Ein herzliches Danke an die Autorin Christine Becker (†)

Altes bayerisches Forsthaus Gföll, vormals Rauschgütl

Links unter uns liegt jetzt das ehemalige Forsthaus Gföll, vormals Rauschgut am Gföller Kirchweg, heute ein Privathaus. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts brauchte das „Königliche Salinen-Forstamt der Saalforste auf k.k. österreichischem Gebiete“ in Unken dringend mehr Forstleute. Die Verhandlungen um den Kauf des halben Hinterggergutes im Gföll verliefen ohne

Erfolg. Nikolaus Rainer aber, Herr auf Oberrain, verkaufte schließlich das Rauschgütl mit 6 Joch und 980 Grundklafter österreichischen Maßes an das Königlich bayerische Salinen Ärar und behielt sich das Alprecht im Schliefbach und auf der Hochalm. Besondere Verhandlungssache war das Einforstungsrecht, der Anspruch auf eine jährliche, unentgeltliche Holzlieferung als Zaun- Schindel- und Brennholz, das zum Haus gehörte, die Tatsache, dass der Grund an einen Triftbach grenzte (es blieb an solchen Ufern manch Stück Holz „hängen“ und nächtliches, heimliches Holzfischen war häufig Grund für deftige Strafen) sowie der schlechte Bauzustand des kleinen Gehöftes. Anstelle von Geld wurde zum Teil ein Gegengeschäft mit Holz für „zuverlässige Handwerker“ vereinbart, die das zukünftige Forsthaus bewohnbar machen sollten. Dazu gibt es im Münchener Hauptstaatsarchiv eine umfangreiche Korrespondenz auf herrschaftlichem Briefpapier des „Königlichen Hauptsalzamtes Reichenhall“ (das Attribut „Bad“ kam erst 1890 dazu, 17 Jahre lang war Unken bereits Kurort und nannte sich längst „Bad Unken“) und der „Königlichen General Bergwerks- und Salinen-Administration“ jeweils im Namen seiner Majestät des Königs von Bayern. Protokolliert wurde in Oberrain am 17. Mai 1854. Revierförster war zu dieser Zeit Adolph Nero, Forstmeister war Franz Anton Ferchl.

JETZT TEILT SICH die Straße. Links führt der Weg zum Friedlwirt und zum Hintermühlner. Danach beginnt die Forststraße, der Unkentaler Hauptweg. Er ist nicht für den öffentlichen Autoverkehr freigegeben, aber bei Radfahrern und Mountainbikern sehr beliebt. Leicht ansteigend führt er nach etwa acht Kilometern an der Schwarzbachklamm vorbei und weiter ansteigend durch das Gebiet des Bayerischen Forstamtes bis auf die Höhen der Loferer Alm, der Kammerkör und in das bayerische Winklmoos. Wir sehen an der Weggabelung rechts auf einem Felsen das Rauschkreuz. Es sei, so sagt man, aus Dankbarkeit errichtet worden, weil die Pest in einem fernen Jahrhundert nicht über diese Stelle hinaus auf den Sonnberg, ins Gföll und ins Heutal gekommen wäre. Traurig aber wahr: die Figur wurde gestohlen, eine Kopie angefertigt, auch diese wurde gestohlen...

WIR FAHREN auf der rechten Straße weiter. Jetzt beginnt der eigentliche Heutalweg. Im Herbst 1929 wurde zum Ausbau der Straße eine Weggenossenschaft gegründet. Das bayerische und das österreichische Forstamt zusammen mit 90 Unkener Bauern bildeten eine Interessengemeinschaft. Unter der Leitung der Agrarbehörde wurde mit dem Ausbau des Weges von Unken ins Heutal begonnen. Die Bauern beteiligen sich hauptsächlich mit Robot- und Fuhrschichten. 1933 war der erste Ausbau der Heutalstraße fertig. Seither wurde immer wieder gebaut: Heute ist die Straße durchgehend asphaltiert und mit großen Bussen befahrbar. Von nun an geht’s bergauf! Je mehr wir an Höhe gewinnen, umso schöner wird die Sicht auf die Reither Steinberge mit den markanten Drei Brüdern. Rechts davon das Häuselhorn und links davon der Weitschartenkopf. Die Bewirtschaftung der steilen Wiesen am Sonnberg, auf denen kein Traktor und kaum ein Motormäher eingesetzt werden kann, spielt sich heute noch ab wie vor der Erfindung des Rades und verdient größten Respekt. Drei große Kurven sind zu nehmen, um die Höhe vom „Doi“ (Tal, verkürzt für Heutal) zu gewinnen. Die erste große Kehre ist die „Brunnerreid“. Wieder so ein Unkener Ausdruck, diesmal für Kurve. Links der Ober- und der Unterbrunner, später rechts über uns der Fuchsreiter, später links „der“ Neuhäusl, rechts entfernt der Lutz und links auf dem südlich gegenüberliegenden Hang der „Herest“ oder Herbstbauer. Das ist der einzige Zwiehof in Unken. Wir kennen hier nur Streckhöfe, Wohnhaus, Stallung und Heuboden befinden sich unter einem Dach. Beim „Herest“ sind Wohn- und Wirtschaftshof getrennt. Durch einen kleinen Wald kommen wir an die Abzweigung der Straße in das Hintergföll. Die Fahrt dorthin und die Einkehr im „Gasthof Hintergföll“ oder in der „Jausenstation Moarlack“ möchte ich Ihnen sehr empfehlen. Ein andermal! Gleich nach der Abzweigung zum Hintergföll sehen wir die alte Baureggersäge. Sie steht schon lange still, ist aber in allen Funktionen absolut betriebsfähig. Am 10. November 1948 brannte die „Bauregger Sag“ vollständig nieder. Neben der Säge gelagertes Rundholz und Bretter konnten gerettet werden. Das Feuer entstand durch unvorsichtiges Hantieren beim Anwärmen eines Dieselmotors. Noch einmal, am 3. September 1954; traf den Baureggerbauern ein Unglück. Während eines schweren Gewitters schlug ein Blitz in seinen Kaser im Heutal ein. Drei Kühe wurden erschlagen. Die mutige Sennerin Aloisia Hammerschmid löste trotz größter Unruhe im brennenden Stall die Ketten der anderen Tiere und rettete sie. Der Kaser brannte vollkommen nieder.

Es war noch gar nicht lange her, da erschütterte ein anderer Blitzschlag drüben am Schwarzberg die Menschen daheim und auf der Alm. Diese Geschichte hat die Kreuzer Friedi dem Hammerschmied Hans (Johann Leitinger) erzählt.

Wir danken außerdem den Erben zur Freigabe des geschichtlichen Werkes der Unkener Spaziergänge!