeuer

Im Friedhof brennt ein großes Feuer. Der alte Eggerbauer, Sebastian Wimmer, der hütet es. Der Pfarrer segnet es. Eine große Schar Buben steht um das Feuer. An einem langen Draht hat jeder seinen Baumschwamm befestigt und versucht jetzt, den Schwamm im Feuer zum Glühen zu bringen. Glüht er, dann schwingen sie ihn am Draht im Kreis damit die Glut nicht ausgeht und machen sich auf den Heimweg. Drei Stunden lang haben die Buben aus dem fernen Gföll früher den Schwamm geschwungen und sind heim gelaufen um das Feuer nur ja nicht ausgehen zu lassen. Und wehe, der glühende Schwamm wäre vom Draht gerutscht und in den Wald geflogen! Den ganzen Morgen liegt der Duft der glosenden Baumschwämme über dem Dorf. Zuhause angekommen, wird die Glut in den heimischen Herd getan. Das bedeutet Segen. Gegen ein paar Münzen bekommen auch die Nachbarn ohne Schwammträger etwas von dem geweihten Feuer ab. Mittlerweile gibt es aber in Unken schon viele Wohnungen mit Zentralheizung, die keinen Feuerofen mehr haben und damit verlöscht der alte Brauch immer mehr. Es fehlt was im Dorf, wenn die Kirchturmuhr nicht schlägt und die Glocken nicht läuten.

AUFERSTEHUNG

Der Zeitpunkt der Auferstehung hat sich im Laufe der Jahre mehrfach geändert. Und der Ablauf der Feier auch. Früher ging man am Nachmittag in die düster verhängte Kirche. Seit Stunden wurde schon der Rosenkranz gebetet. Keine Glocke, keine Orgel, kein Weihrauch! Dann aber kam das Gloria: „Der Heiland ist erstanden!“ Und jetzt ging ein richtiges Spektakel los auf das sich alle schon so lange gefreut hatten: Vorhänge wurden aufgezogen, Glocken, Orgel, Weihrauch, alles auf einmal und das Heilige Grab geriet in Bewegung. Das ist ganz wörtlich zu nehmen. Vor dem liegenden, bleichen, blassen, toten Heiland in der „Grabeshöhle“ entrollte sich ein Bild, das den Engel mit der Siegespalme zeigt. Sieg über den Tod! Gleichzeitig knirschte im hinteren Teil des „Grabes“ eine selten benützte Winde, mit der eine Statue des Auferstandenen mit Sieger - fahne über den „Grabesfelsen“ hochgekurbelt wurde. Die Siegesfahne war es, die sich meistens verhedderte und es folgten bange Augenblicke, ob das ganze Heilige Grab diesen Auferstehungsvorgang aushalten würde. Manchmal hat es halt ein wenig länger ge - dauert aber es ist immer gut gegangen. Und alle freuten sich! Halleluja! Technische „Werkel“ waren sicher zur Zeit des Baues unseres „Heiligen Grabes“ ein Wunderwerk. Die Fernsehgenerationen sehen das wahrscheinlich anders. Heute gibt es keine violett verhängten Kirchenfenster mehr und das „Heilige Grab“ steht fest am rechten Seitenaltar. Das „Werkel“ wird nicht mehr benützt. Der „Grabesfelsen“, der Leichnam, der Engel und die bunten Glaskugeln, alte Fruchtbarkeitssymbole, die sind immer noch im Einsatz und die zwei altbekannten römischen Krieger mit ihren Hellebarden halten vor dem Grab immer noch Wache. Beim Heimkommen nach der Auferstehung, begann das fröhliche Eiersuchen. Beim „Pecken“ versucht man natürlich, Sieger zu sein. Dazu nimmt jeder sein Ei fest in die Faust und versucht mit der spitzen Seite das Ei des „Gegners“ kaputt zu pecken. Früher ein Weg, als Gewinner an ein zusätzliches Ei zu kommen, heute ein Spaß ohne Folgen, nur so. Die Auferstehung findet heutzutage abends statt. Christus ist am Ostermorgen auferstanden, dazu rechnet man liturgisch alles, was nach Sonnenuntergang passiert.

Festessen und auch kleinere Geschenke gibt es, Ostern ist aber diesbezüglich nicht mit Weih - nachten zu vergleichen. Ein plausibler Grund für die Geschichte des eierlegenden Osterhasen kann auch in gescheiten Büchern nicht gefunden werden. Wer morgens als letzter aufsteht ist die „Tauf - lappin“.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!