Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Waschhäuser, Brunnen, Holzhütten, Machlstuben, Heustadel, Zuhäusel und eine Garage

Waschhäuser als Feuerstellen waren immer Gefahrenherde und in gehörigem Abstand vom Haupthaus gebaut. So, wie die Brechelstuben und Backhäuser unweit der Bauernhäuser. Auf unserem kurzen Weg durch das Dorf er - innere ich mich an das Waschhaus beim Neuhauser, beim Schulhaus vor dem Ziegenstall, das Kaltenbachwaschhaus gleich neben dem Ortnerwaschhaus, das Waschhaus beim Flatscherbauern, das als einziges noch existiert. Es steht rechts vom Flatscherbauernhof am Weg nach Oberrain. Dann gab es noch das Waschhaus beim Schuster Wimmer am oberen Ende des Ortnergassls und das Waschhaus im Untergeschoss des Magazins vom Kaufhaus Leitinger. Das Waschhaus beim Kramerwirt, der im Besitz von Hermann Schmidtmann war, wurde anlässlich der Denkmalerrichtung 1908 abgetragen und in das Haus verlegt. In der Spendenliste für die Errichtung des Denkmals für die Freiheitskämpfer 1908 sind 300 Kronen von Hermann Schmidtmann verzeichnet „zum Ersatzbau seines abgerissenen Waschhauses“.

Markant im alten Dorfbild waren auch die öffentlichen Brunnen. Die Wohnhäuser hatten meist selbst kein fließendes Wasser und die vielen Pferde im Ort, 1953 waren es noch 100, benützen sie als „Tankstellen“. Brunnen gab es außer diesem Jägerbrunnen hier noch beim Neuhauser Waschhaus, vor dem Schulhaus, links vom Kaltenbachhaus, beim Uhrmacher Haider, beim Posch Hansl heute Haus Nr. 36, zwischen Ortner und der Holzleg, beim Flatscherbauern, unter dem Küchenfenster vom (alten) Mayrwirt und vor dem Leitingerhaus. Von den neun Brunnen an unserem heutigen Weg, an die ich mich als Kind erinnere, ist nur noch dieser Jägerbrunnen übrig geblieben.

Fast verschwunden sind auch die zu jedem Haus gehörigen Holzlegen, die bei uns einfach Holzleg heißen. Klar, seit wir mit Öl oder Gas heizen! Die einzige richtig originale Holzhütte auf unserem Weg ist die vom Griesserhaus, dem ersten Pfarrhof von Unken. Eine kleine Holzleg gibt es noch hinter dem Haiderhaus Niederland Nr. 66. Ein gutes Beispiel steht auch noch am Steinpass.

Machlstuben, diese wunderbaren Ansammlungen von Werkzeug und kaputten und doch immer noch brauchbaren Teilen jeglicher Art in malerischem Chaos, in dem der Bauer oder der Knecht immer sofort wusste, wo er hingreifen musste um das Gewünschte zu finden, gab es direkt im Dorf selten. Ganz sicher hatte der Posch Hansl eine Machlstube in die ich manchmal hineinschauen durfte wenn Mutter mich schickte, einmal im Jahr den Krauthobel auszuleihen. Dort roch es nach Holz, Sägespänen und „Hobelschoatn“. Eine Wunderwelt! Heute gibt es so eine Machlstube noch beim Tischler Rudi. (Rudolf Dankl) Allerhand Werkzeug und Gerät wurde damals in Nachbarschaftshilfe verliehen. Und hilfsbereit sind die Unkener heute noch! Sich Dinge zu leihen war Teil des Zusammenhalts in einer Dorfgemeinschaft in schwierigen Zeiten. Und schwierig waren sie ja wirklich! Die gängigen Leihgaben spielten eine gewisse öffentliche Rolle im Dorf. Die Bauern unter einander hatten sicher eine viel größere Anzahl von Geräten und Werkzeug, die sie liehen bzw. verliehen. Das wichtigste „Gerät“, das wir uns ausgeliehen haben war der Nissenkamm vom Grünbacher. Nissen sind die Eier der Kopfläuse. Wir hatten in der Volksschule immer Läuse. Verdunklungspapier wurde auf dem Tisch ausgebreitet. Das war in jedem Haushalt vorhanden um nachts die Fenster dicht zu machen und den feindlichen Fliegern kein Ziel zu geben. Den Kopf über den Tisch gebeugt, wurde dann so gekämmt, dass die lästigen Tierchen auf das dunkle Papier fielen und schließlich mit dem Fingernagel erlegt wurden. Den Krauthobel benötigten wir einmal im Jahr um unser eigenes Sauerkraut zu machen und die Brennschere für die Stoppellocken für Fronleichnam, Erstkommunion und Firmung. Manchmal wurden die Locken schon „in aller Hergottsfrühe“ gedreht, weil die Brennschere noch so einen weiten Weg durch das Dorf vor sich hatte. Ja und da gab es noch das „Regenbogenkleid“ für den Fasching. Das war ein Kleid a la Carmen, mit stufigen Rüschen in verschiedenen Farben. Das habe ich nie getragen. Als Kinder während des Krieges sind wir in Krepp - Papier Kostümen „gegangen“ und später haben wir uns selbst einen Fummel genäht... Wem die Brennschere und das Regenbogenkleid gehört haben, weiß ich bis heute nicht...

Heustadel, ein weiterer aussterbender Teil unserer Dorflandschaft finden sich logischerweise nicht an unserem Weg, der ja direkt durch unsere „City“ führt. Auf dem bekanntesten Stich von Unken etwa aus dem Jahre 1850 sehen wir den Heustadel des Bunzbauern. Er wurde im Jahre 1976 abgerissen und durch einen Neubau für landwirtschaftliche Geräte ersetzt.

Zuhäusl gab es beim Kaltenbach Nr. 3, und beim Mayrwirt. Sie sind beide längst abge - rissen. Sehr zentral am Dorfplatz gelegen gab es bei uns noch eine freistehende Garage für das einzige Lastauto im Dorf, das Lastauto des Frächters und Inhabers des Kaufhauses Leitinger, Josef Leitinger. Die großen Gasthöfe, der Mayrwirt (Kirchenwirt), der Kramerwirt und die Post hatten alle ihre eigenen Remisen für Kutschen.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!