Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Die Meislquelle

Hier am Maislknogel also war’s, wo so um 700/600 vor Christi Geburt (es gab noch keine Weihnachten und Ostern), also noch vor der Blütezeit des antiken Athen, eine Siedlung bestanden hat. Der Grund: Eine Salzquelle. Sie liegt hinter dem Maislhof in der Wiese und ist aus Sicherheitsgründen mit einem kleinen Holzhäuschen überdacht. Immer noch sei der mit Lärchenholz ausgekleidete Schacht 30 Meter tief, etwa so tief wie unser Kirchturm hoch ist. Das Wasser aus der Tiefe ist immer noch sattes Salzwasser.

Der Name Meisl kommt wahrscheinlich von „feuchter Stelle“, wie auch Mösel, Mösern u.ä. Der Hausname „Pfannhauser“ bedarf keiner Erklärung. Wie in Reichenhall, wurde auch hier das Salz durch Verkochen gewonnen. Am Unkenberg gibt es noch einige Hausnamen, die aus dieser Zeit stammen z.B. Haitzmann und Brenner. Soder wäre nicht mit dem Salzsieden in Verbindung zu bringen, heißt es. Weil es aber in Hallenstein (Salzstein) auch einen Soderbauern gibt, kann ich das nicht ganz glauben.

Die früheste bisher gefundene Erwähnung von Unken stammt aus dem Jahre 1137 . Auf dieses Datum bezieht sich die 850 Jahr Feier, die wir 1987 begangen haben. Die Erwähnung hat mit Salz zu tun aber mit dem in Reichenhall und nicht mit dem aus der Meislquelle. Erzbischof Konrad I. übertrug damals dem Augustiner Chorherrenstift Reichersberg am Inn eine Salzpfanne in Reichenhall und dazu sechs Hofstätten in den Wäldern, die im Volksmund Unchen genannt werden, von denen Holz zu derselben Pfanne geliefert wird.

Aber bereits wenige Jahre später – 1210 – belehnte Erzbischof Eberhard II. das Stift St. Peter in Salzburg mit einer Salzpfanne in Unken.

Die Reichenhaller zerstörten die Anlage noch im selben Jahrhundert, weil sie Angst vor Konkurrenz hatten. Für eine Weile gibt es keine Berichte mehr. Die Quelle wurde vergessen.

Am 8. Juni 1666 wurde von zwei Bauern durch einen Bericht der Salzburger Hofkammer die Anzeige gemacht, dass in dem Moorgrunde des Thomas Pfannhauser nahe an dessen Stift Petrischen Pfannhausgute (dem Stift St. Peter zu Salzburg gehörenden) von dem gedachten Besitzer und einem gewissen Johann Mölschl vor kurzem ein sauerer Brunnen (Salzquelle) entdeckt worden wäre.

Beide hätten weiter nachgegraben und darinnen verschiedenes altes Holzwerk zwischen Stauden und Steinen gefunden, woraus zu schließen wäre, dass die Wände desselben vor langer Zeit aus Steinen und Holz aufgeführt gewesen seien. Nach geschehener Reinigung hat man mittelst einer hinab gesteckten 32 Fuß langen Stange eine noch reichhaltigere Salzquelle entdeckt, wovon sechs Viertel Wasser nach dreistündigem Sieden zwei Pfund Salz gegeben haben.

Die Hofkammer befahl am 3. Juli hierauf alte Männer darüber zu Protokolle zu vernehmen, wann dieser Brunnen zuerst erbaut und warum davon abgestanden worden wäre (warum man ihn nicht weiter genutzt hätte).

Sechs hierüber befragte alte Männer bestätig- ten den 10. Juli einstimmig folgende von Seba- stian Haitzmann auf die vorgelegten Frage- stücke gemachte Aussage:

„Die gemain Sag ist schon lang herumgegangen und gar von den Alten für ain Prophezeihung gehalten worden, wann man zu Reichenhall dem Arbeiter zu hart mitfahre (ihn zu schlecht behandelte), so werde in Unkhen ain Salzbrun- nen aufstehen und auf der Khranwettau daselb- sten ain Salzpfann aufkhommen.“

Noch im nämlichen Jahre gab die Hofkammer den Befehl, diesen Brunnen ganz auszuschöpfen und vollkommen zu reinigen.

Erst im Jahre 1668 den 12. April , geschah die eigentliche Untersuchung der 1666 wiederentdeckten Salzquelle in Unken durch den Pfleger von Hallein Adam Stöckl von Judendorf und zwei Bergmeister. Das Resultat wurde nicht allgemein bekannt.

Der Reichenhaller Salinenoberinspektor Reiner berichtete später, dass sich vor dem großen Stadtbrand im Jahre 1834 in der Saline eine Akte aus dem Jahre 1666 befunden habe und zitierte: „Die Hofkammer von Salzburg ließ im Jahre 1666 jenen Schacht, der die Salzquellen einschließt, ganz ausschöpfen und reinigen. Man fand den Schacht 37 Fuß tief in ganzer, noch unversehrter Zimmerung stehen ohne zu wissen, wer diese Zimmerung einsetzen ließ. Von Seiten Reichenhalls war man in Sorge, dass Salzburg eine Salzpfanne nach Unken bauen und hierdurch Reichenhall Eintrag (Nachteil verursachen) machen könnte.“

München trug daher den Beam- ten zu Reichenhall auf, „genaue Obsicht auf die Schritte Salz- burgs unter der Hand“ also nicht offiziell, zu halten.

1668 – Etwa 30 Salzhändler wurden bei einem großen Verhör vernommen. Ihnen wurde Fälschung von Salzzetteln vor- geworfen.

Im Jahre 1676 wurde befohlen, über der Unkener Salzquelle eine Hütte zu erbauen und das Jahr darauf wurde den Unkenern auf ein Jahr lang gegen 6 Gulden Pacht die Bewilligung erteilt, sich aus dieser Quelle Salzwasser zu holen „um die etwas trockene Futterei damit zu benetzen“, also dem Vieh genießbarer zu machen.

Im Jahre 1681 setzte man auf den Eimer Unkener Salzwassers aus der 1666 wiederentdekkten Salzquelle an der Pfannhauswand einen ordentlichen Preis von 4 Kreutzern.

Anno 1710 wurde die Erlaubnis, aus dem Jahre 1681 , für 4 Kreuzer pro Eimer Salzwasser aus der Unkener Quelle zu holen, wieder abgestellt.

In diesem Jahre wurde auch einem Unterthanen seine Bitte, Salz für das Vieh sieden und seinen Nachbarn verkaufen zu dürfen, rundweg abgeschlagen.

Die Kosten für die Ausbesserung der Hütte über der Unkener Salzquelle beliefen sich im Jahre 1778 auf 26 Gulden, die der Amtcassa zu besorgen befohlen wurde.

Höchst wahrscheinlich wurde diese Quelle wegen des bayrischen Salzwerks in Reichenhall nie ausgenützt.

Im Laufe der territorialen Verwerfungen während der wiederholten Napoleonischen Feldzüge wurde das Pfleggericht Lofer und die Großgmain kurzfristig dem Pfleg- und Landgericht Reichenhall untergeordnet.

Damit tauchten 1811 bayerische Interessen an der Unkener Salzquelle auf. Bisher waren sie nur eine mögliche Konkurrenz gewesen, jetzt hatte man die Chance, sie vielleicht für sich selber zu nutzen.

Der General- und Salinenadministrator Utzschneider war selbst vor Ort und ordnete an, den Schacht in das Grundgebirge so weit als möglich abzuteufen.

Dafür wurden monatlich 150 Gulden und wei- tere 50 Gulden für die Arbeit mit dem Bergbohrer angewiesen.

In dieser Zeit entstand sogar ein Plan von Forstinspektor Huber für eine Soleleitung von Unken nach Reichenhall über 18 km mit einem Höhenunterschied von 110 m.

Der ganze Bau besteht aus einem Haupt- und einem Nebenschacht, beide hinter dem soge- nannten Pfannhausbauern. Der Hauptschacht ist 41 Lachter tief, das Lachter zu 6 Fuß gemessen, 7 Schuh, 8 Zoll lang und 6 Schuh breit, die Hängebank und die Zimmerung nicht mitgerechnet. (1 Fuss – ca. 32 cm, 1 Lachter = 1,9 m) Mit 41 Lachter ist der Schacht also rund 78 m tief.

Geologisch fand man nach einer Schicht von lettigem Ton bis zur Tiefe von 50 Schuh schwärzlich graue, mergelartige, schieferige Salzzon mit schwarzen Absprengungen und dazwischen Gipsadern. Von 50 Schuh bis 133 Schuh durchteufte man das Haselgebirge mit einer Stärke von 83 Schuh. Hier fand man Salz- adern mit Stärken bis zu einem Zoll (25 mm).

Auf dem Fuß des Haselgebirges wurde an der mitternächtlichen Ulme (nördliche Seiten- wand) des Schachtes zur Schussflucht eine Strecke getrieben (damit die Bergleute beim Sprengen nicht an die Oberfläche mussten). 76 Schuh tiefer machte man das gleiche noch ein- mal und kam nun in festes Kalkgestein, später noch einmal in Haselgebirge. Die gesamte Teufe endete bei 246 Schuh = 41 Lachter = 78m.

Der Salzeinbruch erfolgte in einer Tiefe von ca. 25 Metern, bis zur Tiefe von 78 Metern wurde keine Sole mehr gefunden.

Der Bericht schließt mit dem Satz: „Soviel zur Wissenschaft und Nachrichtung unserer allenfalls bergbaulustigen Nachkommen.“

Am 25. November 1812 wurde der Versuchsbau auf Befehl von Oberstberg- und Salinenrat Flurl eingestellt. Er hatte rund 3530 Gulden gekostet. Danach schweigen die Archive wieder. Knapp hundert Jahre später wird die Quelle im Grundbuch erwähnt: Auf Grund der Eintragung von 1908 gehört das Recht der Salzwassergewinnung bzw. der Salzbrunnenschürfung auf der zum Meislgut gehörigen Grundparzelle und das Leitungsrecht bis zum Schloss über detailliert angegebene Grundparzellen zum Schloss Oberrain Es passt gut zu den vielen Aktivitäten des Hermann Schmidtmann, dass er sich offenbar diese Rechte gesichert hat.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!