Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Anklöckeln, Sonnenwende, 12 Rauhnächte, 3 Rauchnächte

ANKLÖCKELN

An allen Donnerstagen während der Adventszeit gehen „Anklöckler“ ab der frühen Dämmerung von Haus zu Haus und singen die wohl - bekannten Lieder von der vergeblichen Herbergsuche. Die Sänger sind verkleidet als Josef, Maria und als grimmiger Herbergswirt. Meist sind ein paar Hirten bei ihnen und ein Bub, der die Laterne trägt

Während langer Jahre hat es sich eingebürgert, dass Mitglieder des Kirchenchores, bei dieser Gelegenheit Geld für eine gute Sache sammeln. Und eine Gruppe der Ministranten. Aber auch Kinder aus der Nachbarschaft kommen und singen. Das klingt dann nicht ganz so professionell, dafür aber geht es ganz besonders zu Herzen und den Schleier der Maria erkennt manche Hausfrau als ihren alten Wohnzimmervorhang.

Als kleines Entgelt werden Süßigkeiten und ein paar Euros Äpfeln und Nüssen vorgezogen. Das Anklöckeln gab ursprünglich den Armen der Gemeinde die Möglichkeit, Backwerk und Süßigkeiten für die Feiertage zu kriegen. Später wurde das Anklöckeln allgemein Sitte und nach den Weltkriegen überließ man nur den letzten Donnerstag vor dem Fest den armen Leuten.

Seit etwa 1960 gehen die Schüler der 4. Klasse der Hauptschule Lofer und singen für die Reisekasse um die traditionelle Wienwoche, eine Klassenfahrt zum Schulende, zu finanzieren. Bald werden die Weihnachtszimmer abgeschlossen, Kinder rätseln, was das Christkind wohl bringen wird, häusliche Krippen werden aufgebaut.

WINTERSONNENWENDE

Nicht von ungefähr findet Weihnachten um die Zeit der Wintersonnenwende statt. Und sicherlich ist Jesus nicht am 24. Dezember geboren, auch nicht vor genau 2003 Jahren!. Den Gregorianischen Kalender, den wir heute verwenden, gibt es in dieser Form erst, seit Papst Gregor XIII im 1582 den bis dahin geltenden Julianischen Kalender verändert hat. Dieser bezog sich auf die Zeit des römischen Kaisers Julius Cäsar, der wiederum einen alten ägyptischen Kalender auf den neuesten Stand gebracht hatte. Die alten Gelehrten haben, jeweils rückwirkend, große geschichtliche Daten nach dem ab da geltenden Kalendarium datiert. In Russland rechnete man nach dem Mondjahr. Das führte dazu, dass die Oktoberrevolution in unserem November stattfand, Ostern, Weihnachten und Neujahr heute noch nicht mit unseren Daten übereinstimmen. Und doch gilt auch dort das Jahr 2003. Unterschiedliche Berechnungen haben im Laufe der Geschichte dazu geführt, dass man sich mit dem Jahre Null, das man als das Geburtsjahr Christi zum Ausgangspunkt aller weiteren Berechnungen gemacht hat, um einige Jahre verzählt hat. König Herodes wäre nach unserem heutigen Kalender jedenfalls im Jahre 4 vor Christi Geburt gestorben. Dabei hat er doch zu der Volkszählung aufgerufen, wegen der Josef und Maria nach Bethlehem gewandert sind. Dies ist heute für unser tägliches Leben von geringer Bedeutung. Sicher ist, dass die Sonnenwende seit Tausenden von Jahren, kultisch gefeiert wurde. Als die frühen Christengemeinden zu immer größerer Bedeutung gelangten, fanden sie in den Landstrichen, die sich nach und nach zu der neuen Religion bekehrten, alteingesessene Gottheiten und religiöse Traditionen vor. Wie klug von ihnen, diese nicht zu zerstören! Jede Anerkennung eines höheren Wesens muss doch eigentlich immer wieder nur auf einen großen Gott zielen, egal, ob er Wotan, Manitou, Zeus oder Allah genannt wird.

Dies ist wohl auch der plausibelste Grund warum so viele vorchristlich-heidnische Elemente in unserer alpenländisch-katholischen Tradition zu finden sind: geweihtes Feuer, geweihtes Wasser, geweihtes Öl, geweihtes Brot, geweihter Wein, Weihrauch, Kreuzzeichen, magisches Dreimalherumgehen, drohende Perchtenfratzen, lärmende Ketten und krachende Böller, wachen und beten, Kerzen brennen, Schutzbilder an Wegkreuzungen und an Brücken und das Andreaskreuz am Hauseingang... Weihnachten wurde bestimmt mit Absicht auf ein bestehendes uraltes Fest des Lichtes, der Überwindung der Finsternis und der Wendung zum Guten, Lichten, Wachsenden „gepfropft“.

Rauhnächte

So heißen in Österreich und in Süddeutschland die Nächte nach dem 21. Dezember, dem Thomastag, an denen mit Weihrauch gegen Unheil angegangen wird. Die „Zwölf Nächte“ nach der Wintersonnenwende sind entsprechend altem Glauben voll Spuk und „wildem Gjaid“, der Wilden Jagd. Und das windige Heulen in den stockfinsteren Nächten, das käme von den unerlösten armen Seelen... Es soll keine Wäsche im Freien hängen.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!