Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Der Fischbachfall und der Staubbachfall – Literarische Zeitreise

WIR LASSEN den „Alpengasthof Heutal“ rechts liegen, sehen rechts in der Wiese die Abzweigung zum Fischbachfall und zum Staubbachfall.

Diesen Weg von etwa ½ Stunde zum Wasserfall sollten Sie zur schneefreien Zeit unbedingt gehen. Vielleicht machen Sie eine Rast auf einer stillen Bank.

Von da aus nehme ich Sie mit auf eine Literarische Zeitreise in die Romantik Wir staunen, wie bekannt, beschrieben und besungen das Heutal mit dem Sonntagshorn und dem Staubbachfall in dieser Zeit war. Das gleiche gilt auch für die Schwarzbergklamm im Unkental.

Aus dem Sommer 1802 stammt das Gedicht „Das Heuthal“, das J.E. Ritter von Koch- Sternfeld in der Schrift „Rhapsodien aus den norischen Alpen“ 1843 in München veröffentlicht. Nicht nur aus Platzgründen habe ich bloß eine kurze Kostprobe für Sie ausgewählt.

Folge mir Freund! aus den düsteren Berggefilden der Saale Wo im Lärchengebüsch hoch dort die Warte sich zeigt, Schützend das Thal, und Oberrains Taferne beherrschet Und den wehrhaften Pass in das erhabne Gebirg: Folge mir! rechts der Unke entlang, den Salzquell vorüber An der grauen Wand – später der Kirche des Dorfes, Und dahin am sonnigen Hügel, wo die Kapelle In den Tagen der Ruh’ Frommen und Liebenden winkt... Nun Freund! blicke jenseits hinab auf liebliche Fluren, Blick’ hinab ins Thal, ferne vom schalen Gewirr: Hörst du der Senner Gesang, der Heerden Glockengeläute, Siehst du das weidende Vieh, reichlich und duftend genährt? Hier das Heuthal! – Lass uns hinunter durch wallende Buchten, Vom geselligen Volk freundlich und rufend begrüßt... Heimischer Marmor deckt röthlich die Pfade des Thals, Gleich als hätten schon Römer dieses Tempe bewohnet, Wo auf blumiger Wies – plötzlich der Bach sich verliert. Dort entwallt ein bläulicher Rauch dem niedrigen Dache: Sieh’! ein Mädchen naht, gastfreundlich winkt es uns zu. Lass uns folgen der Dirne zum erquickenden Mahle; Munter hüpft sie voran, lächelnd bedeckt sie den Tisch. Sieh da duftenden Käs und Brod, und würzige Butter, und im blanken Gefäß süße aufschäumende Milch... Düster nahen sich die Wände, hoch in den Lüften Wiegt sich über der Kluft flatternd ein glänzender Aar. Muthig Freund um das Felseck! – Staunen fesselt den Fremdling, Wo ins nächtliche Graun, unter des Donners Geroll’, Aus der Wolken Schoos, durch tausendjährige Höhlen Halb zerflossen in Dunst blendend der Staubbach sich stürzt

Fr. M Vierthaler veröffentlichte 1816 in Wien „Meine Wanderungen durch Salzburg, Berchtesgaden und Österreich“. Der Titel macht nachdenklich. Die Zeit, in der Napoleon Europa mit Krieg überzog, ist vorüber. Das Jahrhunderte alte Fürsterzbistum Salzburg ist säkularisiert. Der Wiener Kongress hat Europa neu geordnet. Mit dem Vertrag von München kommt das Herzogtum Salzburg, nach wechselvollen Jahren seit 1803 am 14. April 1816 endgültig zu Österreich. Vierthaler behandelt Salzburg noch als eigenes Land. Auch Berchtesgaden, das mit dem selben Vertrag endgültig zu Bayern kommt. Die Geschichte hat die Herausgabe der Schrift offenbar überrollt.

Neben der Beschreibung einer Tour auf das Sonntagshorn in der überschwenglichen Sprache jener Zeit („Gegen Westen und Süden erhoben die Tauern und Alpen von Salzburg, Tyrol und Kärnthen ihre zahllosen Häupter empor, ähnlich einem ungeheueren Heere von Riesen mit blendenden Speeren und Hörnern. Unser Aug‘ und unser Geist erhob sich mit Ihnen über die Wolken.“) wird auch der Weg zum Staubbachfall beschrieben: „Wir wanderten über Wiesen und Matten hin und geriethen durch eine Schlucht in ein tiefes, enges, wildes Thal. Ein Pfad, nur zwei Fuß breit, führte an grässlichen Abhängen und Abgründen zu einer stark verwitterten Kalkwand hin, wo uns ein wahrer Schauer ergriff. Durch mehrere verschieden durchbrochene Felsenbänke wirft sich der Staubbach, wie aus den Wolken, eine Höhe von hundert Klaftern donnernd herab und seine Wassersäulen lösen sich in Nebel und Staub auf. Gerade hinter dem Falle ist eine hölzerne Treppe angebracht, welche Felsen mit Felsen verbindet. Sie hänget beinahe senkrecht über eine Kluft herab und ist mit vier Klammern befestigt. Tausende von Städtern würden hier um keinen Preis vermocht werden können, über diese Brücke zu schreiten um im Rücken des staubenden Wasserfalls die jenseitige Bergwand zu gewinnen. Allein die Anwohner zur Rechten und Linken des Thales, von Kindheit an diese Schreckens-Scene gewohnt, gehen bei Tag und bei Nacht herüber und hinüber und wagen, bloß um einen kurzen Umweg zu ersparen, kaum dass sie es wissen, ihr Leben“.

 

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!