Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Das Abdeckerhaus – Geschichten um den Abdecker oder Schinder

Das alte Haus auf der rechten Seite, das war das Haus des Wasenmeisters, der landläufig Abdecker oder Schinder genannt wurde.

Er hatte eine wichtige Funktion, sein Berufsstand war aber nicht sehr angesehen und im Wirtshaus setzte sich kaum jemand neben ihn. Seine Aufgabe bestand darin, verendeten Tieren die Haut abzuziehen und die Kadaver zu vernichten. Meist hat er sie vergraben. 1642 finden wir in alten Akten einen Hinweis auf einen vom hochfürstlichen Landgericht Lofer getroffenen und beschlossenen Contract, wonach einem Abdecker „ain Behausung auf der hochfürstlichen Freie unter der Reiter - brücke zu erbauen“ sei.

Vom 11. März 1774 haben wir es schriftlich: Anton Feichtner erwarb einen „nach der Achen aus, unter der Reiter Pruggen am Freyberg herab liegenden Einfang.“ Dieser war 160 Schritte lang und 60 Schritte breit. Heute noch heißt dieses Grundstück Abdeckerfeld. Der Abdecker sollte, aus verständlichen Gründen, Hunde halten und ein Pferd. Das war sozusagen sein Dienstfahrzeug. „.....nachdem der Abdecker aines Zuges vonnöthen, also soll er das Ross allenthalben auf der hochfürstlichen Freie und den Almen (jedoch soll er damit immer wechseln) die Weide unverwehrt zu besuchen haben. Außerdem soll die gemeine Landschaft (die Allgemeinheit) das fragliche Ab deckerhaus hinfirt innezuhalten schuldig sein.“

Viel häufiger als wegen ihrer eigentlichen Aufgabe finden wir Geschichten von Abdeckern und ihrer Frauen in Gerichtsakten wegen Kurpfuscherei. So nannten es die Bader jener Zeit, von denen auch jeweils die Anzeigen stammten.

Die hiesigen Bauern verließen sich häufig auf die Heilkunst des Abdeckers. Die Rezepturen vererbten sich über Generationen. Weil die Abdecker, ähnlich geächtet wie Henker, oft innerhalb ihrer Berufssparte heirateten, blieb das Wissen immer in einem engen Kreis.

Zur Behandlung verwendete man häufig Kräuter und erzeugte damit eine „Schmirb“, handelte mit dem „Damsweger Pulver“, das im Kapuzinerkloster in Tamsweg hergestellt wurde und immer ein Geheimnis blieb, man setzte „Schwindtbändl“ ein und die „Petro Cordial Kugl“, auch sie blieb bis heute ein Geheimnis.

Viel wurde mit „Orinn“ kuriert. Urin wurde in jüngster Zeit von Naturheilkundlern als Heilmittel wiederentdeckt.

Bedeutung hatte auch „gemischt geweihtes Wasser“. Wasser vom Ste fanitag (26. Dezember) und vom Hl. Drei König Tag (6. Jänner). Diese Geschichten hat Margot Adler zusammengetragen und sie sind nachzulesen in der Kniepass Schrift „Heilmittel für vielerlei Weh.“

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!