Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Das ehemalige Zollamt

SIE HABEN JETZT DIE WAHL, mit dem Bus heim zu fahren oder die Straße in Richtung Saalach zu überqueren und Fluss aufwärts durch die Josefsallee zurückzugehen.

BEGLEITEN SIE MICH DOCH noch eine kleine halbe Stunde länger und wir gehen nach Bayern hinüber.

In der Mitte der breit werdenden Straße steht das ehemalige Zollamt, leer und vorerst keiner neuen Verwendung zugeführt. Seit dem Abkommen von Schengen sind nach und nach alle Grenzen innerhalb der EU-Mitgliedstaaten gefallen und dort, wo früher emsiges Treiben, reger Verkehr und auch Herzklopfen herrschte, ist es jetzt fast unheimlich still.

Das bayerische Zollamt droben in Melleck und das österreichische Zollamt hier unten am Steinpass wurde 1951 / 52 in diesem Inselzollamt auf österreichischem Staatsgebiet zusammengelegt. Deutlich erkennt man noch die ursprünglich geplante deutsche Ausreise / österreichische Einreise auf der einen Seite und die österreichische Ausreise / deutsche Einreise auf der gegenüberliegenden Seite. Verkehrsmäßig brachte das doppelte Anhalten unendliche Schwierigkeiten mit sich und man besann sich bald, dass eigentlich für den Staat jeweils nur die eingeschmuggelten Waren wirtschaftsschädlich waren, nicht so sehr die außer Landes gebrachten Güter. So entwickelte sich die eine Straßenseite zur österreichischen Einreise, die andere zur deutschen Einreise. Und irgendwann hörten Zölle und Passkontrollen auf, am Steinpass eine Rolle zu spielen. Entsprechend dem Schengener Abkommen kontrollieren Beamte heute innerhalb des Landes und verständigen sich über „böse Buben“. Früher gab es ein Aufatmen, wenn man mit schlechtem Gewissen den Schlagbaum passiert hatte. Heute darf man sich lange noch nicht sicher fühlen, wenn man an der alten Grenze vorbeigefahren ist. Und das ist gut so!

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!