Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Früher Fremdenverkehr – Bad Unken

1873 – Bad Unken.

Das rührige Cur-Comite mit seiner „Vorstehung“ Josef Mayrgschwendtner machte es möglich, dass Unken den Status eines Curortes und damit den Namen Bad Unken bekommen hat. Reichenhall sollte erst 13 Jahre später Bad Reichenhall werden!

Die Curtxe betrug 4 Kronen und wurde erst ab dem sechsten Tag des Aufenthaltes eingehoben. Kinder bis 15 Jahre und Dienerschaft bezahlten nur 1 Krone. Befreit waren die Herren Ärzte mit ihren Angehörigen.

Ausflugsziele hatte man im Überfluss anzubieten. Sehr begehrt waren die Touren auf die umliegenden Berge, vor allem zum Sonntagshorn, ins Heutal und zum Staubfall. Seit die Schwarzbergklamm vom bayerischen König für die Holztrift mit Stegen ausgebaut worden war, wurde sie in kurzer Zeit ein weithin bekanntes touristisches Ziel. Bergführer, Sänftenträger und Reitpferde wurden angeboten.

Wasserstellen wurden von den Gästen besonders gern aufgesucht: die Löwenquelle, die Kalte Quelle, die Bunsquelle, der Ennsmann- Wasserfall, die Innersbachklamm.

Nahe Spazierwege waren die Moritzgass’, die Lohweberwiese und die Bismarklinde, die manchmal auch Hindenburglinde genannt wurde, sowie die Josefsallee, deren Namen sich bestimmt auf Josef Mayrgschwendtner bezieht und der (nicht mehr existierende) Wilde Weg zum Köstlersteg. Nicht zu vergessen der Kalvarienberg und die Pichler Schanzen.

Zwei in alten Schriften erwähnte Ziele versuchte ich auszuforschen: „...über den kalten Brand zur Mariannenruhe“ und „durch den Perchtwald zur kalten Steinquelle“. Ersteres, so erzählt Marianne Sturm, die alte „Bäckin“, war ein Rastplatz mit Tisch und Bank auf dem Weg vom Schütterbad zur Löwenquelle. Der Name hätte aber mit ihr nichts zu tun. Das zweite Ziel, so erzählt Waldemar Haider, Percht Waldi und Sebastian Wimmer, Eggerbauer bestätigt das, ist ein großer Felsen im Perchtwald, wo die Steine zum Straßenbau für den Flatscherbichl und den Eggerbichl gebrochen wurden. Dort gab es eine besonders gute Quelle, die heute nicht mehr in der alten Form existiert, deren Wasser aber den Forellenteich des Perchtbauern speist. Auch die Hintermühle und der Friedlwirt waren beliebte Ausflugsziele. Einspännig zur Hintermühle bezahlte man 1 Gulden 50 Kronen hin und zurück, zweispännig das Doppelte. Ein einspänniger Ausflug nach Lofer kostete 2 Gulden und 50 Kronen Trinkgeld 30-60 Kronen. Ein Reitpferd samt Knecht zur Loferer Alm kostete 6 Gulden. Gleichviel wie zwei Sesselträger zur Schwarzbergklamm. Zum Vergleich: die „22 besteingerichteten Fremdenzimmer“ im Gasthof Post kosteten von 50 Kronen aufwärts bis zu 1 Gulden 40 Kronen pro Nacht.

Der Curort Bad Unken wollte nicht so recht florieren. Um berechtigterweise eine Curtaxe erheben zu können, mussten Wege und Stege, Bänke, Rastplätze und Markierungen in bestem Zustand gehalten werden. Auch musste ein Curarzt den Gästen zur Verfügung stehen. Das ist nicht gelungen.

1911, man hatte schon lange verhandelt, einigte man sich auf die Aberkennung des Attributes „Bad“, durfte aber eine „Saisontaxe“ erheben. Da waren wir wieder bloß Unken.

Der „Curerfolg“ ist wohl immer ein Resultat der schönen und gesunden Gegend, der frischen Luft und vielleicht des Wohlbefindens bei friedlichen, liebenswürdigen Menschen gewesen. Für einen angenehmen Aufenthalt stand den Gästen um 1912 auf der Post ein Lesezimmer mit Bibliothek, beim Kramerwirt eine Volksbücherei und ein Klavier, auf Oberrain eine Bibliothek und ebenfalls ein Klavier zur Verfügung. Die meisten Häuser hatten inzwischen elektrisches Licht.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!