Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Schütterbad – Badequelle, altes Heilbad und neuer Gasthof

VON DER LÖWENQUELLE GEHEN wir über das Herrenwegl zur „Schiederweberau“. Hier blühen im Sommer und Herbst die geschützten Alpenveilchen oder Zyklamen.

Rechts unter uns, der „Gasthof Schütterbad“ und seine Quelle. Eine Sage erzählt uns von der Entdeckung der Heilkraft des Wassers vom Schütterbad: Eine verletzte Hirschkuh wäre immer wieder zu diesem Wasser gekommen und schließlich gesund geworden. Aus dem Jahre 1562 haben wir die älteste Erwähnung des Schütterbades: Ein „Wildpat enthalb der Achen gegen den Unkenrain über und ein Einfank auf dem selben Ort gegen das Wasser, genannt die Achen, auf derselben Au ist ein neuer Einfank“. Besitzer Hans Pfannhauser ist Weber. Er besitzt Holz- und Weiderechte.

In alten Schriften aus dem Jahre 1606 heißt es:„Thomas Batsch und Christina Schütterin haben ain Behausung und Wildpat enthalb der Achen.“ Da haben wir es immer wieder, das Wildbad und das wunderbare Achbergwasser! Im Jahre 1865 erschien in Budapest in der königlich ungarischen Universitäts - Buchdruckerei die Broschüre „Das Alpenbad Unken und seine Umgebung“ von Graf Welsperg. Er berichtet u.a. über seine Kur in Unken:

„Noch ist der Badeort von eleganter Welt unberührt....“

Die Kost ist einfach, aber recht gut, und wie alles andere sehr billig. Ein Bad kostet 20 Kreuzer, ein Zimmer täglich 80 Kreuzer, Table d’hote Mittags und Abends (wir würden heute, auch nicht viel deutscher, sagen: Tagesmenue) 90 Kreuzer. Die Bäder (20 – 50 für eine Kur) werden gewöhnlich Morgens, eine Stunde nach dem Frühstück, mit 26 bis 28 Grad Temperatur genommen.

Die Trink – Kur, sowohl Morgens vor dem Frühstück, als Nachmittags für sich allein, oder neben der Bade Kur. Die Leute der Gegend sind gutmüthig, freundlich, für kleine Geschenke sehr dankbar. Ich wanderte Tage lang allein, lediglich mit einem Bergstock versehen durch Felder, Wälder, Alpen und Felsen, ohne je eine Unannehmlichkeit zu erfahren. Noch ist der Badeort von eleganter Welt unberührt geblieben, daher man dort zwanglos, gemüthlich, in jeder Beziehung ingenirt, das Leben in Ruhe geniesst.

In allen alten Reisebeschreibungen wird der Spruch über der Haustüre des Schütterbades erwähnt:

Gott giebt dem Wasser Heilungskraft Er ist’s, der mir das Brod verschafft, Hab’ Haus und Hof und Bad erbaut, Dem Gottes Schutze anvertraut.

Der Spruch befindet sich heute noch über dem südlichen Hauseingang, ist aber im Rahmen der vielen Umbauten neu gestaltet worden.


Dr. J. W. Werner aus Wien schrieb u.a. über die Badequelle:

Die Badequelle beim Schütterbad

In diesem Brunnen, welcher mit Brettern eingedeckt ist, um das Wasser vor Verunreinigung zu schützen, liegen mehrere hölzerne Röhren, die das Wasser zum Theil in das kaum hundert Schritt entfernte alte Badhaus (es existiert nicht mehr), zum Theil aber in einen hölzernen Verschlag leiten, worin sich ein einfaches Druckwerk befindet, welches mittelst eines oberschlächtigen Rades in Bewegung gehalten wird, und das Badwasser auf die erforderliche Höhe treibt, um dann in dem neuen, höher als die Quelle gelegenen Badhause nach Bedarf verwendet werden zu können.

Auch das Wasser der Trinkquelle wird zum neuen Badhause geleitet, bedarf aber wegen des um einige Klafter höheren Ursprungs keiner künstlichen Hebung. Jedoch ist das Trinkwasser daselbst bei weitem nicht mehr so frisch und wohlschmeckend, als beim Ursprunge selbst, indem es trotz des kurzen Laufes von einigen hundert Schritten schon eine Temperatur – Erhöhung von 3 – 4 Grad R. erleidet, mithin +7 – 8 Grad R. hat, was wohl dem Umstande zugeschrieben werden muß, daß die Leitungsröhren von Holz und meist unbedeckt der Einwirkung der äußeren Wärme ausgesetzt sind.

Beide Röhren, mit dem Bad- und Trinkwasser, werden von dem rechten Saalufer zum linken über eine hölzerne, 60 Schritt lange und ohne Mittelpfeiler erbaute Brücke zum nahen Badhause geleitet. Die Badequelle ist der eigentliche Heilbrunnen, welcher schon seit mehreren Jahrhunderten bekannt ist, und welchem das Schütterbad den Ruf eines kräftigen Antarthriticums, den es in der Umgebung genießt, verdankt. Diese Quelle ist es auch, welche in der neuesten Zeit über heftige und hartnäckigen rheumatische und gichtische Leiden gesiegt hat, indem man leicht nachweisen kann, daß die meisten Badegäste, welche ihr Heil hier suchten, und zum Theil oder ganz gefunden haben, mit Leiden behaftet waren, die entweder die rheumatische oder gichtische Natur deutlich beurkundeten. Um jedoch hier dem Einwurfe, wie es komme, daß ein Heilbrunnen mit einer so höchstindifferenten chemischen Mischung, wie die qualitative Untersuchung des Wassers der hier besprochenen Quelle nachweiset, im Stande sei, so auffallende und schnell erfolgte Heilungen zu bewirken, in vorhinein zu begegnen, will ich auf einen wichtigen und einflußreichen Umstand in möglichster Kürze aufmerksam machen. Die heilbringenden Momente unserer Badequellen liegen nicht alle im Wasser selbst, sondern zum Theil außerhalb desselben, und zwar in den klimatischen Verhältnissen bezüglich der Lage und Erhöhung des Badeortes über die Meeresfläche. Diese klimatischen Verhältnisse sind es, welche eine bedeutende Rolle spielen.

Die Temperaturangabe in „Reaumur“ geht zurück auf den französischen Technologen Rene – Antoine Reaumur, geboren 1683, der eine „Abhandlung über Thermometrie“ herausgegeben hat, die allgemeine Gültigkeit bekam. Unsere heutige Temperaturangabe in Celsius Graden verdanken wir dem schwedischen Gelehrten und Astronomen Anders Celsius, geb. 1701. Seiner Centesimal – Skala liegen der Schmelzpunkt des Eises bei Null Grad und der Siedepunkt des Wassers bei 100 Grad zugrunde.

Noch während der späten Fünfziger Jahre konnte man hier Badekabinen mieten. Das Bad war sehr beliebt, es wurde aber nicht zu Kurzwecken sondern der Körperpflege wegen besucht. Es gab doch damals noch kaum ein
Badezimmer in Unken. Das vielbesuchte Freibad im Schütterbad gab es bis zur Eröffnung des Freizeitzentrums im Jahre 1972. Wenn das Wasser im Becken sauber war, war es eisig kalt, es kommt mit 5 Grad Celsius aus dem Berg. Und wenn es eine angenehme Temperatur bekam, schwammen dann auch Frösche drinnen.

Wir Kinder der Kriegsjahre haben die herrlichsten Erinnerungen an die Sommer im Schütterbad, den glitschigen „Balken“ und einen Tiptank, den ein Flugzeug abgeworfen hatte, und der dann unser Boot wurde.... Heute ist das Haus ein sehr gut geführter Gasthof, was die vielen Stammgäste beweisen. Illustere Gäste stehen schon im alten Gästebuch, darunter die Bankiersfamilie Daghofer aus Salzburg, die Tomasellis und viele andere......

Im Kern ist auch das alte Schiederweberhaus, der „Gasthof Schütterbad“ ein schmales Flusshaus.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!