Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Hermann Schmidtmann auf Oberrain

Die Geschichte des Hermann Schmidtmann ist eng mit der bäuerlichen Geschichte und der Landwirtschaft im Pinzgau verbunden. Aus alten Zeitungen und persönlichen Gesprächen versuche ich von dieser interessanten Persönlichkeit ein Portrait zu zeichnen.

Was wissen wir von Hermann Schmidtmann?
Der Sohn armer Eltern aus Schmalkalden, nahe Hannover wurde am 10. Jänner 1841 geboren, ging mit 17 Jahren nach Amerika und kam mit 30 Jahren als sehr reicher Mann nach Europa zurück. Er kaufte u.a. dem Erfinder der Diamantenkronenbohrmaschinen sein Patent ab und verkaufte es weiter an den Rockefeller Konzern, mit enormem Gewinn. Er kontrollierte um das Ende des 19. Jahrhunderts den gesamten, noch jungen Düngemittel Markt in den USA, Russland, Deutschland und der k.k. Monarchie, die Kaliweltmacht. Er besaß Silberminen in Südamerika und Patente beim aufstrebenden Eisenbahnbau in ganz Europa.

Im Jahre 1885 war Hermann Schmidtmann zur Erholung als Gast in Reichenhall (es wurde erst 1890 Bad Reichenhall), kehrte auf einer Kutschfahrt im Gasthof Post in Unken ein und kam zum ersten Mal nach Lofer. Danach änderte er sein bisheriges Leben.

Er kehrte der Industrie den Rücken und wandte sich der Landwirtschaft, der Viehzucht, der Jagd und der Fischerei zu. 

1890 kaufte er den alten Herrschaftssitz Grubhof, den er zu einem Schloss umbauen ließ sowie Oberrain in Unken.

Zwischen Unken und Hinterthal am Hochkönig kaufte er viele Bauerngüter auf. Durch die neuartige  Kali-Düngung,  bisher kannte man nur Jauche und Mist, wurden die Erträge erheblich gesteigert. Seine Höfe wurden Mustergüter. Erfolgreich wurde das Pinzgauer Rind gezüchtet  und  das  norische Pferd. Eine Heimat der „braunen Lipizzaner“ wurde der Brandlhof. Die weißen Pferde waren ja dem österreichischen Kaiserhaus vorbehalten.

Hermann Schmidtmann pachtete  30.000 ha Jagdrevier. Er beschäftigte mehr als 30 Jäger, baute Straßen und Hütten aus, regulierte Wildbäche, sanierte alte Gehöfte und forstete Wald auf. Vorerst residierte er in einem Jagdhaus im Hinterthal, dem Badhaus, das später von einer Lawine weggerissen wurde.

Im April 1891 schloss er mit dem Flatscherbauern Jakob Herbst einen Vertrag  „für  immerwährende  Zeiten“  über  „die  Legung  der  zur Wasserleitung  vom  Kramerhause  nach  Oberrain nötigen Röhren“ über das Flatscherfeld ab. Der  Kramerwirt  und  das  gegenüberliegende sog.  Mauthaus  gehörten  damals Hermann Schmidtmann. Heute noch hängen als einzige Häuser am linken Saalachufer Oberrain, das ehemalige Buchmayer bzw. Friedl Haus Nr. 32a und 32b und der Kramerwirt an dem alten Wasserbassin am Achberg.

Von  Lofer  nach  Hinterthal  baute  er  die  erste Telephonleitung  und  für  Grubhof  das  erste Elektrizitätswerk im Pinzgau.

Schmidtmann ließ Versuche mit Getreide- und Obstzüchtungen anstellen und baute in Lofer Glashäuser in denen er im Winter Erdbeeren, Gurken und Weintrauben für den (deutschen!) kaiserlichen Haushalt in Berlin anbaute.

Aus Amerika hatte er Regenbogenforellen eingeführt die er im Saalachtal mit Erfolg züchtete. Hermann Schmidtmann war mit Josefine Bürgi, einer Schweizerin verheiratet. Sie hatten einen Sohn und eine Tochter: Waldemar und Florence.

Die Aktivitäten dieses dynamische Mannes stießen selbstverständlich nicht nur auf Zustimmung sondern machten vielen Pinzgauern große Sorgen und in der  hiesigen Presse war immer wieder vom „Ausverkauf der Heimat“ zu lesen.

Hermann Schmidtmann starb 1919 im Alter von 79 Jahren auf Schloss Grubhof und ist im Garten des Schlosses begraben.

 

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!